St. Georgen Digitales Lernen: Thomas-Strittmatter-Gymnasium steht für Pilotprojekt bereit

Thema Stützpunktschulen: Das Gymnasium wartet auf ein Signal aus Stuttgart. Zur digitalen VR-Technik sind schon bald 100 Lernmodule in Gebrauch.

In Biologie den menschlichen Blutkreislauf verfolgen, in Chemie die Elektronen in einem Atommodell im Auge behalten oder in Kunst Michelangelos David aus jeder Perspektive bewundern: Das sind – in 3D-Darstellung auf einem tafelgroßen Bildschirm – Unterrichtseinheiten, die Schüler aller Klassenstufen faszinieren. Am Thomas-Strittmatter-Gymnasium (TSG) ist die digitale Lernumgebung Cyber-Classroom längst in den Unterricht integriert. An mehreren Whiteboards wird geklickt, gedreht, geöffnet, vergrößert und gestaunt. Am effektivsten wird er in den Klassen 5 bis 12 in den Fächern Biologie, Physik Chemie, NwT und Kunst eingesetzt: für Klasse 5 als Unterrichtsmedium und ab Klasse 7 auch für Schülerpräsentationen. Die Mittelstufe setzt die VR-Technik, die eine computergenerierte Umgebung erzeugt, bereits für Gruppenarbeit ein. In der Physik etwa werden grundlegende Zusammenhänge sichtbar gemacht, zerlegt, gelernt und wiederholt. Wo auf dieser Weise naturwissenschaftliches Arbeiten aufgezeigt und eingeübt wird, entsteht eine Lernform, die Schule macht.

Deshalb gehört das TSG gemeinsam mit dem Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen und der Feintechnikerschule Schwenningen zu den drei Schulen im Landkreis, die sich anschicken, beim digitalen Wissentransfer eine Pilotfunktion zu übernehmen. Mit im Boot ist die von Martin Zimmermann geführte Firma Imsimity mit Sitz im Technologiezentrum, welche die VR-Lernmodule wie auch die Hardwaremöglichkeiten von 3D-TV über 3D-Beamer, VR-Brillen oder interaktive Whiteboards zur Verfügung stellt. Der Kontakt zum TSG ist nicht nur wegen der räumlichen Nähe eng.

Hier werden seit Jahren Hardware-Komponenten getestet. Auch bei den Unterrichtsmodulen bilden TSG und Imsimity eine Entwicklergemeinschaft. "Inzwischen sind bald 100 Module in zehn Fächern in Gebrauch", sagt Schulleiter Ralf Heinrich. Das Ziel flächendeckender VR-Unterricht sei somit näher, als man glaubt. Noch etwa 50 weitere Module, dann wäre der Fächerkanon abgedeckt.

Jetzt geht es darum, das Pilotprojekt voranzutreiben und finanziell zu unterfüttern. Nach SÜDKURIER-Informationen werden die Schulleiter zeitnah einen Gesprächstermin in den Ministerien in Stuttgart haben, um ihr Projekt vorzustellen. Vermutlich wird es um Geräte, Netz und Lehrerstellen gehen. In St. Georgen flankiert die Stadt diese Bemühungen, sofern das Pilotprojekt vom Land genehmigt wird, mit einem zusätzlichen Etatposten. 100 000 Euro stehen 2018 für eine Digitaloffensive am Bildungszentrum zur Verfügung. Geld, das mit Elektroarbeiten, Verkabelung und Installationen hilft, das im Frühjahr ankommende Glasfaserkabel in die Unterrichtsräume zu verteilen. "Wir setzen so ein Zeichen, dass es uns ernst ist", so CDU-Gemeinderat Manfred Scherer. Insgeheim hoffen er und Heinrich, dass das Land beim "letzten Meter", also vom Breitband-Übergabepunkt bis zu den digitalen Unterrichtsmitteln, noch mehr Bildungsverantwortung übernimmt, sprich eine höheren Anteil am technischen Ausbau zahlt.

Stützpunktschulen

Bei Besuchen von Kultusministerin Susanne Eisenmann im Mai und Digitalminister Thomas Strobel im September bei Imsimity wurde das Schwarzwälder Potenzial den richtigen Personen innerhalb der Landesregierung vorgestellt. Deutschland sei beim digitalen Unterricht Weltspitze, hieß es damals. Doch diese Posltion sei gegen Microsoft, Google und andere nur dann zu halten, wenn digitales und virtuelles Lernen überall in den Unterricht eingebunden wird. Modellhaft wäre das, auf den Kreis bezogen, mit Stützpunktschulen möglich, deren Erfahrungen in der nächsten Phase auf weitere Schulen im Kreisgebiet abstrahlten. (wur)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Außergewöhnliche Geschenkideen für Ihre Liebsten
Neu aus diesem Ressort
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren