Villingen-Schwenningen Die Region bietet Kultur für jeden Geschmack

Heimatcheck: Die Vermarktung einer ländlichen Region ist nicht einfach, sodass die Veranstalter auf Netzwerke und Ausdauer setzen. So ist die Heliosarena keine Multifunktionshalle, bietet aber je nach Event für bis zu 6500 Besucher Platz.

Im Sommer pulsiert das kulturelle Leben in der Region: Zahlreiche Festivals und Freiluft-Theateraufführungen bieten den Besuchern die ganze Palette zwischen Kleinkunst, Schlager, Rock und Pop, Comedy, Kabarett, Hip-Hop und Klassik. Vor allem der Honberg-Sommer punktet mit hochkarätigen Stars, der Rottweiler Ferienzauber bietet eine interessante Mischung zwischen bekannten Namen und lokalen Bands.

In Villingen ist das Innenhof-Festival seit vielen Jahren eine konstante Größe im kulturellen Leben und auch die Bad Dürrheimer SommerSinnfonie lockt tausende von Besuchern an. Sommertheater unter freiem Himmel gibt es in Villingen – dieses Jahr bei der idyllischen Junghansvilla im Warenbachtal – und in Hüfingen bei der römischen Badruine. Durch das Stadtjubiläum in Villingen-Schwenningen bietet die Doppelstadt dieses Jahr einige zusätzliche Höhepunkte wie ein Bürgertheater: 80 VS-Bürger bringen den Shakespeare-Klassiker Romeo und Julia auf die Bühne. Das Amt für Kultur bietet in der Saison 2017/2018 wieder einige Leckerbissen: So spielt zur Saisoneröffnung der Meisterkonzerte im Franziskaner-Konzerthaus die Junge Deutsche Philharmonie mit Tzimon Barto am 28. September.

Für Veranstaltungen bis maximal 950 Besucher ist die Doppelstadt gut ausgerüstet mit Franziskaner-Konzerthaus, Theater am Ring und Neuer Tonhalle. Schwieriger wird es bei Veranstaltungen, die tausende von Besuchern anlocken. Hier wird seit einigen Jahren die Lücke durch eine gezielte Vermarktung der Heliosarena geschlossen, hier finden je nach Event bis zu 6500 Besucher Platz. Allerdings sind klare Grenzen vorgegeben, wie Klaus Hässler, Geschäftsführer der Kunsteisbahn, erläutert.

Spielplan hat Vorrang

Vorrangig findet in der Halle Eishockey statt, das heißt alle Veranstaltungen müssen um den Spielplan der Wild Wings herum gebucht werden. „Wir versuchen mittlerweile gezielt die eisfreie Zeit zwischen Mitte Mai und Mitte Juli zu nutzen“, so Hässler. So ließen sich die enormen Umbauten von einer Eisarena in eine Veranstaltungshalle minimieren. Größtes Manko der Heliosarena: Sie ist keine Multifunktionshalle, viel Ausrüstung muss der Veranstalter mitbringen. „Das schlägt sich natürlich in der Miete nieder“, führt der Geschäftsführer aus. Grundsätzlich seien die Veranstalter sehr interessiert an der Region, aber die Voraussetzungen müssten halt stimmen. „Ich sehe die Heliosarena als Alleinstellungsmerkmal für die Region.“ Zwischen Freiburg und Stuttgart gebe es keine so große Halle.

Michael Baur, Geschäftsführer der Tuttlinger Hallen, bietet mit dem Honberg-Sommer eines der attraktivsten und beliebtesten Sommer-Festivals in der Region. Auch die Stadthalle in Tuttlingen bietet regelmäßig interessante Kulturveranstaltungen. Man könne sich sehr glücklich schätzen über das hiesige Kulturangebot. „Wenn ich auch nach Rottweil und Villingen-Schwenningen schaue, ist das Angebot sehr gut. Man erreicht sich gegenseitig in circa 30 Minuten“, sagt er. Bei der heutigen Mobilität sei das kein Problem mehr.

Dennoch ist sich der Geschäftsführer über den Standort bewusst. „Wir leben hier in einer ländlich geprägten Region“, sagt Baur. Ob sich Künstler und deren Management für einen Auftritt in der Region entscheiden, hängt zu einem großen Teil vom Geld , aber auch von der Medienresonanz ab: „Wenn Künstler in Tuttlingen auftreten, haben sie nicht dieses mediale Echo, wie wenn sie in Stuttgart auftreten würden“, sagt er.

Auch die Entfernung spielt eine maßgebliche Rolle

„Unsere nächsten Flughäfen sind Stuttgart und Zürich, mit jeweils einer Stunde Entfernung.“ Doch selbst das sei für viele Managements zu weit. „In diesen Fällen schauen sie sich besser angebundene Standorte an“, sagt Baur. Es müssen schon mehrere Auftritte für die Künstler auf der Agenda stehen, damit die Region „nicht durchs Raster fällt“. Wie so oft im Leben, regiert auch in dieser Branche meist das Geld. „Die Zufriedenheit des Managements macht sich an den Zahlen fest“, sagt Baur. Da könne es dem Künstler noch so gut in der Stadthalle oder auf dem Honberg-Sommer in Tuttlingen gefallen haben.

Um diesen Nachteil wettzumachen, braucht es vor allem Eines: Beziehungen. „Wir haben hier in Tuttlingen ein gutes Netzwerk“, sagt Baur. Auch beim ausverkauften Honberg-Auftritt von Helge Schneider dieses Jahr bedurfte es einiger Überredungskunst. „Normalerweise spielt Helge Schneider Sitzveranstaltungen. Wir haben es aber geschafft, dass es zu einem Auftritt im Zelt vor stehendem Publikum kommt.“ Es sei wichtig, hartnäckig und interessiert zu bleiben. „Es zahlt sich doch manchmal aus, das Interesse an einem Künstler über die Jahre aufrechtzuerhalten“, sagt er. Da staunen auch die Kollegen beim Branchentreffen in Stuttgart. „Als ich gesagt habe, dass der Gitarrist Joe Bonamassa auch schon dreimal in Tuttlingen war, war das Staunen groß“, sagt Baur.

Das Bürgertheater Romeo und Julia

80 theaterbegeisterte Doppelstädter bringen den Shakespeare-Klassiker "Romeo und Julia" auf die Bühne. Seit Monaten proben die Laien-Schauspieler. Bild: Bökenkamp
80 theaterbegeisterte Doppelstädter bringen den Shakespeare-Klassiker "Romeo und Julia" auf die Bühne. Seit Monaten proben die Laien-Schauspieler. Bild: Bökenkamp

In Villingen-Schwenningen wird die größte Liebesgeschichte aller Zeiten als Bürgertheater inszeniert: 80 theaterbegeisterte Doppelstädter führen unter der Leitung des Schweizer Regisseurs Daniel Wahl den Shakespeare-Klassiker "Romeo und Julia" im Spitalgaren hinter dem Franziskaner-Konzerthaus auf (Rietgasse 2/2). Die Termine: Donnerstag, 7. September (Premiere), Freitag, 8. September, Samstag, 9. September sowie Sonntag, 10. September jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf für 15 Euro (ermäßigt zum halben Preis) beim Ticket-Service in Villingen im Franziskaner Kulturzentrum und im Schwenninger Bahnhof, außerdem an allen Vorverkaufsstellen von Kulturticket Schwarzwald-Baar-Heuberg. Telefonische Bestellung unter: 07721/822525. Daniel Wahl arbeitet mit der Bühnenbildnerin Viva Schudt und dem musikalischen Leiter Benjamin Brodbeck und den Teilnehmern seit Februar an dem Projekt. Es ist einer der Höhepunkte des Jubiläumsjahres 2017, welches die urkundliche Ersterwähnung von Schwenningen, Villingen und Tannheim vor 1200 Jahren feiert. Für Bewirtung im Spitalgarten ist gesorgt, bei Regen erhalten die Besucher Regencapes. (cho)

Das Innenhof-Festival in Villingen

Das Innenhof-Festival in Villingen ist zu einer festen Größe in der Kulturlandschaft geworden und lockte 2016 immerhin 2700 Besucher an. <em>Bild: Spille</em>
Das Innenhof-Festival in Villingen ist zu einer festen Größe in der Kulturlandschaft geworden und lockte 2016 immerhin 2700 Besucher an. Bild: Spille

