Schwarzwald-Baar Natur in Gefahr: Wie jeder bei sich zu Hause Wildtieren helfen kann

SÜDKURIER öffnet Türen bei Fachleuten für Vogelschutz und Insekten: Sie geben wertvolle Tipps für Hobbygärtner, wie man Wildtieren dringend nötige Überlebenshilfe bieten kann

Klimawandel, Landschaftszersiedelung, intensive Landwirtschaft: Der Schwund beim Vogel- und Insektenbestand in Deutschland dürfte viele Gründe haben. Klar ist aber, dass die Folgen dramatisch sind. Jüngste Zahlen des Naturschutzbundes (Nabu) belegen zum Beispiel, dass in den vergangenen zwölf Jahren 12,7 Millionen Brutpaare verloren gingen. „Alleine die Population des Stars, einem Allerweltsvogel, ist um 42 Prozent geschrumpft“, sagte Förster Peter Gapp aus Mönchweiler.

Mit den Ursachen, den Auswirkungen und vor allem ganz praktischen Möglichkeiten zur Gegensteuerung befassten sich jetzt die Besucher eines Vortragsabends des Vereins für Vogelfreunde und Vogelschutz sowie der Vogelauffangstation Villingen. Er fand im Rahmen der Aktion SÜDKURIER öffnet Türen und des Traumhaus-Projekts von SÜDKURIER, Volksbank Schwarzwald-Baar-Hegau und der Gemeinde Unterkirnach statt. Von besonderem Interesse war das Zusammenspiel zwischen Flora und Fauna. „Ich kann mir keine Vögel im eigenen Garten wünschen, wenn ich Pflanzen und Insekten außen vor lasse“, verdeutlichte Ralf Claaßen von der Villinger Vogelauffangstation

Sie zeigen Wege auf, wie man Vögeln und Insekten helfen kann: die Referenten Ellen Claaßen (hinten von links), Manfred Kraft, Thomas Schalk, Peter Gapp und Ralf Claaßen (vorne). <sup></sup>Bilder: <sup></sup>Christoph Heuser
Sie zeigen Wege auf, wie man Vögeln und Insekten helfen kann: die Referenten Ellen Claaßen (hinten von links), Manfred Kraft, Thomas Schalk, Peter Gapp und Ralf Claaßen (vorne). Bilder: Christoph Heuser | Bild: Christoph Heuser
  • Was bedeutet der Vogel- und Insektenschwund? Die Beantwortung zeigt sehr eindringlich, wie in der Natur vieles miteinander zusammenhängt. Wenn der Bestand an Insekten schrumpft, weil es diesen an Nahrungsquellen fehlt und Insektizide eingesetzt werden, haben wiederum viele Vögel weniger zu fressen. „Und die Insektenmasse hat in manchen Gebieten bereits um 81 Prozent nachgelassen“, sagte Manfred Kraft, Vorsitzender des Imkervereins Villingen.

Zu kämpfen hätten beispielsweise die Bienen. „Die Vielfalt ist weg“, so Kraft mit Blick auf Nektarquellen. „Wenn massenweise der Raps blüht, legen die Bienenköniginnen ihre Eier, doch die Larven verhungern dann, wenn die Rapsblüte nach etwa vier Wochen wieder verschwindet.“ Das sei eine der Ursachen neben Krankheiten, Parasiten und Insektiziden, welche die Bienen schwäche: Bei den gelb-schwarzen Insekten finde seit 2008 ein flächendeckendes Massensterben statt. „Wer das für uninteressant hält, denke mal darüber nach, wie viele Gemüse- und Obstsorten noch auf den Marktständen verbleiben, wenn es keine Wildbiene zum Bestäuben mehr gibt“, mahnte Kraft. Neben der Wildbiene stünden auch Schmetterlinge und Hummeln bereits auf der Liste der bedrohten Arten.

  • Was können wir dagegen tun? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie im Grunde jeder Garten- oder Balkonbesitzer den Wildtieren bei der Nahrungssuche helfen und damit dem Schwund der Bestände entgegenwirken kann. Zum einen selbstverständlich durch das Aufhängen von Vogelfutterhäusern oder von Meisenknödeln. Zum anderen aber kann ein wertvoller Beitrag mit einer guten Mischung aus Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon geleistet werden: Das hilft Insekten und Vögeln zugleich. Zudem hilft das Angebot von Brutmöglichkeiten, etwa Vogelhäusern.
  • Wie wähle ich die Bepflanzung optimal aus? Es kommt bei der Auswahl der Pflanzen vor allem darauf an, dass eine durchgängige Blüte von März bis Oktober gewährleistet ist. „Es darf keine Lücke geben, sonst verhungern die Insekten“, führte Imker Kraft vor Augen. Wem es ausschließlich auf die Nützlichkeit der Pflanzen ankommt, dem werden Küchenkräuter, Zwiebelgewächse und Lauch ans Herz gelegt: Auch damit kann man etwas für die Wildtiere tun.
  • Welche Sträucher und Bäume sind für den Garten geeignet? Der örtliche Nabu-Vorsitzende Thomas Schalk empfahl zehn ausgewählte Exemplare.

