Schwarzwald-Baar Bundesweiter Protestmarsch gegen Waffenexporte startet an Pfingstmontag in der Region

Ein Friedensbündnis will die Region symbolisch mit Berlin verbinden: Am 21. Mai beginnt ein Staffellauf vor zwei Rüstungsfabriken in Oberndorf und geht zunächst über Villingen nach Furtwangen – um in den folgenden Tagen quer durch die Republik bis in in die Hauptstadt führen

Rund 700 Kilometer liegen zwischen Oberndorf am Neckar und dem Deutschen Bundestag im Herzen von Berlin. Diese Strecke – einmal quer durch die Bundesrepublik – möchte das Aktionsbündnis „Frieden geht“ von Pfingstmontag an in einem Staffellauf gegen Rüstungsexporte ablaufen.

Den Ausgangspunkt für den Staffellauf bilden die Werkstore der Oberndorfer Rüstungsunternehmen Rheinmetall sowie Heckler & Koch. Das kündigte das Bündnis am Mittwoch an.

Zentrale Forderungen des Bündnisses, das von 16 Initiativen, Vereinen, Lobbygruppen und Kirchen getragen wird, sind ein grundsätzliches Exportverbot von Rüstungsgütern und die Umorientierung dieses Industriezweigs hin zu einer nachhaltigen zivilen Fertigung.

Um auf diese Forderung aufmerksam zu machen, laufen insgesamt mehr als 1000 Teilnehmer in 83 kleinen Staffeln nach Berlin.

Die erste Etappe führt hierbei quer durch den Schwarzwald-Baar-Kreis von Oberndorf über Villingen-Schwenningen und Furtwangen ins Breisgau – vorbei an wichtigen Rüstungsstandorten.

„Das Motto für die erste Etappe lautet „Munition“. Denn kein Gewehr kann ohne Patronen Schaden anrichten“, erklärte Mitorganisator Helmut Lohrer. „Munitionsfertigung in der Region wird bisher kaum thematisiert. Das wollen wir ändern und eine offene Debatte darüber anstoßen.“

Lokale Waffenfertigung ansprechen

Es gehe dabei nicht nur um große Namen wie Heckler & Koch, sondern auch zum Beispiel um ein Villinger Unternehmen, das – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – die Rüstungsindustrie mit Werkstoffen beliefere, sagte Lohrer.

Das Thema werde auf einer Kundgebung in der Villinger Innenstadt angesprochen, auf der unter anderem Oberbürgermeister Rupert Kubon auftreten werde. Er werde auch die nächste Etappe nach Pfaffenweiler mitlaufen.

Überrascht zeigen sich die Organisatoren vom Zuspruch für ihr Projekt. „Beide Kirchen zeigen ein enormes Engagement in der Friedensarbeit“, erklärte Hausen. „Auch die Gemeinden entlang der Route wie Lackendorf und Villingen-Schwenningen sind sehr aufgeschlossen und kooperativ.“

„Eine zentrale Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch die Politik. Deshalb geht der Lauf auch nach Berlin“, sagt Christa Lörcher.

Die ehemalige Bundestagsabgeordnete der SPD übt harsche Kritik an der Politik, auch an ihrer eigenen Partei, die an den zentralen Stellen in der Bundesregierung sitzt. „Wir kritisieren ganz deutlich die Doppelzüngigkeit der Politik. Das Argument der Sachzwänge lassen wir nicht mehr gelten.“

Jeder Waffenexport müsse vom Bundessicherheitsrat genehmigt werden. Dieses geheim tagende Gremium besteht aus acht Bundesministern und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie entscheiden, welche Waffen wohin exportiert werden dürfen.

In der vergangenen Legislaturperiode hat die Große Koalition nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums Rüstungsexporte in Höhe von rund 24,9 Milliarden Euro genehmigt, so viel wie nie zuvor.

Neue Wege für Waffenschmieden

Doch was wird aus der Rüstungsindustrie, wenn die Forderung der Aktivisten umgesetzt wird und Waffenexporte verboten werden? „Heckler & Koch hat doch hervorragende Ingenieure. Die könnten auch zivile Produkte entwickeln“, fordert Helmut Lohrer.

Ihm sei es nicht egal, was mit den Arbeitsplätzen geschehe. „Aber es kann niemandem wurst sein, welche Wirkung die eigenen Produkte haben. Man muss sein Know-how ja nicht unbedingt in Rüstungsgüter stecken.“

Heckler & Koch ließ eine Anfrage des SÜDKURIER zum Staffellauf unbeantwortet.

Stationen des Staffellaufs

Der Staffellauf beginnt am 21. Mai mit Kundgebungen vor Rheinmetall (9 Uhr) und Heckler & Koch (10.45 Uhr) in Oberndorf. Ab 12 Uhr geht es mit Etappen unter anderem in Villingen, Pfaffenweiler, Vöhrenbach nach Furtwangen. In Villingen wird es um 10.30 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst im Münster und um 16 Uhr eine Kundgebung auf dem Marktplatz geben. Infos im Internet: www.frieden-geht.de (kbr)

 

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