Schwarzwald-Baar Landkreis ist alarmiert: Armut trifft Alleinerziehende außergewöhnlich häufig

Schwarzwald-Baar-Kreis in trauriger Spitzengruppe bundesweit: Jugendbehörden wollen nun mögliche Unterstützungsmaßnahmen für die Betroffenen erarbeiten

Eine „Information über dringenden Handlungsbedarf“, so Landratsstellvertreter Joachim Gwinner, war der Tagesordnungspunkt zur Situation Alleinerziehender gestern im Jugendhilfeausschuss. Das Thema: Im Schwarzwald-Baar-Kreis ist der Anteil der erwerbsfähigen Alleinerziehenden, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, landesweit mit Abstand am höchsten. Das Landratsamt erhielt schließlich den Auftrag, mögliche Unterstützungsmaßnahmen für die Betroffenen zu ermitteln.

Alleinerziehende haben mit denselben Herausforderungen zu tun wie alle anderen Familien auch, aber bei ihnen konzentrieren sich alle Anforderungen auf einen Elternteil, der allein verantwortlich ist für Erziehung und Betreuung des Kindes, für Haushalt, Beruf und die finanzielle Sicherung. Es gebe "viele gelingende Beispiele" für diese Familienform, so das Landratsamt. Aber: Alleinerziehende sind besonders stark von finanzieller Armut betroffen und auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Im Bundesvergleich liegt Schwarzwald-Baar mit den erwerbsfähigen Alleinerziehenden im Sozialhilfebezug nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) in der traurigen Spitzengruppe, und zwar konkret an achter Stelle. 51 Prozent der Kinder im Landkreis, die Sozialhilfe erhalten, leben in alleinerziehenden Bedarfsgemeinschaften. Zwar ist die Zahl seit 2013 kontinuierlich leicht zurückgegangen, aber die Kreisverwaltung nennt sie immer noch „alarmierend“.

Die Belastungsfaktoren sind den Behörden gut bekannt: Trennung und Umgangsreglung, Wohnsituation, Erziehungsprobleme, gesundheitliche Probleme, Stigmatisierung dieser Lebensform, fehlende Berufsausbildungen oder -abschlüsse.

Oft überlagern sich die Probleme auch und lösen einen erhöhten Hilfe- und Unterstützungsbedarf aus. In der Sitzungsvorlage heißt es, dass "alleinerziehend zu sein ein erhöhtes Gefährdungspotenzial in sich birgt, was zum Beispiel finanzielle Probleme, Nachteile im Bildungsbereich, Erziehungsschwierigkeiten, erschwerte Erwerbstätigkeit und gesundheitliche Probleme betrifft“. Bis zu 50 Prozent der Hilfen für Erziehung fallen hier für Kinder von Alleinerziehenden an.

Um Alleinerziehende zu unterstützten und negative Entwicklungen zu verhindern, gibt es über Jugendhilfe, Jobcenter und andere Einrichtungen verschiedene und spezielle Angebote wie Offene Treffs in den Kommunen, Gruppen für Alleinerziehende, Angebote im Rahmen der Frühen Hilfe, Stärkekurse, Angebote der Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche, Maßnahmen des Jobcenters und Ausbau der Kinderbetreuung.

Aber: „Was es an diesen Maßnahmen hier gibt, reicht nicht“, sagte Angela Kreuter vom Kreisjugendamt im Blick auf die Menge der Betroffenen. Jobcenter-Leiter Alexander Merk machte klar, wie schnell Alleinerziehende in Langzeitarbeitslosigkeit geraten können. Individuelle Belastungssituationen und schlechte Rahmenbedingungen wie flexible Arbeitszeiten sind zudem oft verantwortlich für nachteilige Entwicklungsvoraussetzungen bei Müttern und Kindern. Alleinerziehende Väter seien hier eher die Ausnahme.

Im Blick auf die unterschiedlichen individuellen Problemlagen wurde die Verwaltung beauftragt, ab Herbst 2017 kleinräumig gesicherte Daten als Grundlage für mögliche weitere Unterstützungsmaßnahmen für Alleinerziehende und ihre Kinder zu erheben.

Für 2018 wird das Thema in die Jahresplanung aufgenommen.

Alleinerziehende

Alleinerziehende sind Mütter oder Väter, die geschieden, dauernd getrennt lebend, verwitwet oder ledig sind und ohne Lebenspartner oder -partnerin mit einem oder mehreren Kindern in einem Haushalt leben. Bundesweit hat diese Familienform derzeit einen Anteil von 20 Prozent. Im Schwarzwald-Baar-Kreis bezogen im Januar 2017 exakt 908 erwerbsfähige Alleinerziehende Sozialhilfe, davon waren 570 im Langzeitleistungsbezug.

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