Schramberg Ehepaar Renz beendet ihre Karriere: "Schramberg muss sich profilieren"

Ute und Peter Renz schließen ihr Teppichgeschäft – 55 Jahre Berufserfahrung finden am 20. Januar ihren Abschluss.

Noch ist wohl kein Nachmieter gefunden, aber für Ute und Peter Renz ist klar: Am 20. Januar drehen sie ein letztes Mal den Schlüssel in ihrem Teppichgeschäft an der Schramberger Hauptstraße rum. "Die letzten beiden Jahre waren nochmal so richtig schön", zieht Peter Renz Bilanz. Der Teppichhandel in der ehemaligen Hauptstelle der Kreissparkasse habe "nochmal richtig Spaß gemacht". Er habe vor zwei Jahren den Laden gemietet, auch um zu zeigen, "dass in einer so guten Lage auch etwas geht". Doch mit 77 Jahren ist für den Teppichfachmann und Verkäufer aus Leidenschaft klar, dass nun das Ende angesagt ist.

In 55 Jahren haben die Eheleute Renz sehr viele Erfahrungen sammeln können. Seinen Berufskollegen, aber auch der Kommunalpolitik will Peter Renz einige seiner Erfahrungen weitergeben: "Es gibt mir schon zu denken, wie es mit dem Einzelhandel weiter geht." Manches wird nach seinem Eindruck etwas zu rosig dargestellt. Einerseits laufe die Industrie super, aber die leitenden Angestellten wohnten nicht in Schramberg: "Die zieht es nach Rottweil, Villingen-Schwenningen oder Bad Dürrheim, das gibt mir schon zu denken."

Die Stadt müsse sich interessant machen und profilieren, findet Renz. Deshalb seien die bestehenden Museen wie auch das neue Museum von Dr. Steim im Terrassenbau gut für Schramberg. So recht schmecken mag ihm deshalb auch die Betonung des Schwarzwalds im Slogan der Stadt nicht: "Wer aus dem Umland zum Einkaufen zu uns kommt, der kommt ja aus dem Schwarzwald. Die Kunden suchen den Schwarzwald nicht in der Innenstadt, sondern die wollen einkaufen." Renz hängt am alten Spruch der FES-Einzelhändler: "Freundliche Einkaufsstadt Schramberg". Gegen die großen Einkaufszentren und den Online-Handel könnten die Fachgeschäfte nur mit Dienstleistungen punkten.

Entscheidend für den Kunden sei das Einkaufserlebnis, das Gespräch mit dem Verkäufer, vielleicht gar mit dem Geschäftsinhaber. Dann habe das Einkaufen auch "einen Erlebniswert", so Renz. Den gebe es nicht, wenn alle Geschäfte gleich aussähen. Der Einzelhandel dürfe nicht stehen bleiben, fordert Renz, weder jammern noch schönreden bringe etwas: "Der Einzelhandel muss kämpfen." Seine Branchenkollegen aus Hamburg, Berlin oder München hätten ihn oft gefragt: "Wie schaffst Du das, in einer so kleinen Stadt zu existieren?" Renz Antwort: "Ohne Werbung geht nichts." Seine Prospekte streute Renz im weiten Umland. Auch mit Teppich-Ausstellungen in anderen Städten schuf er sich einen Namen weit über Schramberg hinaus. Und dann seien 55 Jahre eben auch eine lange Zeit, um sich einen Ruf zu erarbeiten.

Dass seine Arbeit und seine Werbung in Schramberg nicht immer und von allen verstanden worden seien, habe ihn nicht verbittert. Der Gemeinderat hat Renz wegen seiner Verdienste 2016 den Ehrenbrief der Stadt verliehen. Aber es fuchst ihn schon, dass er oft "veralbert" wurde. Und seine Frau Ute, die jahrzehntelang die Firma mit ihrem Mann geführt hat, fügt an: "In all den Jahren: 99 Prozent der Leute waren nett."

 

Zur Person

Peter Renz hat sich als Orientteppichexperte einen bundesweiten Namen gemacht. 1970 hatte er das väterliche Geschäft in Schramberg übernommen. Er bereiste zahlreiche Teppichknüpfregionen in Asien und im Orient und setzte sich gegen illegale Kinderarbeit ein. Seit gut 40 Jahren ist er Sachverständiger für Orientteppiche und mechanisch gewebte Teppiche der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg 2011 erhielt er die Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg, 2016 den Ehrenbrief der Stadt.

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