Das Innenhoffestival, 1989 gegründet, ist eine feste Größe in der Kulturlandschaft der ganzen Region geworden. An neun Abenden bieten die Villinger Kulturvereine Folk-Club, Guckloch-Kino, Caba, Rockclub und Jugend- und Kulturzentrum K3 vom 25. August bis zum 2. September einen bunten Reigen an Veranstaltungen von Kabarett, Schlager, Hip Hop, Salsa, Country- und Folkmusic, Jazz und Kino mit Live-Musik – und das alles unter freiem Himmel. Das Festival wird ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern organisiert und durchgeführt. 2016 kamen fast 2700 Besucher zu den Veranstaltungen im Innenhof der Scheuer (Kalkofenstraße 3 in Villingen). Dieses Jahr sind die oberschwäbische Kultrockband Grachmusikoff, die Band Antigone Rising und Morgan Finlay die Höhepunkte. Tickets gibt es in Villingen bei der Sparkasse, Rietstraße 1, Morys Hofbuchhandlung, Rietstraße 28. In Schwenningen: Sparkasse am Marktplatz. In Donaueschingen: Morys Hofbuchhandlung, Karlstraße 55. Eintrittspreise: 15 Euro (ermässigt 12 Euro). Ausgenommen Matinee am Sonntag und Kinoabend, jeweils 5 Euro.

Weitere Infos unter www.innenhof-festival.de; Kartenreservierungen: Tickets@Innenhof-Festival.de. (cho)

Die Musiktage in Donaueschingen

Die Donaueschinger Musiktage sprechen auch den Nachwuchs an, wie hier bei einem Kinder-Gesprächskonzert in der Jugendmusikschule. <em>Bild: Sigwart</em>
Die Donaueschinger Musiktage sprechen auch den Nachwuchs an, wie hier bei einem Kinder-Gesprächskonzert in der Jugendmusikschule. Bild: Sigwart | Bild: Roland Sigwart

Die Donaueschinger Musiktage sind das älteste Festival für Neue Musik und in Fachkreisen weltweit bekannt. Sie werden jährlich von der Gesellschaft der Musikfreunde, dem Südwestrundfunk und der Stadt Donaueschingen in den Donauhallen und anderen Orten in Donaueschingen veranstaltet. Seit 1921 steht die Veranstaltung für alle neuen experimentellen Formen auf dem Gebiet aktueller Musik und Klangkunst. Bei den Musiktagen wurde und wird Musikgeschichte geschrieben. Zahlreiche Uraufführungen finden hier statt. Das diesjährige Festival findet vom 20. bis zum 22. Oktober statt. Ein breiter Raum wird auch dem Nachwuchs eingeräumt; so können junge Komponisten ihre Werke einreichen und die Bundesakademie für musikalische Jugendbildung in Trossingen bietet diverse Begleitveranstaltungen für Schüler und Studenten an.

Tickets und weitere Infos gibt es bei der Tourist-Information Donaueschingen: 0771/857-221 und unter www.donaueschingen.de/
musiktage.

Der Bergstadtsommer in St. Georgen

Gut besucht sind die Veranstaltungen des Bergstadtsommers, hier das Abschlusskonzert 2016 in der Lorenzkirche. <em>Bild: Zelenjuk</em>
Gut besucht sind die Veranstaltungen des Bergstadtsommers, hier das Abschlusskonzert 2016 in der Lorenzkirche. Bild: Zelenjuk

Musikbegeistert und heimatverbunden sind die Organisatoren des Bergstadtsommers. Nach vielen erfolgreichen Einzelveranstaltungen wie den Aufführungen der Carmina Burana im Jahre 1996 im St. Georgener Werkhof und der Amerikanischen Nacht 2005 haben sich Ehemalige und Freunde der Jugendmusikschule zum Verein Bergstadtsommer zusammengeschlossen. Daraus entstanden ist das mittlerweile überregional beachtete Musikfestival Bergstadtsommer. Das Auftaktkonzert des diesjährigen Bergstadtsommers findet am 2. September um 20 Uhr in der Stadthalle in St. Georgen statt.

Die übrigen Veranstaltungen finden an unterschiedlichen Orten statt. Es spielen das David Gazaro Trio & Dönneweg Quartett. Da es die zehnte Veranstaltung ist, arbeiten die Organisatoren mit großem Eifer an einem ganz besonderen Programm. Das Festival dauert vom 2. bis zum 9. September. Karten gibt es ab 15. Juli bei Reservix und auf der Homepage bergstadtsommer.de/tickets. Für Reservierungen und weitere Informationen gibt es eine Info-Hotline: 07724/8839166. (cho)

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