Schwarzwald-Baar So soll der Strukturwandel für die Autozulieferer gelingen

Die regionale Branche steht vor einer unklaren Zukunft und warnt vor dem Verlust vieler Arbeitsplätzen bei komplettem Umstieg auf Elektromobilität. Sie sieht aber gute Chancen durch andere klimafreundliche Motortechnologien.

„Es gibt keinen Grund, in Hysterie zu verfallen“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Thomas Albiez, mit Blick auf den bevorstehenden Strukturwandel in der Automobilindustrie in Richtung auf klimafreundlichere Fahrzeuge. „Es geht aber um eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen“, so Albiez.

Und vieles hängt für die Zukunft der Region davon ab, dass dieser Wandel in einer Schlüsselbranche am Ende auch gelingt: Die rund 1000 mittelständischen Automobilzulieferer in den drei Landkreisen Schwarzwald-Baar, Rottweil und Tuttlingen beschäftigen rund 60 000 Menschen, so der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (WVIB). Gemeinsam machten IHK und WVIB jetzt auf das für die heimische Wirtschaft so wichtige Thema aufmerksam.

Elektromotoren sind im Kommen

Klimafreundliche Mobilität, das bedeutet in derzeitigen politischen Debatte vor allem eines: weg von Verbrennungsmotoren, hin zu Elektromotoren – oft verbunden mit Forderungen an die Politik, diesen Wandel aktiv voranzutreiben. Und genau das kritisieren IHK und WVIB jetzt. Das sei eine einseitige Sichtweise, die dem Weltklima nicht zwangsläufig nütze, aber womöglich viele Arbeitsplätze in der Region kosten könnte.

Der WVIB hat dazu verschiedene Szenarien betrachtet. Am gravierendsten wären demnach die Folgen für die regionalen Unternehmen, wenn der Verbrennungsmotor völlig vom Elektromotor verdrängt würde. Der Grund: Wo für Motor und Getriebe in einem konventionellen Wagen rund 1400 Teile benötigt würden, brauche es beim Elektroauto nur etwa 200 Teile. Knapp ein Drittel der Zulieferer würden wohl wegfallen – und damit auch viel Können und Wissen in der Metallbearbeitung.

Die Kompromiss-Lösung: Hybridfahrzeuge

Doch andere Szenarien geben der Branche Anlass zu Optimismus. Sollten etwa Hybridfahrzeuge, die sowohl einen Verbrennungs- als auch einen Elektromotor unter der Haube haben, stärker verkauft werden, wäre das Können der heimischen Firmen künftig weiterhin stark gefragt. Dazu kommt die weltweite Entwicklung: Auch wenn der Anteil von Elektromotoren im Vergleich zu Verbrennern zunehmen sollte, wachse die Nachfrage nach Fahrzeugen in den aufstrebenden Schwellenländern insgesamt wohl stark an. Erst recht positiv sei es, wenn Verbrennungsmotoren künftig klimaneutral etwa mit Wasserstoff fahren würden: Dann gäbe es keine Nachteile für die Zulieferer.

Daraus ergibt sich die Forderung der heimischen Wirtschaftsvertreter an die Politik: Diese solle keine bestimmte Technologie für den Wandel zur einer klimafreundlichen Mobilität vorschreiben, also etwa einseitig die Elektromobilität fördern. „Das Ziel der klimaneutralen Mobilität ist allseits akzeptiert, da gibt es einen breiten Konsens zwischen Wirtschaft und Politik“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez. „Aber die öffentliche Debatte ist bisher stark geleitet von der Elektromobilität.“ Zudem würden Streitthemen wie Feinstaub oder Manipulationen an den Abgaswerten davon ablenken, wie eine klimaneutrale Mobilität erreicht werden könne. Bei der Kritik an Dieselmotoren gehe beispielsweise unter, dass diese viel weniger Treibhausgase erzeugten als etwa Benzinmotoren.

Sachliche Diskussion vonnöten

Daher müsse die Debatte unbedingt versachlicht sowie technologieoffen geführt werden, sind sich IHK und WVIB einig – sonst gefährde man fahrlässig viele Arbeitsplätze der Region. Man müsse die Klimafreundlichkeit „in der gesamten Prozesskette“ bewerten, so Albiez: Wie viel Treibhausgase werden schon im Herstellungsprozess des Autos erzeugt, wie umweltschädlich ist am Ende die Entsorgung, wie sauber wird die Antriebsenergie erzeugt (Stichwort Ökostrom versus Kohlestrom)?

Die heimische Zuliefererbranche habe jedenfalls die Dringlichkeit längst erkannt und arbeite daran, so Thomas Albiez. Wichtig sei, dass am Ende Markt und Kunden über die am besten geeignete klimafreundliche Antriebsform entscheiden könnten – und es keine Verzerrungen durch staatliche Eingriffe oder einen Zulassungsstopp für Verbrennungsmotoren gebe.

Automotive-Gipfel

Der erste regionale Automotive-Gipfel von IHK und WVIB findet am 30. November in der Stadthalle Tuttlingen statt. Die Fachveranstaltung soll die Herausforderungen der Autozulieferer in den Fokus rücken. Mit dabei sind hochrangige Vertreter von Daimler, BMW und aus dem Hochschulbereich.

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