St. Georgen "Da kommt der Neger!" Brutale Prügelei soll rassistischen Hintergrund gehabt haben

Ein dunkelhäutiger Mann wird am Rosenmontag verprügelt und schwer verletzt. Niemand ruft zunächst die Polizei, obwohl die Tat erkennbar rassistisch motiviert gewesen sein soll.

"Da kommt der Neger!" Diese Worte waren die letzten, die Paul B. hörte, bevor er bewusstlos auf den Gehweg sackte und von drei Tatverdächtigen krankenhausreif geprügelt und getreten wurde. Zwei Tage später sitzt Paul B. in einem St. Georgener Lokal, steckt sich eine Zigarette an und erzählt von den Erlebnissen am späten Rosenmontag. "Ich habe gegen zwei Uhr das Bistro verlassen und wurde unmittelbar vor der Tür angegriffen", erzählt B., der in Speyer geboren wurde und französische Wurzeln sowie dunkle Hautfarbe hat. Alkoholisiert sei er gewesen und habe bereits einige Zeit an einem Tisch geschlafen.

Einen konkreten Anlass für den Angriff gab es nicht. Die Angreifer, zwei Männer und eine Frau, hatten offenbar gezielt darauf gewartet, dass Paul B. das Bistro in der Weidenbächlestraße verlässt. "Ich habe noch gesehen, wie die Drei mit Quarzsandhandschuhen und Schlagringen auf mich zugelaufen sind. Nach dem ersten Schlag war ich dann bewusstlos", erklärt B., der sich eine Gehirnerschütterung und Prellungen am linken Arm zugezogen hat und noch in der Nacht ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Drei Personen sollen auf bewusstlosen Mann eingetreten haben 

Was danach geschehen ist, erzählen zwei Zeugen, deren Aussagen exakt übereinstimmen. "Ich bin dazwischen gegangen und habe auch gleich eine Backpfeife kassiert", erzählt ein Freund von Paul B., der mit ihm den Rosenmontag verbracht hat. "Daraufhin haben sie kurz von ihm abgelassen und ich bin wieder in die Bar, um Hilfe zu holen. Die drei haben währenddessen weiter auf Paul eingetreten, obwohl er schon bewusstlos auf dem Boden lag."

So sah es auch der Zeuge, der letztendlich Polizei und Notarzt verständigt hat. "Als ich aus der Bar gekommen bin, lag das Opfer direkt neben der Tür bewusstlos auf dem Gehweg. Die beiden Männer haben auf ihn eingetreten und die Frau stand daneben, hat ihn beschimpft und angespuckt."

Beide Zeugen berichten außerdem übereinstimmend davon, dass zunächst niemand die Polizei rufen wollte. Auch der Wirt der Kneipe, vor der der Angriff stattfand, habe nicht eingreifen wollen. "Ich bin wieder in die Bar gelaufen und habe dem Wirt gesagt, dass Paul angegriffen wird und er die Polizei rufen solle", erklärt Paul B.s Freund. Daraufhin sei der Wirt zum Eingang gelaufen, habe das Sicherheitsrollo heruntergelassen und ihn zu einem Nebenausgang geführt mit dem Verweis, dass sie ihre Angelegenheiten selbst regeln sollten. Das bestätigt auch der Zeuge, der die Polizei verständigt hat. Die mehrminütige Attacke endete erst, als der Zeuge mit der Polizei gedroht hat. "Daraufhin sind sie an die Kreuzung gerannt und sind verschwunden", so der Zeuge. Die Polizei sei nach dem Notruf zwar schnell mit zwei Streifenwagen vor Ort gewesen, konnte die drei Tatverdächtigen jedoch nicht mehr dingfest machen.

Bei den Verdächtigen handelt es sich laut Paul B. um ein ihm bekanntes St. Georgener Paar, das erst seit einigen Jahren in der Stadt lebt und dem SÜDKURIER namentlich bekannt ist. Über den zweiten Mann ist nichts weiter bekannt. Paul B. hatte bis vor zwei Jahren einige Zeit bei dem Paar gewohnt. Seitdem habe jedoch kein Kontakt mehr bestanden, unter anderem deshalb, weil die beiden aus ihrer rassistischen und fremdenfeindlichen Gesinnung keinen Hehl gemacht haben. Eine kurze Recherche in den sozialen Netzwerken scheint dies zu bestätigen. Auf beiden Profilen finden sich asyl- und ausländerfeindliche Bilder und Nachrichten.

Unterdessen berichten viele Besucher des sogenannten "Bermuda-Dreiecks" unterhalb des Bärenplatzes, dass vor allem das Bistro "Fun" ein regelmäßiger Anziehungspunkt von rechter Klientel sei. Es sei kein Geheimnis, dass vor allem die regelmäßig stattfindenden Mottopartys mit Musik der ehemaligen Rechtsrockgruppe "Böhse Onkelz" eine entsprechende Klientel anziehe, berichten Kenner der Szene. Plakate an der Außenwand des Bistros weisen in Frakturschrift auf die nächste Veranstaltung am kommenden Samstag hin. Der Wirt des Bistros war trotz mehrfachen Versuchs für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen.

Was die Polizei sagt

Das zuständige Polizeipräsidium Tuttlingen bestätigte auf Anfrage des SÜDKURIER den Vorfall, konnte zu einem rassistischen oder politisch motivierten Tathintergrund jedoch keine Angaben machen. Ermittelt werde gegen drei Personen wegen Gefährlicher Körperverletzung, so Pressesprecher Michael Aschenbrenner. Das Polizeirevier in St. Georgen habe die Ermittlungen in dem Fall übernommen. (kbr)

 

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