Berberitze: Die Beeren sind für Menschen sehr sauer, für Vögel jedoch ein Schmaus. Dornige Äste bieten brütenden Vögeln guten Schutz vor Katzen.

Faulbaum: „Ein sehr dankbares Gehölz ohne größere Ausläufer“, wie Schalk beschrieb. Außerdem ist der Faulbaum Futterpflanze für die Raupe des Zitronenfalters.

Gewöhnlicher Schneeball: 22 Vogelarten zehren von den Beeren des unscheinbaren Strauchs, der keinen besonders wertvollen Boden benötigt.

Haselstrauch: Für Bienen ist der Haselstrauch ein sehr wichtiges Gehölz. Schon bevor die Weide beginnt zu blühen, fliegen Bienen die „Kätzchen“ des Strauchs an, von dem sich über 100 Insektenarten ernähren und von dem 56 Schmetterlingsarten abhängig sind.

Hundsrosen: Insekten finden bei Hundsrosen, die sich als Vogelnistgehölz eignen, eine wichtige Anlaufstelle zum Sammeln von Pollen. Außerdem sind die Blätter ein Leckerbissen für den Rosenkäfer.

Rote Heckenkirsche: Im Schatten platziert, legt der Schmetterling Kleiner Eisvogel seine Eier auf der roten Heckenkirsche ab. In der prallen Sonne stehend, ist diese hingegen für den Hummelschwärmer interessant.

Schwarzer Holunder: Besonders Vögel haben ihre Freude an den Beeren des schwarzen Holunders. Über etwaige Blattläuse muss man sich keine Gedanken machen. „Der asiatische Marienkäfer, den es seit etwa 15 Jahren in unseren Gefilden gibt, frisst die Blattläuse zuverlässig auf“, sagte Schalk.

Roter Holunder: Ein kleiner pflegeleichter Strauch mit roten Beeren, deren Saft „wir nicht nur wegen des bitteren Geschmacks lieber den Insekten überlassen“.

Eberesche: Auch als Vogelbeere bekannt, dient das Rosengewächs mit seinen kleinen roten Früchten als Futterpflanze für 72 Insekten- und 63 Vogelarten.

Weißdorn: Mit zehn Metern Höhe und ebenso langen Ausläufern nur „für größere Gärten geeignet“, wie Thomas Schalk augenzwinkernd bemerkte. 160 Insektenarten sind von dem Baum abhängig.

Thomas Schalk, der Vorsitzende des Nabu-Kreisverbands Schwarzwald-Baar, zeigt den Besuchern mit einer Lupe die Besonderheiten, welche auf dem von Schalk mitgebrachten Ast zu sehen sind. Die Zuhörer sind erstaunt, auf welch vielfältige Weise der verholzte Trieb von Insekten genutzt wird.
Thomas Schalk, der Vorsitzende des Nabu-Kreisverbands Schwarzwald-Baar, zeigt den Besuchern mit einer Lupe die Besonderheiten, welche auf dem von Schalk mitgebrachten Ast zu sehen sind. Die Zuhörer sind erstaunt, auf welch vielfältige Weise der verholzte Trieb von Insekten genutzt wird.
  • Was ist bei Vogelfütterung und Nistkästen zu beachten? Ellen Claaßen brachte eine Vielzahl von Vogelhäusern und Futterdepots mit. Bewusst führte die Vorsitzende der Vogelauffangstation auch schlechte Konstruktionen vor. Etwa ein knallrotes Vogelhäuschen. „Das ist ein McDonald’s für Raubvögel“, ärgerte sich Claaßen, dass so etwas im Handel erhältlich sei, „auch für Tiere ist das die auffälligste Farbe“. Ungeeignet seien außerdem Unterkünfte aus Plastik. „Diese heizen schnell auf und Feuchtigkeit sammelt sich dort.“ Nicht nur bei Kunststoff-Vogelhäusern sei darauf zu achten, dass keine messerscharfen Kanten vorhanden seien. Die Expertin empfahl, lieber einmal etwas mehr Geld für ein ordentliches Holzvogelhaus zu investieren, das längere Zeit halte. Wähle man eines mit austauschbarer Front, könnten sogar die Lochgrößen variiert werden, um auch mal anderen Vogelarten ein Obdach zu bieten. Eine besondere Reinigung sei nicht notwendig. „Es genügt, das alte Nest zu entfernen“, erklärte Claaßen.

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