Schwarzwald-Baar Die Polizeihochschule auf schwierigem Wachstumskurs

Der neuer Leiter Martin Schatz nimmt jetzt die Arbeit auf und sieht große Herausforderungen für die Hochschule. Die von Politikern geforderten Ausbaupläne stoßen bei ihm aber auf eine gewisse Zurückhaltung

Martin Schatz soll die Hochschule für Polizei Villingen-Schwenningen durch großen Herausforderungen führen, vor die sich die zentrale Bildungseinrichtung der Landespolizei aktuell und in naher Zukunft gestellt sieht. Der 56-jährige Polizeibeamte aus VS-Weilersbach hat zum 1. September die Leitung der Hochschule übernommen, deren Präsidentensessel ausgerechnet in der aktuellen Umbruchzeit rund zehn Monate lang vakant war. Der Vorgänger von Schatz, Alexander Pick, hatte zuvor die Leitung des neuen Polizeipräsidiums Reutlingen übernommen.

  • Zur Person: Schatz skizziert bei einem Pressegespräch am Freitag seine Laufbahn bei der Polizei, die ihn zuletzt bis ins Amt des Landeskriminaldirektors und damit des höchsten Kriminalbeamten in Baden-Württemberg führte. Der gebürtige Schenkenzeller begann seine Karriere im Bereich der damaligen Polizeidirektion Villingen-Schwenningen. Dann folgten der Wechsel zur Kriminalpolizei und verschiedene Studiengänge. Die vergangenen 15 Jahre war er im Innenministerium tätig, befasste sich in leitenden Funktionen mit Personal- und Organisationsfragen sowie Aus- und Fortbildung.

In den ganzen Jahren blieb der verheiratete Vater zweier Kinder in Weilersbach wohnen und pendelte täglich zur Arbeit nach Stuttgart. "Insofern führt mich mein Weg jetzt wieder zurück in die Heimat", so Schatz. "Für mich ist die Hochschulleitung nun etwas ganz Neues, auf das ich mich freue, das aber auch eine gewaltige Herausforderung ist."

  • Herausforderungen: Es gibt einiges zu tun für Schatz und das Führungsteam: "Die Hochschule hat eine strategische Bedeutung für die Landespolizei", so Schatz. Terroristische Bedrohungen, Internetkriminalität und andere Faktoren hätten die Sicherheitslage spürbar verändert, worauf die Landespolitik nun mit einer deutlichen Personalaufstockung reagieren wolle.

1500 weitere Stellen für den Polizeiapparat, davon 900 im Polizeivollzug und 600 in administrativen und anderen Bereichen, sollen jetzt voraussichtlich bereits im Doppelhaushalt 2018/19 eingeplant werden – zusätzlich zu der normalen Personalerneuerung. Das bedeute, 2018 und 2019 jeweils 1800 Einstellungen in den Polizeivollzugsdienst zu erreichen. "Wir sind dafür höchst dankbar, es war höchste Zeit", sagte Schatz. Doch dieses Personal müsse nun auch rekrutiert und ausgebildet werden. Es dauere dann beispielsweise rund 30 Monate, bis ein Berufsanfänger für die mittlere Polizeilaufbahn ausgebildet sei. "1400 sind bisher eingeplant, aber das kriegen wir auch hin."

Was bedeutet das für den Standort VS, wo die akademische Ausbildung für den gehobenen Dienst läuft? "Wir hatten bisher in jedem Jahrgang rund 430 bis 450 Kommissarsanwärter", so Pressesprecher Günter Hones. Nun kämen ab dem nächsten Jahr zu den 450 noch einmal 200 zusätzlich dazu. Wobei der 40. Studienjahrgang jetzt im Oktober bereits 560 Erstsemester umfasse. Und weil stets zwei Jahrgänge – ein älterer und ein jüngerer – parallel studierten, summiere sich die Studentenzahl dann erstmalig auf über tausend, konkret 1020. Danach rückten weitere aufgestockte Jahrgänge nach, sodass zum Sommersemester 2021 mit bis zu 1700 Studierenden gerechnet werde. Insgesamt würden in der Hochphase rund 4100 Auszubildende und Studierende gleichzeitig an den Standorten sein, so die Hochschule.

