St. Georgen Abschießen oder nagen lassen: Diskussionen um den Biber

Der Biber ist in und um St. Georgen wieder heimisch. An Klosterweiher und Brigach hat er deutlichste Spuren hinterlassen, Bäume umgenagt und mächtige Dämme gebaut. Das gefällt nicht jedem, mancher wünscht sich da schon, dass das Tier zum Abschuss freigegeben wird.

St. Georgen-Brigach – Wenn man mit Georg Wentz durch seine sumpfig gewordene Wiese in Richtung des Teichs stapft, kann man kaum glauben, dass hier vor rund 15 Monaten die Brigach noch ganz unscheinbar als Bach den Waldrand entlang geflossen ist. "Im Herbst 2015 kamen die Biber", erinnert sich Landwirt und Ortsvorsteher Wentz. Seit die Nager kräftig knabbern und Dämme bauen, hat sich das Land oberhalb von Wentz' Jäckleshof in Brigach nachhaltig verändert.

An dieser Stelle im Obertal, lassen sich deutlich die Konflikte nachzeichnen, die der Biber verursacht. Direkt neben Wentz' ungewolltem Teich, der ihn Weideland kostet, liegt der künstlich angelegte Fischteich von Fritz Anton. Er hat die Brigach als Fischereigebiet pachtet. Derzeit ist er damit beschäftigt, den vom Biber unterhöhlten Erddamm des Teichs wieder in Stand zu setzen. In mehreren Punkten hadern Wentz und Anton mit dem Nagetier, Bettina Sättele, die Biberbeauftrage des Regierungspräsidiums Freiburg, hält dagegen.

  • Die Biber-Verbreitung: Sättele schätzt, dass für mehrere Dämme im Verlauf der Brigach die Population verantwortlich ist, die auch im Klosterweiher lebt. Sie besteht ihren Schätzungen zu Folge aus vier, fünf Tieren. Wentz sieht Probleme: "Weil die Biber keine natürlichen Fressfeinde haben, breiten sie sich immer weiter aus und vermehren sich unbegrenzt." Falsch, sagt Sättele. Zwar seien die Fressfeinde des Bibers (Wolf, Luchs, Bär) hier tatsächlich nicht vorhanden, dafür reguliere sich die Populationen untereinander: "Der größte Feind des Bibers ist der Biber", so Sättele. Die Revierkämpfe seien von kaum vorstellbarer Brutalität, viele Biber würden dabei schwer verletzt werden oder sogar sterben. "Und der Lebensraum hier ist begrenzt, ob die Population lange überdauern kann, weiß ich nicht", so Sättele.
  • Jagd auf Biber: Ist in Baden-Württemberg verboten. "Man sollte sie wieder erlauben, um die Population zu begrenzen", sagt Wentz. "Wenn man einzelne Tiere herausnimmt, vermehren sich die anderen umso mehr", hält Sättele dagegen. Aber: Es gibt auch jetzt schon die Möglichkeit, einzelne auffällige Biber "aus der Natur herauszunehmen", wie Sättele das Naturschutzgesetz zitiert. Im Klartext: Man kann die entsprechenden Tiere einfangen – im Zweifel und nach entsprechender Einzelfallgenehmigung aber auch abschießen.
  • Durchlässigkeit von Flüssen: "Seit der Biber da ist, ist die Brigach in Abschnitte parzelliert", klagt Brigachpächter Anton. Durch die Biberdämme könnten die Tiere nicht mehr stromaufwärts schwimmen. "In Einzelfällen, wenn die Gewässer schlammig-tonig sind, kann das tatsächlich passieren", sagt Sättele. Im Normalfall steige die Fischanzahl und -vielfalt durch den Biber sogar, da die Dämme Nährstoffe zurückhalten.
    Die Staudämme des Bibers sind teilweise erstaunlich hoch und dicht.
    Die Staudämme des Bibers sind teilweise erstaunlich hoch und dicht. | Bild: Fritz Anton
  • Gefahren für Bauwerke und bei Hochwasser: Direkt über den Biberteich von Wentz verläuft eine Strom-Oberleitung. "Die EGT musste schon vom Biber unterhöhlte oder angefressene Bäume absägen, damit sie nicht auf die Oberleitung krachen können", so Wentz. Zudem drohen laut ihm die durch Biber abgebrochenen Bäume bei Hochwasser zur Gefahr zu werden, wenn sie mitgerissen werden und an einem Durchlass oder einer Brücke hängen bleiben. Hier sind sich Sättele und Wentz einig: "Da muss man im Zweifel gleich eingreifen", sagt die Biberbeauftragte. Biber, die permanent wichtige Bauwerke wie Bahndämme bearbeiten, denen droht die "Entnahme" aus der Natur. Laut Sättele sind das aber Einzelfälle.
  • Entschädigungen für Landwirte: Wentz hat sich darum bisher noch nicht bemüht. Sättele betont, dass möglich ist, durch den Biber landwirtschaftlich unbrauchbar gewordenen Flächen entsprechend auszuweisen. Der Landschaftspflegeverband kann dann finanziell entschädigen. Hier sieht auch Sättele noch Gesprächsbedarf.

Warum die Nager stauen

Seine beeindruckenden Staudämme baut der Biber, damit der Eingang seiner Bauten, den sogenannten Burgen, unter Wasser liegt. Der Bau selbst liegt dann wieder trocken, da der Biber Sauerstoff zum Überleben benötigt. Der Wassereingang verhindert jedoch, dass Feinde eindringen können. (dod)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Zum Valentinstag ❤ Geschenke mit Herz ❤
Neu aus diesem Ressort
St. Georgen
St. Georgen
Tennnebronn
St.. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren