Niedereschach Auf Opas Susi über Felder und Wiesen

Nur noch wenige Umdrehungen des Schraubenschlüssels, dann ist die Mutter am Motor des Mofas fest. Dennis Glatz stehen die Schweißperlen auf der Stirn, der Geruch von Benzin steigt ihm in die Nase, die Spannung steigt.

Die Fahrer des Eschach Kobolde Racing Teams setzen große Hoffnungen in ihre grüne „Susi“: Jürgen Jäckle, Dominik Haag, Sven Schlegel und Florian Gibas (von links).
Die Fahrer des Eschach Kobolde Racing Teams setzen große Hoffnungen in ihre grüne „Susi“: Jürgen Jäckle, Dominik Haag, Sven Schlegel und Florian Gibas (von links). | Bild: Pohl

Wird das grüne Zweirad anspringen?

Dennis Glatz ist einer der beiden Mechaniker, der das Mofa des Eschach Kobolde Racing Teams für die 17 ¾ Stunden von Fischbach startklar machen soll. Die Fahrer stehen gespannt um die Maschine in einer Garage in Obereschach. Das siebenköpfige Team, das sich aus Mitgliedern des Fasnachtsvereins Eschach Kobolde zusammensetzt, will beim diesjährigen Mofarennen in Fischbach erstmals an den Start gehen. Opas Susi erstrahlt in einem kräftigen Grün, der Vereinsfarbe der Kobolde. „Den Namen trägt das Mofa schon seit sie vor etwa 25 Jahren von meinem Opa so getauft wurde“, erzählt Teamchef Florian Gibas die Geschichte des Zweirads. Auch wenn es sich seit Januar stark verändert hat.

„Wir haben in den vergangenen Monaten wöchentlich 30 bis 40 Stunden investiert, um an dem Mofa zu arbeiten“, sagt Gibas, dessen Idee es war, am wohl bekanntesten Mofarennen Süddeutschlands teilzunehmen. Bei den traditionellen 17 ¾ Stunden von Fischbach, bei denen der SÜDKURIER Medienpartner ist, gehen 50 Teams an den Start. Viel Herzblut, Leidenschaft und Arbeit haben die Mechaniker Dennis Glatz und Tino Schulz, aber auch die fünf Fahrer Florian Gibas, Sven Schlegel, Florian Seeliger, Dominik Haag und Jürgen Jäckle in das Fahrzeug gesteckt. „Wir haben einige Teile an dem Mofa ausgetauscht. Eine neue Lenkergabel, eine neue Bereifung, neue Stoßdämpfer und auch den Rahmen haben wir mit zusätzlich geschweißten Metallteilen verstärkt“, beschreibt Gibas die Arbeiten, die das Mofa geländetauglich machen sollen. Und das alles in Eigenarbeit. Die beiden Mechaniker sind die Spezialisten für den Motor.

Die monatelange Vorbereitung lässt sich in zwei Teile gliedern. Einerseits sind die technischen Arbeiten am Zweirad zu bewältigen, das Material müssen die Jungs beschaffen und all das ohne Sponsoren. „Wir haben vereinbart, dass alle anfallenden Kosten durch die fünf Fahrer geteilt werden“, sagt Teamchef Gibas. Andererseits steht dem Rennteam noch die Ablaufplanung am Rennwochenende bevor. „Wir kennen den planmäßigen Ablauf der Veranstaltung, was uns wirklich erwartet, weiß jedoch niemand von uns.“ Die Neulinge werden einen detaillierten Plan ausarbeiten, um ihre erste Teilnahme möglichst erfolgreich zu gestalten. Es muss geklärt werden, wann welcher Fahrer auf der Strecke ist und wann welcher Mechaniker in der Boxengasse einsatzbereit ist. „Jeweils ein Mechaniker wird sich dann das ein oder andere Stündchen Schlaf in der langen Nacht genehmigen.“

Der Name des Rennteams entstand aufgrund der Mitgliedschaft im Obereschacher Narrenverein. Allerdings hat dieser mit der Teilnahme an sich nichts zu tun. „Wir belasten durch das Mofarennen nicht die Vereinskasse“, sagt der Vorsitzende der Eschach Kobolde, Sven Schlegel. In erster Linie geht es den Jungs um den Spaß, dennoch haben sie einen Wunsch: „Das Mofa soll einfach die 17 ¾ Stunden durchhalten.“ Eine hohe Belastung für den Motor, der auf 50 Stundenkilometer gedrosselt werden muss. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass das Fahrzeug beinahe durchgängig am Limit gefahren wird. Außerdem ist die Belastung für das gesamte Fahrzeug auf der Rennstrecke enorm hoch. Der vielfältige Boden, zahlreiche Unebenheiten und nicht zuletzt das Gewicht der Fahrer, werden die Susi mächtig beanspruchen. „Wir Fahrer haben im Schnitt 90 Kilogramm Körpergewicht. Das wird ein Härtetest für das Gefährt“, verrät Gibas schmunzelnd.

Einen ersten Härtetest hat das Mofa schon hinter sich. Allerdings war die zweistündige Fahrt wenig erfolgreich. „Eine Dichtung erfüllte nicht ihren Zweck und somit hatten wir Öl im Motor. Das war schon ein Rückschlag, weil wir so das Mofa nochmals auseinanderbauen mussten und Ersatzteile nachbestellen“, schildert Gibas die Panne.

Nach wenigen Umdrehungen des Schraubenziehers sind der Sportluftfilter und der neue Vergaser wieder festgezogen. Das Benzin gluckert aus dem Kanister und fließt in den grünen Tankblock hinter dem Lenker. Mit drei, vier Hammerschlägen ist das Pedal befestigt. Wird das Mofa jetzt wieder anspringen? Diesmal stehen nicht nur Dennis Glatz die Schweißperlen auf der Stirn. Das gesamte Team fiebert mit, als das Mofa auf dem Hof steht. Im ersten Versuch bekommt Glatz das Mofa nicht zum Laufen. Tino Schulz kurbelt von Hand am Starterpedal. Die Erwartungen sind groß, die Jungs jedoch enttäuscht. Die Susi will noch nicht. „Es fehlt noch die Feinabstimmung“, begründet Mechaniker Dennis Glatz das Ausbleiben des Motorgeräusches. Bis zum Start am 8. September bleiben dem Rennteam noch etwa vier Wochen, um Opas Mofa fahrtüchtig zu machen. Doch allen ist bewusst, dass die Susi nicht bis zum letzten Tag zicken darf. „Wir müssen alle schon mit ihr gefahren sein, damit keiner von uns beim Rennen stürzt“, sagt Gibas.

Jedes noch so kleine Teilchen wird von Mechaniker Dennis Glatz (Mitte) und seinen Fahrern Sven Schlegel (links) und Jürgen Jäckle genau unter die Lupe genommen.
Jedes noch so kleine Teilchen wird von Mechaniker Dennis Glatz (Mitte) und seinen Fahrern Sven Schlegel (links) und Jürgen Jäckle genau unter die Lupe genommen.
Tino Schulz (hinten) und Dennis Glatz tüfteln am Rennmofa der Eschach Kobolde.
Tino Schulz (hinten) und Dennis Glatz tüfteln am Rennmofa der Eschach Kobolde.

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