  • Raumprobleme: "Wir fahren auf Sicht", so Schatz. Die 90 zusätzlichen Kommissarsanwärter, die jetzt im Oktober zu den üblichen 450 Einsteigern hinzukämen, könne man alle unterbringen. Die Unterkünfte in der Dattenberg- und Pictoriusstraße in VS-Villingen seien fertig, "das war eine Punktlandung." Er wisse, dass VS-Oberbürgermeister Rupert Kubon davon ausgehe, dass diese Belegung nur zwei Jahre dauere und die Unterkünfte dann in sozialen Wohnraum umgewandelt werden sollten. Wird das klappen? "Das wird schwierig", sagt Schatz, die Polizeistudenten hätten einen Anspruch auf eine Unterkunft – für die sie natürlich auch bezahlen müssten. Einen Gesprächstermin mit OB Kubon sei schon fixiert.

Natürlich benötige die Hochschule auch mehr Raumkapazitäten für den Unterricht. Zum einen wolle man auf dem Campus die Unterrichtszeiten ausdehnen und den Klassenteiler erhöhen, zum anderen ab April 2018 beispielsweise auch Räume im Neckartower in Schwennigen nutzen. Was hält Schatz von dem Vorschlag zum Ausbau direkt auf und neben dem Campus VS, den jüngst die CDU-Abgeordneten Karl Rombach und Thorsten Frei aufgebracht haben? "Das ist sicher eine denkbare Variante", sagt Schatz. "Es wäre aber auch denkbar, temporär einen weiteren Standort zu nutzen." Ihm selbst wäre es bestimmt lieber, wenn der Studienbetrieb auf dem Campus oder in seiner Nähe zusammengefasst bliebe. "Eine Außenstelle braucht immer zusätzliche Administration, außerdem wären die Dozenten dann ständig unterwegs." 

Daher befinde er sich "völlig im Einklang mit den Abgeordneten." Doch noch fehlten Beschlüsse der Politik über die nächsten zwei Jahre hinaus, um über Neubauprojekte zu sprechen. Immobilienerwerb und -neubau sei problematisch, wenn es sich nur um eine zeitlich begrenzte Spitze handele und dann die Studentenzahlen wieder zurückgingen. Es habe in ähnlicher Situation schon einmal eine temporäre Außenstelle in Freiburg gegeben.

Polizeihochschule

  • Aufgaben: Zur Hochschule für Polizei gehört längst nicht nur die Studieneinrichtung mit ihrem Campus in VS-Schwenningen. Die Hochschule ist für die gesamte Aus- und Fortbildung der Polizeibeamten im Land zuständig, ferner für Personalgewinnung und Führungstrainings. Sie ist Dienstleister für die rund 31 000 Beschäftigten der Polizei, davon rund 24 000 Polizeivollzugsbeamte. Hochschulleiter Martin Schatz ist derzeit Chef von insgesamt 4428 Personen – konkret 779 Festangestellten, der Rest sind Auszubildende und Studenten. Am Hauptsitz in Villingen-Schwenningen sind 118 Mitarbeiter im Bereich Leitung und Verwaltung tätig, ferner 64 Dozenten.
  • Standorte: Die Hochschule hat neben dem Campus VS vier weitere Standorte, etwa für die Ausbildung der Beamten im mittleren Dienst: Lahr, Biberach, ferner bald in Herrenberg, wo noch Bauarbeiten laufen, und dann soll noch eine Polizeischule hinzukommen, wofür Sigmaringen im Gespräch ist. Dafür wird der temporäre Standort Bruchsal aufgegeben.

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