Schwarzwald-Baar Arbeitsmarkt im Schwarzwald-Baar-Kreis: Top-Form mit Schattenseiten

Die Beschäftung im Schwarzwald-Baar-Kreis steigt, die offizielle Arbeitslosenzahl sinkt seit Jahren – doch der Mangel an Arbeitskräften bremst auch die Unternehmen

Schwarzwald-Baar – Die Beschäftigenzahlen steigen, die Arbeitslosenzahlen sinken: Zwei starke positive Tendenzen prägen den regionalen Arbeitsmarkt seit mehreren Jahren – und eine Trendwende ist für die Fachleute nicht in Sicht. Die Chefin der Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen, Erika Faust, und der Leiter des Jobcenters Schwarzwald-Baar, Alexander Merk, sind nicht nur sehr zufrieden mit der Bilanz von 2017: Sie blicken auch sehr optimistisch ins neue Jahr.

  • Beschäftigte: Der Bundestrend schlägt auch im Schwarzwald-Baar-Kreis voll durch: Es gibt immer mehr Menschen mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Zahl steigt seit mindestens 2012 konstant an. Zum jüngsten verfügbaren Stichtag, dem 30. Juni 2017, waren es 86 295 Personen, ein Plus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. "Das sind fast 2000 Beschäftigte mehr in nur einem Jahr", betont Erika Faust. Der größte Teil davon – 33 239 Menschen – sind im verarbeitenden Gewerbe tätig. "Das unterstreicht die industrielle Prägung der Region", so Faust. An zweiter Stelle kommt das Gesundheits- und Sozialwesen mit 11 265 Beschäftigten.
  • Arbeitslose: Bei der Arbeitslosenquote schloss der Schwarzwald-Baar-Kreis das Jahr 2017 mit 3,1 Prozent ab – die niedrigste Zahl seit mindestens 2010, als die Folgen der weltweiten Finanzkrise noch heftig zu spüren waren.  Vergleicht man beispielsweise den Dezember 2016 und 2017, so waren zuletzt offiziell 3284 Arbeitslose registriert. "Das sind 15,3 Prozent weniger als im Vorjahr, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen", hebt Faust hervor." Im Dezember 2016 waren es noch 3877 Arbeitslose.

Dieser Trend komme nachweislich auch bei Empfängern von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) und Langzeitarbeitslosen an, so Jobcenter-Leiter Alexander Merk. Im Dezember 2017 seien beispielsweise 1733 Arbeitslose aus dem Bereich Hartz IV gezählt worden, das seien 351 weniger als ein Jahr zuvor. "Wir haben ein richtig gutes Jahr hinter uns", freut sich Merk.

Allerdings handelt es sich um Durchschnittszahlen: Generell spielen Leiharbeit und befristete Verträge eine große Rolle, die Dynamik am Arbeitsmarkt ist groß. So mancher muss sich von einem Arbeitsvertrag zum nächsten hangeln, aber immerhin sind die Intervalle dazwischen oft relativ kurz. Insgesamt mindere sich der Drehtüreffekt – kaum ist der Kunde aus dem Jobcenter raus in einer Beschäftigung, kommt er nach Ende des Vertrages auch schon wieder zurück – deutlich.

  • Flüchtlinge: Auch gering qualifizierte Helfer seien derzeit sehr gefragt – was unter anderem hilfreich sei, um auch anerkannte Flüchtlinge, die Anspruch auf Hartz-IV-Leistungen haben, in Lohn und Brot zu bringen, erläutert Jobcenter-Chef Merk. "Wir sind auch für 2018 optimistisch."

Falls der Familiennachzug für bestimmte Flüchtlingsgruppen wieder erlaubt würde, könnte aber die Zahl der Hartz-IV-Berechtigten stärker ansteigen. Von November 2016 bis Dezember 2017 wuchs deren Zahl beim Jobcenter von 806 auf 1042 kontinuierlich an.

Insgesamt trügen die Sprachkurse und Integrationsbemühungen durchaus Früchte, ebenso die engen Kontakte mit Schulen und Unternehmen. Der Trend ist leicht sinkend: 320 Asylbewerber und Flüchtlinge galten im Dezember 2016 als bereit für den Arbeitsmarkt, im Dezember 2017 war die Zahl auf knapp 300 gesunken. Zählt man alle zusammen, auch jene, die in diversen Kursen oder Praktika stecken, so sind derzeit 836 Geflüchtete im Schwarzwald-Baar-Kreis arbeitssuchend. Vor einem Jahr waren es 797.

Bei den unter 25-Jährigen haben rund 25 Prozent ein Sprachniveau erreicht, das als nötig gilt, um arbeiten zu können. Von diesen seien alle jetzt in Ausbildung oder Arbeit. Aber auch die anderen seien versorgt: "Insgesamt ging uns im Herbst 2017 keiner der Jugendlichen verloren, alle haben eine Anschlussperspektive erhalten", sagt Erika Faust.

  • Probleme für Arbeitgeber: Was für Arbeitssuchende ein Segen ist, schafft allerdings zunehmend Probleme für die Unternehmen, die mangels Fachkräften ihr Wachstumspotenzial nicht ausschöpfen können.

Dabei geht es keineswegs nur um Ingenieure: "Es gibt auch einen großen Bedarf beispielsweise im Bereich Lager und Logistik", so Faust. "Auch der Verkaufsbereich boomt, im Dezember gab es im Schwarzwald-Baar-Kreis hier allein 333 offene Stellen" – und das trotz so mancher Klagen von Einzelhändlern über schleppende Geschäfte und Konkurrenz aus dem Internet. In der aktuellen Hochkonjunktur gebe es eben auch vielfach die Chance eine Stelle im Büro oder in der Fertigung – mit höherem Verdienst beziehungsweise günstigeren Arbeitszeiten.

  • Prognose für 2018: In der Region der drei Landkreise Schwarzwald-Baar, Rottweil und Tuttlingen wird die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung voraussichtlich um fast zwei Prozent ansteigen, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Und die Zahl der Arbeitslosen werde weiter sinken.

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