St. Georgen Fairer Handel: Schulen erarbeiten gemeinsam einen Kompass

Bald könnten die Schulen in der Stadt Fairtrade-Schulen sein. Der Kompass mit den Richtlinien wurde nun unterzeichnet. Er gibt im Schulalltag Richtlinien vor.

Es ist ein eigentlich altbekanntes Beispiel: Die lange Reise des T-Shirts, das man aus dem Regal zieht, das wahrscheinlich zigtausende Kilometer hinter sich hat und unter schwierigen Bedingungen produziert wurde. Wirklich bewusst macht man sich das, was hinter dem Produkt steht, beim Kauf und Tragen wohl nur selten. Und genau hier will das Schulnetzwerk St. Georgen nun ansetzen. Mit dem Fairtrade-Kompass sollen die Themen fairer Handel und Nachhaltigkeit ins Bewusstsein der Schüler rücken.

Symbolisch setzten die Vertreter der Schulen am Mittwoch ihre Unterschriften unter den genannten Kompass, der in fünf Unterpunkten das gliedert, was in Sachen Fairtrade wichtig ist. Ein Jahr lang hatte ein Fairtrade-Netzwerkteam mit Schülern, Eltern und Lehrer an dem Konzept gearbeitet. Es wird nun von der Trägerorganisation Transfair geprüft. Das Siegel "Fairtrade-School" dürfen die Bergstadt-Schulen dann wohl schon bald tragen.

Ralf Heinrich, Leiter des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums sagt: "Dieser Kompass gibt die Richtung vor, er ist keine Linie, an die man sich dogmatisch halten muss." An seiner Schule sei jedoch definiert, in welchen Fächern das Thema intensiver behandelt wird. Auch im direkten Umfeld der Schule, sei es der Bäcker-Verkauf im Schulgebäude oder das Kiosk im benachbarten Hallenbad, werden einbezogen.

Hubert Ilka, kommissarischer Schulleiter der Realschule, betont, dass hinter dem Kompass kein Papiertiger steckt. Er bringe Struktur und sorge dafür, dass man sich die Hintergründe bewusster macht. Er spricht von einem systemischen Nachhaltigkeitseffekt, der sich in Zusammenhang mit Fairtrade ergibt, sieht aber auch die auf den ersten Blick negativen Auswirkungen. Denn jüngst haben alle Schulen, so wird das schon bei der Stadtverwaltung praktiziert, auf ökologisch zertifiziertes Papier umgestellt – eben auch eine Kostenfrage.

Man müsse auch im Schulalltag konkret Lösungen aufzeigen. Michaela Conzelmann, Lehrerin am Thomas-Strittmatter-Gymnasium, hat intensiv an dem Fairtrade-Kompass mitgearbeitet und sagt: "Es ist besonders wichtig, den Schülern auch Handlungsoptionen aufzuzeigen."

Von den positiven Auswirkungen des Kompasses ist aber auch Jörg Westermann überzeugt. Er leitet in der Bergstadt gleich drei Schulen und ist für die Robert-Gerwig-Schule, die Rupertsbergschule und die Grundschule Peterzell verantwortlich. Klar ist aber: "Es glaubt von uns keiner, dass die Schüler aus dem Unterricht rausgehen und sich sofort anders verhalten", sagt er. Und weiter: "Es geht darum, die Lampe anzumachen." Lampe anmachen, den Brennpunkt auf das richten, was in der Welt passiert. Reflektieren und agieren – ein bisschen über die eigene Handlungsweise nachdenken. Und dann hilft es vielleicht, wenn die Schüler beim Kauf eines modischen Discounter-Kleidungsstücks wenigstens kurz über die Produktionsbedingungen nachdenken.

Fairtade-Kompass

Die St. Georgener Schulen bewerben sich im Netzwerk um den Titel "Fairtrade-School". Dazu gehören Thomas-Strittmatter-Gymnasium, Realschule, Robert-Gerwig-Schule und die Rupertsbergschule. Die eingereichten Unterlagen werden momentan geprüft. (pga)

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