Schwarzwald-Baar-Kreis Senioren und Müttern im Kreis droht Armut

Die Wohlfahrtsverbände des Schwarzwald-Baar-Kreises wollen mit ihrer Aktionswoche Armut vom 16. bis zum 22. Oktober auf das wachsende Problem hinweisen. Vor allem Senioren und Alleinerziehende sind von Armut betroffen.

Die Statistik des kirchlichen Sozialdienstes im Kreis für das Jahr 2016 spreche eine deutliche Sprache. Bei 2656 Beratungen ging es 1500 mal um die materielle Grundsicherung. 283 Beratungen davon betrafen Rentner. Außerdem hat der Kreis landesweit eine der höchsten Quoten bei alleinerziehenden Müttern in der Grundsicherung. Damit sind die Themen der Aktionswoche Armut vorgegeben: Es geht um Kinder- und Altersarmut.

Insbesondere Frauen sind von der negativen Entwicklung betroffen. Ausschlaggebend sind zu geringe Einzahlungen auf das Rentenkonto aufgrund von Kindererziehung, grundsätzlich weniger Arbeitszeit oder eine niedrigere Bildung gemäß den Gepflogenheiten früherer Jahre. Spätestens wenn der Ehepartner tot ist und lediglich ein prozentualer Anteil der Rente bleibt, ist nicht selten der Auszug aus den eigenen vier Wänden die Folge. "Ist man irgendwann im Pflegeheim angekommen, ist man endgültig auf dem Niveau der Grundsicherung", sagt Barbara Spruth vom Diakonischen Werk im Kreis.

Bärbel Wagner, Vorsitzende des Fördervereins Wärmestube Paradies Villingen-Schwenningen, weiß von ähnlichen Entwicklungen zu berichten. Waren es in der Wärmestube zu früheren Zeiten nur Obdachlose oder von der Obdachlosigkeit bedrohte Esser, so hat sich der Personenkreis hin zu Erwerbsminderungsrentnern und Altersarmen verschoben. "Über 50 Prozent der täglich 40 Besucher gehören heute zu dieser Gruppe. Vor allem ältere Frauen, die kaum über den Monat kommen", sagt Wagner sichtlich berührt.

Bei Alleinerziehenden und deren Kindern ist die Lage aufgrund gesetzlicher Strukturen ebenfalls oft kritisch, wie Werner Gutermann vom Caritasverband schildert: "Das erste Jahr kriegen sie noch Elterngeld, das sind 65 Prozent des letzten Einkommens." Bei vielen Frauen sei anschließend Hartz 4 bis zum dritten Lebensjahr des Kindes angesagt. Der Wiedereinstieg ins Berufsleben ist schwierig, längst nicht alle Kindergärten haben frei zu wählende Zeitblocks zur Betreuung. "Viele Mütter haben schlichtweg nicht die Möglichkeit zum Erwerb. Kinderarmut ist die Folge", so Gutermann.

Die Kommunen könnten der Armut nur durch günstige Mietwohnungen entgegenwirken. Der Rest müsse die Bundespolitik regeln.

Gespräch und Umfrage

Zur Aktionswoche Armut haben die Wohlfahrtsverbände ein nicht öffentliches Fachgespräch zwischen den Politikern Thorsten Frei, Marcel Klinge, Jens Löw, Martina Braun und Karl Rombach mit Alleinerziehenden angesetzt. Ferner soll eine Fragebogenaktion im Jumbo Second Hand Markt Villingen, dem Diakonieladen und dem sozialen Zentrum der Arbeiterwohlfahrt in Schwenningen genauere Daten zu Armutsgruppen ergeben. (häm)

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