Schwarzwald-Baar-Kreis Große Investition in Naturschätze kann jetzt beginnen

Naturschutzgroßprojekt Baar erhält im Kreistag endgültig grünes Licht: Millionen-Zuschüsse von Bund und Land winken

Schwarzwald-Baar – Grünes Licht im Kreistag für das Naturschutzgroßprojekt (NSG) Baar: Nach zehn Jahren Planungen, Kartierungen, Diskussionen und detaillierten Untersuchungen gab es am Montag breite Zustimmung von den Kreisräten.

Projektgebiet
Im Brennpunkt stehen das Schwenninger Moos, das Zollhausried, das Pfohrener Gebiet Birkenried-Mittelmeß oder den Unterhölzer Weiher. Magerrasen-Streifen von insgesamt 50 Kilometer Länge sollen wieder miteinander verbunden werden.

Wenn das Projekt im Herbst – wie kurz berichtet – ins Laufen kommt, werden 4542 Hektar wertvoller Naturlandschaft vor allem im Schwarzwald-Baar-Kreis sowie zusätzlich im Kreis Tuttlingen als Fördergebiet ausgewiesen. Das sind rund 400 Hektar weniger als ursprünglich vorgesehen: Nach Einsprüchen des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) wurden produktionsorientierte landwirtschaftliche Flächen aus den Fördergebieten herausgenommen oder verkleinert, vor allem in Pfohren und Wolterdingen. Trotzdem wird der in den vergangenen Jahren ausgearbeitete Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL) eine Vielzahl von Maßnahmen zugunsten der Natur auf den Weg bringen.

Es winken dem Schwarzwald-Baar-Kreis gut acht Millionen Euro Zuschüsse, wenn einzigartige Moore und Feuchtwiesen, Hänge mit Magerrasen und Waldränder für die Natur erhalten bleiben.


Bezug zur Landwirtschaft
Positiv sei, hieß es im Kreistag, dass immerhin 180 Hektar neue, extensiv zu nutzende landwirtschaftliche Flächen geschaffen werden – zum Beispiel durch dauerhafte Waldumwandlung, Beweidung von Waldrändern und die Reaktivierung von Brachen. Für die zusätzlichen Weideflächen könnten etwa auch Zäune und Tränken zur Verfügung gestellt werden. Der Abschluss neuer Pflegeverträgen für diese Gebiete sei denkbar, Transferleistungen in Höhe von 2,2 Millionen Euro kämen unmittelbar der Landwirtschaft zugute.

Nach den Vorbehalten durch den BLHV wird es als erfreulich gewertet, dass 55 landwirtschaftliche Betriebe für eine Beteiligung an dem Projekt gewonnen werden konnten. „Wir bezweifeln, dass der BLHV mit seiner Ablehnung die Interessen der gesamten Landwirtschaft im Kreis vertritt“, hatten sich im Dezember in einer Stellungnahme Vertreter der Naturschutzverbände im Schwarzwald-Baar-Kreis für das Projekt eingesetzt, „bereits heute engagieren sich 327 Landwirte auf knapp 2000 Hektar Fläche im freiwilligen Vertragsnaturschutz.“

Joachim Gwinner, Stellvertreter des Landrats, nannte das Projekt einen Meilenstein im Kreis, das nach zehnjähriger Arbeit und trotz Verzögerungen von Bund (zu 75 Prozent) und Land (zu 15 Prozent) gefördert werde, „wir bekommen 90 Prozent der Kosten erstattet.“ Und: „Das ist ein freiwilliges Projekt, das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit gilt, sowohl der Eigentümer als auch der Pächter können ja oder nein sagen.“

Markus Röhl vom Institut für Landschaft und Umwelt der Hochschule Nürtingen, der die umfangreiche und auf gut 1000 Seiten dokumentierte Vorarbeit geleistet hat, unterstrich die hohe Bedeutung für den Biotopverbund, für Artenschutz und einen besseren Klimaschutz. Röhl hob hervor, dass es nicht darum gehe „eine Käseglocke über Schutzgebiete zu stülpen, sondern um Fördergebiete und extensiv genutzte Flächen zu schaffen.“

Kreistagsfraktionen
Zustimmung kam aus allen Fraktionen. Man sei sorgfältig umgegangen mit allen Beteiligten, meinte CDU-Sprecher Thorsten Frei, „wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf des Projekts“, sagt er. Walter Klumpp sieht für die Freien Wähler eine „Riesenchance für die Natur und für den Tourismus, ich bedaure, dass die Landwirtschaft nicht mitzieht.“ Für die SPD betont Siegfried Heinzmann, dass für die Landwirte Verbesserungen erzielt werden konnten und dass dies für die Kreisverwaltung nun der Auftrag sei.

Armin Schott (Grüne) sprach von einem „besonderen Tag für uns, wir haben hohe Qualitäten in der Region, die eigentlich bundesligareif sind.“ Es werde ein wichtiges Band der Vernetzung zwischen Villingen-Schwenningen und Brigachtal geschaffen.

Für die FDP hielt es Adolf Baumann für wichtig, dass die Projektleitung mit den Vorbehalten aus der Landwirtschaft vertrauensvoll umgehen müsse, während Christian Kaiser (Grüne) anregte: „Dieser Schatz hat großen Nutzen, den man auch der Öffentlichkeit zugänglich machen muss.“

Maßnahmenkatalog

Das Naturschutzgroßprojekt Baar will den Biotopverbund fördern, den Arten- und Biotopschutz sichern und optimieren, eine Verbesserung des Klimaschutzes erreichen. Dazu gehören insgesamt 18 Entwicklungsziele. Zum Beispiel: die Schaffung lichter Wälder, durchgängige Waldränder, Verbesserungen bei der Durchgängigkeit der Fließgewässern und eine Vergrößerung der Magerrasen-Flächen, Erhalt der Moore als Wasserspeicher, eine Reduzierung der Nährstoff-Einträge. Es geht um die Optimierung von Streu- und Feuchtwiesen, Offenhaltung der Hochmoor-Vegetation, Optimierung der Wasser-Land-Verzahnung oder um den Erhalt von Stillgewässern. (bea)

Ihre Meinung ist uns wichtig
% SALE bei SÜDKURIER Inspirationen %
Neu aus diesem Ressort
Schwarzwald-Baar
Hüfingen
Schwarzwald-Baar
Villingen-Schwenningen
Schwarzwald-Baar-Kreis
Schwarzwald-Baar-Kreis
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren