Schwarzwald-Baar Die ganze Region ein riesiger Sportplatz

Heimatcheck, Teil sechs: Was tun in der Freizeit? Der Schwarzwald-Baar-Kreis bietet ein umfassendes Angebot an Aktivitäten. Dabei gibt es auch richtige Exoten zu entdecken.

Historisch gesehen hatten wir noch nie so viel Freizeit. Auch wenn immer mehr Menschen über Stress klagen und das Gefühl haben, dass sie kaum noch Zeit haben: In der gesamten Geschichte der Erwerbsarbeit wurde noch nie so wenig gearbeitet wie heute – gerade in Deutschland.

Doch was tun in der freien Zeit? 29,6 Prozent der Deutschen arbeiten laut Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse gern im Garten, gefolgt vom Shoppen (27,1 Prozent) und Rätsellösen (16,6 Prozent). Die sportliche Betätigung kommt allerdings erst nach dem Essen, dem Computer, und dem Heimwerken ab Platz sieben: Dort sind dann der Besuch im Fitness-Studio (10,5 Prozent), Wandern (9,5 Prozent) und Joggen (8,1 Prozent) zu finden. Dabei handelt es sich um Sportarten, die man nicht unbedingt in Gruppen und Vereinen machen muss. Der Deutschen eigentlich liebster Sport – der Fußball – ist dann erst mit 4,9 Prozent auf Platz 19 zu finden.

Dabei gibt es so viele Möglichkeiten: Eisstockschießen, American Football, Jugger, Pit-Pat, Bouldern, Parkour, Radball. Die Liste der außergewöhnlichen Sportarten in der Region ist lang. Kaum ein Angebot, dass es zwischen Blumberg und Fischbach, Bad Dürrheim und Gütenbach nicht gibt. Selbstverständlich gibt es die Klassiker wie verschiedene Ballsportarten, Turnen und Leichtathletik. Gerade die Fußballvereine sind nicht nur in den 20 Gemeinden des Schwarzwald-Baar-Kreises zu finden. Selbst der kleinste Ortsteil hat einen eigenen Fußballverein – auch wenn es in der Jugend bei vielen nicht mehr ganz so rosig aussieht: Mit Spielgemeinschaften wird das Angebot aufrechterhalten.

Und mit einer Besonderheit wartet die Doppeltstadt auf. Sportliche Derbys zwischen Villingen und Schwenningen sind äußerst selten, denn die einen treten im Badischen an und die anderen auf der württembergischen Seite.

Eine gute Anlaufstelle für alle, die noch auf der Suche nach einer sportlichen Freizeitbeschäftigung sind, sind meist die Turn- und Sportvereine oder auch Fußballvereine. Mit ihren zahlreichen Unterabteilungen gibt es dort meist viel zu entdecken. So hat allein die Turngemeinde Schwenningen elf Abteilungen, der Turn- und Sportverein Hüfingen ebenfalls elf Abteilungen und der Turnverein St. Georgen bietet neben Volleyball, Basketball und Turnen gleich noch einen Fanfarenzug.

Wassersportler haben es schwerer

Schwerer haben es da schon die Wasserliebhaber: Sie brauchen entweder ein Schwimmbad, einen See oder irgendeinen Fluss. Tauchen gibt's in St. Georgen, Synchronschwimmen und Wasserball in der Doppelstadt oder auf eigene Faust Stand-Up-Paddeling auf den Riedseen. Natürlich ist auch Sport auf gefrorenem Nass möglich: Dafür sprechen schon die zahlreichen olympischen Goldmedaillenträger aus dem Schwarzwald wie beispielsweise Martin Schmitt, Christof Duffner, Hans-Peter Pohl, Hansjörg Jäckle oder Georg Hettich. Und natürlich die Schwenninger Wild Wings.

Doch nicht nur das Eishockey ist erstklassig: Auch die Bogenschützen und die Snook-Spieler aus Villingen-Schwenningen, die Eisstockschützen aus Donaueschingen und die Triberger Ringer treten ganz oben an. Und dann gibt es ja noch die Bad Dürrheimer und die Villinger Volleyballerinnen, die Brigachtaler zielen in der Luftgewehr-Bundesliga und Bräunlingen ist im Inline-Hockey erfolgreich. Und der FC 08 Villingen und die Basketballer der Panthers sorgen für packende Spiele.

Neben Vereinen und kommerziellen Anbietern sorgen auch die Volkshochschulen für entsprechende Kurse, mit denen der Bewegungsdrang gestillt werden kann. "Die VHS hat einen Bildungsauftrag, weshalb auch bei den Bewegungsangeboten der Schwerpunkt auf den Gesundheits- und Präventionskursen liegt", sagt Jens Awe, Leiter der VHS Baar. Natürlich gebe es hier und da Überschneidungen mit dem Angebot der Sportvereine, aber die seien gering. Die VHS-Programme ergänzen sich vor allem. Ein Beispiel aus dem, was an der VHS Baar am ehesten als „Sportangebot“ verstanden wird: Fußball ist kein Angebot der VHS, dafür gibt es „Football Freestyle Tricks“ im Programm, bei dem es viel mehr auf Technik, Koordination und Geschicklichkeit ankommt. "Wir wollen also gar nicht in Konkurrenz zu den Vereinen treten", so Awe. Jedes Semester kämen neue Bewegungsangebote hinzu, andere werden fallengelassen, weil der Trend inzwischen weitergezogen ist.

American Football ist auch Kopfsache

Kopf runter, Körperspannung, den Gegner genau im Visier. Ein lautes Kommando, und dann stürzen sich 22 mit Schonern, Brustpanzern und Helm ausgestattete Kraftpakete aufeinander. Das war der Anpfiff zum American Footballder Neckarhammers, die ihren Wurzeln in Donaueschingen hatten, inzwischen aber nach Schwenningen gewechselt sind. Es gilt, ein Leder-Ei in die gegnerische Endzone zu tragen. "Es darf schon mal richtig krachen", sagt der langjährige Spieler Reimar Fauser, der nun einer der Headcoaches ist. Beim "Tackle", also dem Versuch, den Gegner zu Boden zu bringen, spielt Technik eine große Rolle: „Nicht nur Masse ist entscheidend." Football-Spiele sind auch Kopfsache. Ob Verteidigung oder Angriff, jeder der Spieler erhält vor der Saison ein "Playbook", in dem zahlreiche Spielzüge notiert sind. Und die müssen sitzen, um sich punktgenau auf die jeweilige Spielsituation einzustellen. "Football ist für mich der tollste Sport: vielseitig und gepaart mit Athletik und Taktik, der ultimative Teamsport." Training: Junioren mittwochs und freitags 18 bis 19.30 Uhr, Senioren mittwochs 20 bis 22 Uhr und freitags 20 bis 22.30 Uhr. Leihausrüstungen sind vorhanden. (rom)
 

Beim American Football ist nicht nur die Masse entscheidend, es kommt auch auf Taktik an. <em>Bild: Roger Müller</em>
Beim American Football ist nicht nur die Masse entscheidend, es kommt auch auf Taktik an. Bild: Roger Müller | Bild: Roger Müller

