Schramberg Aus für Haus Popp am Rappenfelsen

Nach genau 125 Jahren wird das Gebäude abgerissen, das auf eine bewegte Geschichte blickt. Der sinnreiche Gedenkstein des Hauses beim Steinbruch soll nun ins Museum kommen.

Schramberg – Ein Haus mit einer bewegten Geschichte steht bald nicht mehr: Das Haus am Steinbruch beim Rappenfelsen entkernen derzeit Abbruchspezialisten.

  • Gedenkstein soll ins Museum: Das Gebäude gehört heute der Betreiberfirma des Steinbruchs. Nachdem in den letzten Jahren die Mieter immer häufiger wechselten und es in die Jahre gekommen sei, soll es nun abgebrochen werden, war aus der Firma zu erfahren: "Wir brauchen es nicht." Gebaut hat es 1892 der Mechaniker Martin Popp. Er lebte von 1863 bis 1934, so Stadtarchivar Carsten Kohlmann. Auf ihn gehe auch der sinnreiche Gedenkstein über der Eingangstür zurück. Diesen möchte Kohlmann nach dem Abbruch möglichst ins Archiv als Erinnerungsstück übernehmen.
  • Historisches Schriftstück im Archiv: Dort im Archiv findet sich ein Schriftstück aus dem Jahr 1952 von Leonhard Popp, dem Sohn des Erbauers. Sein Vater stammte aus Oberfranken und sei als Wandergeselle nach Schramberg gekommen. Bei der Uhrenfabrik Mayer und Söhne habe er Arbeit gefunden. Er heiratete Adelheid Kunz und fand einen Bauplatz an der badisch-württembergischen Grenze für ein Eigenheim. 1910 habe er sich selbstständig gemacht. Sein Vater habe die Wasserkraft des Eselbachs genutzt, um über ein Wasserrad Maschinen anzutreiben, schreibt Leonhard Popp. In seiner Werkstatt verkaufte und reparierte Popp senior Nähmaschinen und Fahrräder: "Er war der erste Hochradfahrer Schrambergs." Auch eine Tankstelle richteten die Popps in den 20er Jahren hier ein.
  • Selbsthilfewerk für junge Arbeitslose entsteht: Nach dem Tod des Vaters 1934 habe er, Leonhard, die Firma weitergeführt und gemeinsam mit seinem Bruder Alfons ab 1938 eine Autoreparaturwerkstatt mit Zündapp- und NSU-Vertretung aufgebaut. Daraus ist das heute im Stadtteil Sulgen beheimatete Autohaus Popp entstanden. Später war das Gebäude gegenüber der Kläranlage die Heimat des "Kollektivs" um Alfred Goebel. Er hatte sich junger Arbeitsloser angenommen, die während der Uhrenkrise in den 80er Jahren keine Chance auf einen normalen Arbeitsplatz hatten. Sie betrieben eine Werkstatt und ein Möbellager für gebrauchte Möbel. Daraus entstand das "Selbsthilfewerk für junge Arbeitslose", eine Gemeinschaftsaktion der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden. Immer wieder wechselten danach die Mieter. Bis vor einiger Zeit hatte ein Bewohner mit Karotten zu tun. Jedenfalls standen häufig Lieferwagen voller Karotten neben dem Haus. Jetzt kommt das Ende. In Kürze wird der letzte Rest des Hauses von Martin Popp verschwunden sein – genau 125 Jahre hat es gestanden.

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