Schwarzwald-Baar Einzelbewerber Stefan Welte schafft es auf den Stimmzettel

Wahlausschuss lässt zehn Bundestagskandidaten im Schwarzwald-Baar-Kreis zur Wahl zu – darunter auch einen parteilosen Bewerber

Schwarzwald-Baar – Diesen Moment will Stefan Welte nicht verpassen. Der 38 Jahre alte Energieanlagenelektroniker und Elektrotechnikstudent sitzt im Zuschauerbereich, als sich der Kreiswahlausschuss am Freitag im Landratsamt an die Arbeit macht. Es geht darum, die eingereichten Wahlvorschläge zu prüfen und offiziell festzustellen, wessen Name tatsächlich am 24. September auf dem Stimmzettel stehen darf.

Auch Stefan Welte möchte dabei sein – als parteiloser Einzelbewerber, unter der selbst gewählten Bezeichnung „Unabhängiger Bürgerkandidat“. Denn man muss in keiner Partei sein, um sich zur Wahl zu stellen: Das kann jeder einzelne Bürger, der die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt.

Der Ausschuss besteht aus sechs Beisitzern, entsandt von verschiedenen Parteien, dem stellvertretenden Kreiswahlleiter Joachim Gwinner sowie Wilfried Borho, der die Geschäftsstelle des Kreiswahlleiters führt. Reihum wälzen die Beisitzer die eingerichten Akten.

Bedeutsam sind insbesondere die Unterstützerunterschriften. Befreit von dieser Pflicht sind nur die etablierten Parteien: CDU, SPD, Bündnis90/Die Grünen, FDP, AfD, Die Linke und die Freien Wähler. Wer sonst antreten möchte, muss 200 Unterstützerunterschriften aus dem Wahlkreis einreichen. Keine simplen Listen, sondern pro Unterstützer ein Formular mit dessen Adresse und Geburtsdatum, was dann in der jeweiligen Wohngemeinde auch amtlich überprüft wird.

Das ist keine Kleinigkeit. Die Tierschutzallianz scheiterte im Wahlkreis Schwarzwald-Baar jetzt ebenso an dieser Hürde wie die Europäische Demokratische Union (EDU), hieß es im Kreiswahlausschuss. Die NPD konnte dagegen 221 Stimmen sammeln, die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) wies 222 Unterstützer nach: Sie haben es geschafft.

Aber nicht nur sie: Auch der Einzelbewerber Stefan Welte steht nun am 24. September offiziell zur Wahl. Seine 211 Stimmen hat der 38-Jährige aus Mundelfingen, der schon seit Jahren als Student und EDV-Administrator in Karlsruhe lebt, zum Teil allein, zum Teil mit Hilfe von Freunden gesammelt.

Er sprach zum Beispiel bei der Kulturnacht in Schwenningen und beim Entenrennen in Villingen einfach Bürger an und überzeugte sie, für ihn zu unterschreiben. Auch in Donaueschingen, Blumberg, Bad Dürrheim, Hüfingen, Bräunlingen und Unterkirnach fand er Unterstützer.

Und womit hat er die Leute für sich gewonnen? „Ich finde zum Beispiel, dass man etwas dagegen tun muss, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, und bin damit auf viel Verständnis gestoßen“, sagt er. Kritisch sieht er Waffenexporte und auch Militär-Auslandseinsätze, wenn für Letztere kein UN-Mandat vorliegt. Wobei er selbst seinen Wehrdienst geleistet hat und bedauert, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wurde. Diese hätte eine kontinuierliche, staatsbürgerliche Kontrolle der Bundeswehr ermöglicht.

Schon lange ist Welte ein politisch interessierter Mensch. Doch aus der Zugehörigkeit zum Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) wurde ebenso wenig eine dauerhafte Geschichte wie aus seiner zweijährigen Mitgliedschaft in der SPD. Heute ist er enttäuscht, „dass es weder eine christliche noch eine sozialdemokratische Partei hinkriegen, die Lücke zwischen Arm und Reich zu schließen.“

Dann stieß er 2016 auf die Bürgerkandidaten-Initiative: Sie ruft die Bürger dazu auf, selbst Komitees zu gründen, die aus ihrer Mitte jeweils einen Kandidaten aufstellen.

In Karlsruhe gibt es so ein Komitee (und einen Kandidaten) schon, im Schwarzwald-Baar-Kreis zwar noch nicht, aber Welte trug sich auf der Bürgerkandidaten-Homepage als Interessent ein und legte los. Schließlich hat er hat hierher noch viele, auch familiäre Verbindungen. Er ging auf die Realschule in Donaueschingen, absolvierte das Technische Gymnasium in Schwenningen, machte seine Ausbildung in Blumberg, war in Mundelfingen in Landjugend, Musikverein, Sportverein, Feuerwehr und als Ministrant aktiv. Nun will er seine Homepage wk286.stefan-welte.de auf Vordermann bringen, möglichst in jedem Ort zumindest ein Plakat anbringen und Flyer verteilen – und durch persönliche Präsenz vor Ort überzeugen.

Bundestagskandidaten

Sie bewerben sich um die Erststimmen:

  • Thorsten Frei (CDU), Bundestagsabgeordneter, geboren 1973 in Bad Säckingen, aus Donaueschingen.
  • Jens Löw (SPD), Diplom-Ingenieur (FH), geboren 1962 in Villingen-Schwenningen, aus Brigachtal.
  • Volker Goerz (Bündnis90/Grüne), Kaufmann, geboren 1967 in St. Georgen, aus Schramberg.
  • Marcel Klinge (FDP), Geschäftsführer einer Landtagsfraktion, geboren 1980 in Apolda, aus Villingen-Schwenningen.
  • Joachim Senger (AfD), Unternehmensberater im Ruhestand, geboren 1949 in Reutlingen, aus Donaueschingen.
  • Patrick Bausch (Die Linke), Freier Journalist, geboren 1996 in Villingen-Schwenningen, aus Heidelberg.
  • Jürgen Schützinger (NPD), Geschäftsführer, geboren 1953 in Schwenningen am Neckar, aus Villingen-Schwenningen.
  • Dursun Dayi (Freie Wähler), Mechaniker, geboren 1964 in Istanbul, aus Villingen-Schwenningen.
  • Helmut Kruse-Günter (MLPD), Lehrer im Ruhestand, geboren 1948 in Stuttgart, aus Villingen-Schwenningen.
  • Stefan Welte (Parteiunabhängiger Bürgerkandidat), Energieelektroniker, geboren 1978 in Villingen-Schwenningen, aus Karlsruhe.

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