Schwarzwald-Baar Wie Lore Will aus Realität Visionen schafft

Im Kunstraum Königsfeld zeigt eine sehenswerte Ausstellung zahlreiche Facetten des Schaffens der Königsfelder Künstlerin

„Mein Schaffen ist von zwei Polen bestimmt: einerseits die Ausdrucksmittel für das innere Erlebnis zu finden, andererseits primär mit dem Spiel der Mittel aus dem Material heraus zu beginnen, daraus entwickelt sich der lebendige malerische Organismus, der mich am stärksten in der Polarität von Farbe und Form beschäftigt.“ Die Kunsthistorikerin Ingrid Kottmann hat durchaus Recht, wenn sie dieses 1949 geäußerte Zitat von Ida Kerkovius in ihrer Einführung im Kunstraum Königsfeld auch als Motto für das Werk der Künstlerin Lore Will sieht. Die Farbe und ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen, sind ein Motiv in ihrem Werk. Das Motiv ist dabei lediglich der Malanlass.

Die Reisetätigkeiten beider Künstlerinnen könnte noch eine Gemeinsamkeit sein, aber inhaltlich-thematisch und letztlich auch technisch gehen sie ganz andere Wege. Während die Farbvirtuosin Kerkovius ihren Fokus gleichermaßen auf Landschaftsimpressionen, Personen, Tiere und Zirkusszenen richtet, konzentriert sich Lore Will vorwiegend auf die grafischen Strukturen, die sie in der Landschaft, in den Landschaftsdetails entdeckt.

Wie etwa tagtäglich auf die Weite der Landschaft bei ihrer Sicht aus dem Atelierfenster. Ein extrem langgezogener Vordergrund wird begrenzt durch das schmale waagrechte Band der schwäbischen Alb. Darüber erhebt sich der Himmel mit wechselnden Wolkenformationen. Perspektive und Ausschnitt sind stets gleich, doch der Anblick ist immer ein anderer.

Das Naturvorbild dient der Künstlerin nur als Grundlage, ihre eigenen gestalterischen Vorstellungen zu verwirklichen. Realer Raum wird in den Gemälden nicht mehr greifbar, sie schaffen vielmehr selbst einen visionären Raum. Der Bildraum wird imaginär, die Farbräume eröffnen ihre eigenen Felder abseits der sichtbaren Natur. Kolorit, Duktus und Bildkomposition kommen über das emotionale Erleben des Geschauten zum Ausdruck.

Zum farbenfrohen Tableau wird ein marokkanischer Markt auf diesem Gemälde.
Zum farbenfrohen Tableau wird ein marokkanischer Markt auf diesem Gemälde. | Bild: Stefan Simon

Die Sicht aus dem Atelierfenster ist für Lore Will die beste Schule des Sehens. Und sie sieht genau hin, nicht nur in Königsfeld. Sie analysiert das Gesehene und bringt es prägnant auf den Bildträger.

Das Voralpenland leuchtet auf im Werk „Berg und Tal“, die „Winterlandschaft“ wird zum facettenreichen Schneeberg, die Blütenform der Strelitzien weitet sich im Gemälde in ihrer Fragmentierung auf das ganze Bild aus. Die riesigen Tomatenplantagen in Südspanien werden zu „Tomatenkathedralen“ und der „Marokkanische Markt“ zu einem farbenfrohen Tableau.

Aus dieser künstlerischen Perspektive kann man auch den Naturgewalten eine gewisse Ästhetik nicht absprechen. Die Hinterlassenschaften des Sturmes Lothar werden zum grafischen Ereignis.

So begegnet Lore Will auch den alltäglichen Katastrophen aus Künstlersicht. Der Chemieunfall der Firma Sandoz in Basel inspirierte sie zu dem Bild „Wasser“, das zunächst einen Seerosenteich assoziiert, aber den Schmutz im Wasser, die Schlieren von Farbe und Giften zeigt. Und schließlich sind die schwarze-braunen Balkenstrukturen in der Serie „Enthausungen“ sicherlich nicht nur ein grafischer Selbstzweck, sondern der künstlerische Kommentar auf die aktuelle Zerstörung im syrischen Aleppo.

Neben der Malerei beschäftigt sich Will mit Druckgrafik. Motive aus ihrem unmittelbaren Umfeld wie Fenster, Stühle, Gartenansichten werden thematisiert. Analog zur Malerei steht dabei nicht das wirklichkeitsgetreue Abbild im Vordergrund, die Künstlerin will vielmehr Beziehungsgeflechte aufzeigen.


„Lore Will – Malerei und Grafik“ im Kunstraum Königsfeld, Gartenstr. 1, bis 30. Juli. Samstag und Sonntag 15 bis 17 Uhr.

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