St. Georgen Der Haas bringt die Ostereier: Ein Besuch auf dem Geflügelhof

Zu Ostern gibt es auf dem Geflügelhof Haas in St. Georgen-Brigach immer besonders viel zu tun. Die Nachfrage steigt in dieser Zeit spürbar. Ein Hofbesuch zeigt, wie trotzdem jeder Kunde zu seinem direkt gelieferten Eiern kommt.

Osterzeit ist Eierzeit. "Die Nachfrage steigt spürbar, es ist immer wieder eine Herausforderung, jeden Kunden beliefern zu können", sagt Wolfram Haas, der in Brigach einen Hühnerhof betreibt. Wie das trotzdem gelingt, welche Schwierigkeiten es für Hühnerhalter sonst noch gibt und wie Hof und Verkauf funktionieren, zeigt sich, wenn man ein Ei von der Henne bis zum Kunden begleitet.

Die Hennen: Rund 2500 Legehennen hat Wolfram Haas in Bodenhaltung. Dazu kommen 600 junge Hühner, die noch nicht regelmäßig Eier legen und viele kaum dem Kükenalter entwachsene Tiere. "Als Küken kaufen wir sie und ziehen sie auf", erklärt Haas beim Rundgang durch die Ställe. Die weißen und braunen Hühner gackern vor sich hin, besonders im Herzstück des Hofs. Das sind sechs Volieren mit je 500 Legehennen, pro Abteil macht das täglich rund 450 Eier. "Um 3.30 Uhr gehen die Nester auf, um 4 Uhr das Licht an", erklärt Haas. Bis 20 Uhr ist es hell im Stall, jeden Tag, damit die Hennen immer den gleichen Ablauf haben.

Dass die Nester nicht immer erreichbar sind, hat hygienische Gründe: "Sonst koten die Hühner darin", erklärt Haas. Gesundheitsaspekte sind ein großes Thema, nicht erst seit der Vogelgrippe. Wer mit Haas durch die Ställe geht, muss einen Einweg-Overall und Überschuhe anziehen: "Das ist Vorschrift, damit keine Erreger von außen reinkommen", so Haas, "ich bin aber skeptisch, ob das damit komplett vermieden wird." Die mittlerweile aufgehobene Stallpflicht wegen der Vogelgrippe hatte auf seine Bodenhaltung keine Auswirkung. Er kann aber betroffene, an der Maßnahme zweifelnde Kollegen verstehen: "Eine völlige Sicherheit gibt es auch damit nicht.

" Seinen Betrieb besuche einmal im Jahr ein Veterinär des Landratsamtes, drei weitere Male müsse er Proben auf Salmonellen einschicken. Antibiotika, deren teils übermäßiger Einsatz in der Geflügelhaltung oft kritisiert wird, verabreiche er nicht.

Vom Nest in die Schachtel: Wenn ein Huhn sein Ei gelegt hat, kullert es über eine schiefe Ebene auf ein Förderband. Haas öffnet dessen Abdeckklappe, darunter liegen dutzende braune, weiße, größere, kleinere Eier. "Nachmittags machen wir das Band an", so Haas, die Eier kommen dann an einer zentralen Sammelmaschine heraus. Sortiert werden sie in einer Anlage in einem anderen Gebäude. Dort werden die Eier durchleuchtet. "So erkennt man Schäden in der Schale oder Blutgerinnsel im Ei", erklärt Haas. Ein schwarzer Kasten druckt den Eiern ihren Herkunftscode (siehe Infokasten) auf, ehe sie in die Kategorien S, M, L und XL sortiert werden. Sie müssen dabei ein Gegengewicht überwinden. Eier sind also nicht nach Größe, sondern nach Gewicht sortiert: "Das macht aber kaum einen Unterschied", sagt Haas. Neben ihm stehen hunderte Eier im Regal. Wie gelingt es nun, dass zu Ostern mehr da sind? "Wir planen das schon bei der Kükenbestellung, sodass diese zu Ostern so weit sind, Eier zu legen, und andererseits schlachten wir in dieser Zeit keine Hühner", sagt Haas. Zu Ostern tummeln sich also besonders viele legebereite Hennen auf dem Hof.

<strong>Einsammeln: </strong>Wolfram Haas hebt in der Voliere die Eier auf, die Hühner außerhalb des Nests gelegt haben.
Einsammeln: Wolfram Haas hebt in der Voliere die Eier auf, die Hühner außerhalb des Nests gelegt haben. | Bild: Dominik Dose

In der Schachtel zum Kunden: Der Mini-Van von Petra und Willy Haas, Wolfram Haas' Frau und sein Vater, ist voll mit Eierkartons. Mehrmals wöchentlich fahren sie die Eier direkt zum Kunden an die Haustüre, an diesem Tag ist Peterzell an der Reihe. "Wir machen das eigentlich so, seit ich mich erinnern kann", sagt Willy Haas, "also bestimmt schon sechzig Jahre." Das hat natürlich auch finanzielle Gründe, erklärt Petra Haas. Schon ihr Mann sagte zuvor, dass man von einer Vermarktung nur über den Großhandel nicht leben könnte. 22 Cent kostet ein Ei bei Anlieferung. Die eigentliche Währung, in der die Eier bezahlt werden, ist aber Vertrauen. "Die Kunden können davor oder danach zahlen, das Geld rauslegen, wie sie wollen, und wir können die Eier auch draußen abstellen, wenn niemand da ist", so Petra Haas, "wir sind da ganz flexibel, auch wenn einer mal keine oder mehr Eier will". Bis jetzt habe das noch in den allermeisten Fällen funktioniert.

<strong>Einteilen: </strong>Die frischen Eier werden von dieser Maschine nach Gewicht sortiert und mit Licht auf Schäden kontrolliert.
Einteilen: Die frischen Eier werden von dieser Maschine nach Gewicht sortiert und mit Licht auf Schäden kontrolliert. | Bild: Dominik Dose
<strong>Einladen: </strong>Willy und Petra Haas vor dem vollgepackten Mini-Van. Sie bringen die Eier direkt zu den Kunden an die Haustüre.
Einladen: Willy und Petra Haas vor dem vollgepackten Mini-Van. Sie bringen die Eier direkt zu den Kunden an die Haustüre. | Bild: Dominik Dose

Die Kunden: Familien und ältere Menschen seien die Hauptkunden, sagt Haas, "viele sind einfach mit uns alt geworden." Der Kundenstamm sei fest und gleichbleibend groß. Eine von den Kundinnen ist Tilla Wunder, die gleich 60 Eier abnimmt. Diese verteilt sie dann teilweise wieder auf Verwandtschaft und Nachbarschaft. "Die Eier sind wunderbar frisch, ich bin sehr froh, dass es das gibt und Frau Haas ist immer nett", sagt Wunder. Der Umgang zwischen Willy und Petra Haas und ist spürbar eng, teilweise fast freundschaftlich. Das Ganze ist ritualisiert: Dass Haasens wegen des bevorstehenden Osterfests einen Tag früher als gewöhnlich kommen, überrascht manchen Kunden richtig.

<strong>Einkaufen:</strong> Heide Zähringer hält ihre Lieferung in der Hand. Zwei Schachteln nimmt sie in dieser Woche.
Einkaufen: Heide Zähringer hält ihre Lieferung in der Hand. Zwei Schachteln nimmt sie in dieser Woche. | Bild: Dominik Dose

So auch Heidi Zähringer, sie ist seit neun Jahren Kundin und nimmt dieses Mal zwei Schachteln: "Die Eier kommen halt noch aus der Region und dass sie gebracht werden ist praktisch." So finden die Eier, meist erst am Vortag gelegt, Haus für Haus schnell ihren Weg zum Kunden – für eine gute Eierversorgung zu Ostern.

Der Eiercode

Jedes verkaufte Ei muss einen Code bedruckt sein. Er erklärt die Herkunft. Die erste Ziffer bestimmt die Haltungsart: 0 für Bio, 1 für Freiland, 2 für Bodenhaltung. Die zwei folgenden Buchstaben erklären das Herkunftsland, etwa DE für Deutschland. Dahinter stehen sieben Ziffern. Die ersten beiden benennen das Herkunfts-Bundesland: Baden-Württemberg hat beispielsweise die 08, Bayern 09, Niedersachsen 03. Die restlichen fünf Ziffern stehen für den Erzeugerhof. (dod)

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