Schwarzwald-Baar Abrupte Kündigung für Chefarzt Runkel

Das Schwarzwald-Baar Klinikum feuert unerwartet einen langjährigen Top-Mediziner des Hauses – und um die Entlassungsgründe köchelt die Gerüchteküche. Unterdessen lobt der Klinikum-Aufsichtsratsvorsitzende den geschassten Chefarzt ausdrücklich.

17 Jahre Chefarzt-Karriere sind jetzt am Schwarzwald-Baar Klinikum jäh zu Ende gegangen: Das Großkrankenhaus hat Norbert Runkel fristlos gefeuert. „Ja, wir haben uns von Professor Runkel getrennt“, sagt die Sprecherin des Schwarzwald-Baar Klinikums, Sandra Adams, auf Anfrage. Der Aufsichtsrat des Klinikums habe diese Entscheidung in einer Sondersitzung getroffen, so die Klinikumsprecherin.

Was genau das Klinikum dem bisherigen Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im neuen Klinikum in Villingen-Schwenningen vorwirft, um dem angesehenen Mediziner derart kurzfristig den Stuhl vor die Tür zu stellen, sagt Sandra Adams nicht. Unkommentiert bleiben somit insbesondere Gerüchte von Unregelmäßigkeiten beim Abrechnen medizinischer Leistungen, die derzeit in der Öffentlichkeit kursieren. Mehr Details – vor allem zu den Gründen für den jähen Rauswurf – könne sie zu der Angelegenheit nicht beitragen, beteuert die Klinikum-Sprecherin: „Es handelt sich um eine laufende Personalsache.“

Auch der derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende der Schwarzwald-Baar Klinikum Villingen-Schwenningen GmbH, Oberbürgermeister Rupert Kubon, äußert sich derzeit inhaltlich nicht zur Kündigung von Runkel. „Das ist ein laufendes Verfahren“, stellt er fest. Die Kündigung habe auch nichts mit möglichen Vertragsänderungen für den Chefarzt zu tun.

Wobei Kubon ein ausdrückliches Lob für den so eilig hinausbeförderten Top-Mediziner hinzufügt, das die fristlose Kündigung noch rätselhafter erscheinen lässt: „Die Klinik schätzt die Arbeit von Dr. Runkel außerordentlich.“

Runkel selbst war im Zuge der Recherche am Montag telefonisch nicht erreichbar. Fakt ist jedenfalls, dass er bereits seit Monaten nicht mehr im Dienst ist. Der Chefarzt, so heißt es, soll bereits im Frühjahr bei einer Fahrt mit dem Motorrad auf dem Weg nach Freiburg schwer verunglückt sein. Runkel schwebte offenbar in Lebensgefahr und hat sich von den Folgen des Unfalls noch nicht erholt. Unklar war zuletzt, ob der 60-jähirge Chirurg gesundheitlich überhaupt in der Lage sein wird, seinen Posten wieder anzutreten.

Für das Schwarzwald-Baar Klinikum gehörte Norbert Runkel bislang zu den medizinischen Aushängeschildern. Beispielsweise listete ihn das Magazin Focus mehrfach als einen der bundesweiten Spitzenmediziner auf – unter anderem in den Bereichen Bauchchirurgie und Adipositas-Chirurgie. Tausende Krebspatienten behandelte er ebenso wie Menschen, deren gesundheitsbedrohliches Übergewicht etwa mit einer Verkleinerung des Magens verringert werden musste.

Runkel war vor der Übernahme der Chefarztstelle am damaligen Klinikum Villingen-Schwenningen im Jahr 2000 Leitender Oberarzt an der Chirurgischen Klinik der Freien Universität Berlin gewesen. Er engagierte sich hier für die Einführung fortschrittlicher Operationsmethoden, zuletzt etwa mit dem neu angeschafften OP-Roboter. Und er tat auch außerhalb des Operationssaals viel für das Renommee des Klinikums, beispielsweise mit großen Informations- und Aufklärungsveranstaltungen zum Thema Darmkrebs.

Der Name des bisherigen Chefarztes wurde inzwischen von der Homepage des Schwarzwald-Baar Klinikums getilgt. Dort findet sich nun als kommissarischer Leiter der Allgemein- und Viszeralchirurgie der Leitende Oberarzt Harald Reiser.

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