Triberg-Gremmelsbach Waldemar Finkbeiner prägte Gremmelsbach nachhaltig

Der Gremmelsbacher ist jetzt mit 88 Jahren gestorben, er war als Unternehmer und in der Kommunalpolitik gleichermaßen engagiert.

Die Nachricht vom Tode Waldemar Finkbeiners löste nicht nur bei seiner Familie, sondern in ganz Gremmelsbach tiefe Trauer aus. Waldemar Finkbeiner, Seniorchef der gleichnamigen Firma, ist kürzlich im Alter von 88 Jahren gestorben. Der Besitzer des größten Industriebetriebs in der Gemeinde, der Steinbissäge, war eine ungewöhnliche Unternehmerpersönlichkeit: mit reicher Begabung ausgestattet, mit Weitblick in Politik und Wirtschaft, mit der Fähigkeit, mögliche Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren, Entscheidungen mit Millioneninvestitionen zu treffen oder das Werk aufgeben zu müssen.

Immer stand Finkbeiner das Wohl seiner Arbeiter vor Augen, wozu auch das angenehme Betriebsklima gehörte. Die Voraussetzungen schuf er durch seine innere Ausgeglichenheit und sein Geschick, Menschen zu führen. In den Vordergrund spielte er sich nie. Fiel einmal ein Arbeiter aus, so stellte er sich an dessen Maschine. Ein Kunde konnte ihn in Arbeitskleidung und mit Gehörschutz am Hobelautomaten antreffen.

Seine beruflichen Kenntnisse erwarb er im väterlichen Betrieb als Sägewerker, in der Handelsschule in Freiburg und am Holztechnikum in Rosenheim. Seit 1953 ist er Diplombetriebswirt. Zwei Jahre später übernahm er die Verantwortung für den Betrieb, und nun galt es, von den rasanten, technischen Veränderungen bis zur höchstkomplizierten Computerisierung nicht überrollt zu werden. Welch weiter Weg dies war, zeigt überdeutlich, dass in seiner Jugend täglich noch das Fuhrwerk mit drei schweren Pferden Langholzstämme aus Gremmelsbacher Wäldern in das Sägewerk beförderten und heute im Halbstundentakt Lastwagen die Stämme heranführen.

Den Bau der Heizkraftanlage und die Erweiterung der Trocknungskapazitäten, die letzte große Investition, die sein Sohn Andreas ins Werk setzte, erlebte er noch. Er wusste damit sein Lebenswerk bewahrt. Bis in seine letzten Tage war der Seniorchef an seinem Arbeitsplatz im Büro zu sehen.

Ein Betrieb mit mehr als 70 Arbeitern und Angestellten musste jederzeit vor Pannen bewahrt werden, was bedeutete, dass notwendige Reparaturen nur in den Ferien durchgeführt werden konnten. Für den Chef erforderte dies ständige Anwesenheit. Ferienreisen mit Ehefrau Helene kannte er in jungen Jahren nicht. Gelegentlich besuchten sie Kunden im Ausland. Während allen gemeinsamen Jahren hatte er in Helene eine Stütze. Auch sie scheute körperliche Arbeit nicht. Sie tat Kurierdienste zu Bank und Post, bis das Internet diese überflüssig machte.

Den Überblick über ein solch expandierendes Unternehmen zu behalten, wäre schon genug gewesen. Nicht für Waldemar Finkbeiner. Sein Leben gehörte nicht nur seiner Familie und seinem Betrieb. Zutiefst fühlte er sich mit seiner Heimatgemeinde verbunden. Einmalig in der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts in Gremmelsbach war, dass der Sohn seinem Vater als Gemeinderats- und anschließend als Ortschaftsratsmitglied folgte. Waldemar folgte auf Theophil: von 1965 bis 1984.

Waren starke Veränderungen im Betrieb zu meistern, so waren in der Kommunalpolitik nicht weniger gewichtige herbeizuführen. Die innerörtlichen Straße wurden befestigt. Das Ortsbild nahm ein neues Aussehen an. Der Schulhausbau stand an, die Aussegnungshalle war zu planen und zu bauen. Über die Eingemeindung war zu entscheiden. Auch durch das gemeindeeigene Haus unter der Kirche, das Waldemar kaufte, erfuhr die Ortsmitte eine Verschönerung.

Noch länger war er Mitglied der Feuerwehr: 33 Jahre lang. Der Oberfeuerwehrmann wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Auch andere Vereine lagen ihm am Herzen. Unvergessen ist, dass er einem Ehepaar das Leben rettete, dessen Auto in einer Kurve in die reißende, eisige Gutach gestürzt war. Unter Einsatz seines Lebens gelang es ihm, beide Insassen an den Bachrand zu bringen und sie so zu retten. So prägte Waldemar Finkbeiner in mehrfacher Hinsicht die Geschichte Gremmelsbachs.

Die Trauerfeier findet am Mittwoch, 15. November, um 14 Uhr in der Kirche in Gremmelsbach statt. Im Anschluss erfolgt die Beisetzung auf dem Friedhof.

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