Löffingen Schwierige Stadtrallye durch Löffingen mit Handicap

Barrierefreies Löffingen auf dem Prüfstand. Jugendliche für Thema Inklusion sensibilisiert.

Wie Menschen mit Handicap den Alltag in der Stadt erleben, konnten junge Löffinger beim Ferienprogramm mit Jugendreferentin Stephanie Gutenkunst bei einer Stadtrallye erleben. Erst kurz zuvor hatte die Inklusionsbeauftragte Annette Scherzinger die Bevölkerung zu einem Rundgang eingeladen, um Schwachstellen im Städtle zu entdecken, nun galt es die Jugend zu sensibilisieren.

Mit Rollstühlen, Rollatoren vom Altenpflegeheim und Sehbehindertenbrillen ging es auf Tour. Es waren vier Mädchen, welche sich dieser Aufgabe stellten. Welche Sehbeeinträchtigung beim grauen oder grünen Star oder der Makula-Degeneration bestehen, zeigten entsprechende Brillen. Um Sarah (14), Rahel, Celine und Simay (alle elf Jahre) noch besser die Alltagsprobleme der Behinderten aufzuzeigen, hatte Annette Scherzinger einen Aufgabenzettel zusammengestellt, den es galt abzuarbeiten. Doch zuvor hatte Jugendreferentin Stefanie Gutenkunst noch mahnende Worte, die Rallye oder das Fahren mit dem Rollstuhl nicht als reinen Spaßfaktor zu sehen, sondern mit Respekt die Aufgaben zu bewältigen. „Schaut mal, wie es sich anfühlt, auf Hilfe angewiesen zu sein“. Dann ging es los und schon zeigten sich die nicht abgesenkten Bordsteine, die Regenrinnen oder das Pflaster als Schwierigkeiten. „Alleine ginge das nicht, da braucht man Hilfe“, da waren sich die Mädels einig, aber auch die Tatsache, Fremde um Hilfe zu bitten, sei gar nicht so einfach, so die schnelle Erkenntnis.

Schon bei den Erwachsenen war der Briefkasten an der Post aufgefallen. Falls hier ein Fahrzeug parkt, sei die Lücke zu klein an den Briefkasten zu kommen. Auch die Polizei ist nicht barrierefrei erreichbar, dies gilt übrigens auch für viele andere Institutionen. Bei der Apotheke geht es nur über eine Rampe des Nebeneingangs hinein, um dort die Apothekenzeitung zu holen. Eine Treppenstufe erfordert auch hier fremde Hilfe. Die Menschen mit Sehbehinderung brauchen hier ebenfalls fremde Hilfe, um das richtige Heft zu finden. Die Aufgabe, bei den beiden Bankinstituten Überweisungsträger zu besorgen und sich über ein Girokonto zu erkundigen, geht über die Rampen eigentlich gut, zumal hier auch automatische Türöffner sehr hilfreich sind. Allerdings bedarf es für weitere Informationen auch Unterstützung vom Personal, dies gilt auch für das Holen der Kontoauszüge, obwohl dies überhaupt nicht gefragt wurde.

Weiter ging es ins Schreibwarengeschäft, über die Rampe klappt es sehr gut, doch die Türe zu öffnen oder als Sehschwacher den Preis zu entziffern, ist echt problematisch. Zum Bahnhof gerollt, um dann beim Fahrkartenautomat eine Verbindung nach Berlin herauszusuchen – ob es klappen würde? Keine Ahnung, denn der Automat ist (wieder einmal) defekt. Eine Fahrkarte zu kaufen, wäre überhaupt nicht möglich. Mit dem Zug zu fahren oder in den Bus nach Reiselfingen zu kommen, ist auch nur mit fremder Hilfe möglich. „Man glaubt es gar nicht, dass es so viele Hürden in Löffingen gibt“, erklärten die Mädchen, die froh sind, nicht auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Auf jeden Fall werden sie in Zukunft mit andern Augen durch Löffingen gehen und schauen, ob sie jemanden helfen können.

Inklusion

In Deutschland gibt es über zehn Millionen Menschen mit Behinderung, informiert die Löffinger Inklusionsbeauftragte Anette Scherzinger. Dazu gehören körperlich- und geistigbehinderte Menschen, aber auch Blinde, Gehörlose und ältere Menschen, die auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind. Inklusion ist deshalb eine wichtige Aufgabe, Inklusion ist ein Menschenrecht, so Anette Scherzinger. Deshalb versucht man in Löffingen Barrieren abzubauen und Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. (pb)

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