Eisstockschießen geht das ganze Jahr

Eisstockschießen hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Curling, dennoch hat der Stocksport seinen eigenen Schwerpunkt. Er ist somit unabhängig vom Curling anzusehen. Es ist ein alter Volkssport, der sich nur in Gegenden mit gefrierenden Gewässern verbreitete und dadurch nur im Winter gespielt wurde. Heutzutage ist er jedoch als Freizeit- oder auch Leistungssport zu sehen, der ganzjährig betrieben werden kann. Die Eisstockschützen der DEG Eiswiese Donaueschingen können ihrem Sport auch im Sommer frönen. „Was auf Eis geht, geht auch auf Asphalt“, so der langjährige ehemalige Vorsitzende Wilfried Dreher. Dazu haben die DEGler in Donaueschingen eigens einen Asphaltplatz im Schlosspark, wo einmal jährlich zum normalen Training ein Grümpelturnier veranstaltet wird, das sich großer Beliebtheit erfreut. Sportlich sind die Donaueschinger Eisstockschützen äußerst erfolgreich unterwegs. Die sechs aktiven Damen spielen in der ersten Bundesliga und die sechs aktiven Herren sind in der zweiten Bundesliga. (rom)
 

Eisstockschießen ist nicht nur eine Wintersportart.<em>Bild: Roger Müller</em>
Eisstockschießen ist nicht nur eine Wintersportart.Bild: Roger Müller

Radballer liefern sich rasante Spiele

Ihre Schusskraft ist enorm und liegt weniger in den Beinen als in den Handgelenken, mit denen sie die Vorderreifen ihrer Spezialfahrräder gegen den Ball stoßen: Die Radballer des Radfahrvereins Frohsinn Langenschiltach sind seit über 30 Jahren in ihrer Sportart äußerst erfolgreich und spielen sogar auf Landesebene. Dennoch wird die Sportart in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Wer meint, dass Radball nichts anderes ist, als mit einem Fahrrad gegen einen Ball zu treten, wird schnell eines Besseren belehrt. „Beim Radball muss man das Fahrradfahren neu lernen“, so Vorsitzender Werner Schultheiss. Die 2500 Euro teuren Spezialräder haben nicht nur keine Bremsen und eine starre Nabe, das heißt, dass die Spieler vor- und rückwärts fahren können. Geschicklichkeit, Kraft, Technik und Gleichgewicht werden bei der rasanten Sportart trainiert. Wer reinschnuppern möchte: In der Peterzeller Mehrzweckhalle trainieren die Radballer-Jugendlichen mittwochs von 18 bis 19.15 und freitags von 17 bis 19 Uhr. (spr)
 

Lennart Baumann (links) und Thomas Fleig vom RV Frohsinn Langenschiltach beim Training.<em>Bild: Roland Sprich</em>
Lennart Baumann (links) und Thomas Fleig vom RV Frohsinn Langenschiltach beim Training.Bild: Roland Sprich

Hier gibt es keine Hindernisse

Parkour ist eine Sportart beziehungsweise Bewegungskunst, bei der es darum geht, möglichst effizient von Ort A zu Ort B zu gelangen – egal, was sich dabei im Weg befindet. Hindernisse werden einfach überwunden. Wichtig sind vor allem Körperbeherrschung und Technik und auch Feinmotorik und Kraft – und bei der Parkour-Gruppe des TV Mönchweiler wird beides trainiert. Trainiert wird meist in der Turnhalle, als Hindernisse dienen Sportgeräte, die auf die unterschiedlichste Art überwunden werden. Auch die Disziplin Freerunning steht hoch im Kurs. Sie ähnelt Parkour in zahlreichen Techniken – aber der Stil spielt eine größere Rolle: Schrauben und Körperdrehungen sind erlaubt. Anfangs musste man über 16 Jahre alt sein, doch mittlerweile bietet die Gruppe auch "Parkour für Kids" an. Trainiert wird ab 16 Jahren immer mittwochs von 21 bis 23 Uhr in der Allemannenhalle in Mönchweiler. Die Kinder treffen sich ebenfalls mittwochs – aber von 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr. Training im Freien findet nach Absprache statt. (jak)
 

Beim Turnverein Mönchweiler gibt es die Trendsportart Parkour.<em>Bild: Jens Fröhlich</em>
Beim Turnverein Mönchweiler gibt es die Trendsportart Parkour.Bild: Jens Fröhlich | Bild: Cornelia Putschbach

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