Schwarzwald-Baar-Kreis Ein Kosmos von Klängen und Rhythmen

Die Norbert Scholly Group überzeugt in Donaueschingen mit engagiertem und stilistisch offenem Jazz

Mit „Jazz im Strawinsky“ startete die Gesellschaft der Musikfreunde in ihre Donaueschinger Konzertsaison 2015/2016. Zu Gast: die der international stark beachteten Kölner Jazzszene zugerechnete „Norbert Scholly Group“ um den seit über 25 Jahren etablierten Jazzgitaristen Norbert Scholly. Er bot zusammen mit dem vielfach präsenten Jazzpianisten Rainer Böhm, dem rhythmisch durch nichts zu bremsenden Schlagzeuger Jonas Burgwinkel und dem stoisch gefestigten Bassisten Benjamin Garcia Alonso ein energiegeladenes Programm unter dem Titel „Dreams, Drums and Drones“.

Folgt der Hörer den Titeln der gespielten Stücke, dann führen die „Träume“ musikalisch zurück zu Kindheitserinnerungen und in abstrakte Innenwelten, sie haben das Gedächtnis an einen verstorbenen Musikerkollegen zum Gegenstand oder widmen sich ganz einfach nur den „drones“, dem einen oder anderen schönen Ton, der wie ein Bordun beständig mitschwingt. Sie reichen aber auch geografisch südostwärts ins mazedonische Skopje oder das bulgarische Sofia, und am Ende entfaltet die Band nach den entfesselten Regeln eines auf allen Feldern aufgedrehten Jazzens ein Schlussbild, das für sie die „Liebe im Himmel“ symbolisiert.

Allgegenwärtig sind und bleiben den ganzen Abend lang die „Drums“. Burgwinkel, im Ruhezustand ein freundlich wirkender jüngerer Mann, gönnt weder sich noch seinem Schlaginstrumentarium praktisch an keiner Stelle so etwas wie eine Atempause, seine rhythmische Energie und seine Schlagwucht scheinen unbegrenzt, und man ahnt, warum er gegenwärtig zu den gefragtesten deutschen Jazzmusikern gehört.

Der Leadgitarrist Norbert Scholly ist eine anerkannte Größe. Sein Spiel ist gekennzeichnet durch eine elaborierte Griff- und Anreißtechnik, die kein Hochgeschwindigkeitstempo scheut. Er verzichtet weitgehend auf akkordisches Spiel, sondern beeindruckt mit interessanten seriellen Tonreihen und variantenreichen Improvisationsfiguren. Bei aller Intensität der Klangentfaltung wird sein Spiel nie kantig, hart oder gar schrill – ganz im Gegenteil schafft er es beim „Stück für Esbjoern Svensson“, seine Kollegen fast im Duktus eines Trauermarsches zu bändigen oder sie in einem 20 Jahre alten, nicht näher bezeichneten Stück zu einem soften Sound etwas angestaubter Barmusik zu veranlassen.

Ein Maximum an spielerischer Intensität liefert Rainer Böhm am ganz geöffneten Flügel, dessen Klang – öfter nicht durch das Pedal unterstützt und dadurch trockener – auch dank zweier Mikrofone über Lautsprecher zu hören ist. Wie Burgwinkel liebt er das ständig Treibende, das technisch Herausfordernde, das rhythmisch Vertrackte und, wo es sein muss, das Heftige. Mit seinem ganzen Körper kann er mächtig in Fahrt geraten und scheint mit intensiven Blickkontakten zu den anderen diese zu noch mehr Drive anspornen zu wollen.

Der vierte im Bunde der Könner, der Bassist Garcia Alonso, bürgt nicht nur für ein absolut zuverlässiges rhythmisches Fundament, sondern überzeugt auch mit seiner zunächst fast unauffälligen Grundierung des Gesamtklangs, die einem in ihrem Wert erst nach und nach bewusst wird. Insgesamt ein bemerkenswerter Saisonauftakt.

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