Löffingen Pläne für einen Stolperstein in Löffingen

Der Historiker Jörg Waßmer stellt einen Antrag auf einen Stolperstein bei der Stadt Löffingen. Der Forscher erinnert damit an das Löffinger KZ-Opfer Kilian Götz.

In Löffingen könnte es bald etwas geben, was in der Region noch Seltenheitswert hat. Den ersten Löffinger Stolperstein als Erinnerung an den Löffinger Kilian Götz, der vor 75 Jahren im Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg ermordet wurde.

Der Historiker Jörg Waßmer (40) überraschte die Zuhörer bei seinem Vortrag über das Leben des gebürtigen Löffinger Kilian Götz mit seiner Bitte, mit einem Stolperstein vor dem Geburtshaus an das Unrecht zu erinnern. Er werde diesbezüglich einen Antrag an die Stadt stellen, einen solchen Stolperstein an der Vorstadtstraße Nummer 9 anzubringen. Gleichzeitig appellierte er an die Zuhörer, die Spendenbox für den Stolperstein zu füllen, um damit die Kosten von 120 Euro zu übernehmen. Das Schicksal und die Ermordung von Kilian Götz ließen die Besucher nicht ungerührt und so kamen 224,70 Euro zusammen. Das restliche Geld wird Jörg Waßmer an die Gedenkstätte Neuengamme spenden.

Bürgermeister Tobias Link erklärte auf Nachfrage: „Natürlich ist Kilian Götz kein leuchtendes Vorbild gewesen. Trotzdem ein Opfer der Nazi-Gewalt. Ich kann mir daher einen Stolperstein vorstellen, als Erinnerung und Mahnung an uns.“

 

 

Löffingen war der Geburtsort von Kilian Götz und auch seine Heimat, wie er in seinem Brief kurz vor seiner Ermordung noch verdeutlichte. Am 2. Juli 1897 kam Kilian Götz laut Waßmer in Löffingen in der Vorstadtstraße auf die Welt. Die Mutter war die ledige 24-jährige Dienstmagd Sophie Götz, die in Göschweiler in Stellung war. Geboren wurde er bei seinen Großeltern in der Vorstadtstraße. In seinem Taufbuch notierte der damalige Stadtpfarrer das er „illegitim“ (unehelich) geboren sei. Ein Stigma, das ihm ein Leben lang anhaftete. Kilian Götz wuchs bei seinen Großeltern Bernhard und Monika Götz auf. Als er drei Jahre alt war, verheiratete sich seine Mutter mit dem 20 Jahre älteren Straßenwart Johann Baptist Beck aus Seppenhofen, er brachte 17 Kinder mit in die Ehe, hinzu kamen nochmals sechs gemeinsame Kinder. Kilian Götz blieb bei den Großeltern. "Seine Kindheit und Jugend war wohl sehr schwieriger wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, der Großvater hatte Alkoholprobleme und Zuhause sei er immer verstoßen und Geschwister stets bevorzugt worden", so Waßmer. Mit sieben Jahren wurde er in den Ferien als Viehhirte in den Schwarzwald geschickt. Mit 14 Jahren begann er eine Lehre im Metzgerhandwerk im Bahnhofshotel Lenzkirch.

Hier an der Vorstadtstraße in Löffingen wuchs Kilian Götz bei seinen Großeltern auf. Hier könnte der erste Löffinger Stolperstein verlegt werden.
Hier an der Vorstadtstraße in Löffingen wuchs Kilian Götz bei seinen Großeltern auf. Hier könnte der erste Löffinger Stolperstein verlegt werden. | Bild: Silvia Bächle

Nach dem Ersten Weltkrieg, hier wurde er schwer verwundet, hatte er große Schwierigkeiten ins bürgerliche Leben zurück zu finden. Seine erste Straftat beging er in Döggingen, viele weitere Kleinkriminelle Delikte folgten. Er saß über fünf Jahre im Gefängnis, über fünf Jahre im Zuchthaus, zwei Jahre im Arbeitshaus, neun Tage im Konzentrationslager. Kilian Götz war mehr als zwölf Jahre gefangen. "Doch er war kein Schwerverbrecher, ein Großteil seiner Vergehen waren aus der Armut heraus begründet", sagt Waßmer.

1923 heiratet Kilian Götz Rosa Mägerle aus Memmingen, 1924 kam die Tochter Frieda Maria zur Welt, sie wohnten in Freiburg. Die Tochter befand sich bei der Mutter in Seppenhofen, die sich weigerte, die Enkeltochter wieder zurückzugeben. Das Bezirksjugendamt in Neustadt entzog den Eltern das Sorgerecht über die kleine Frieda Marie. Die Ehe wurde später geschieden. 1943 gab es eine neue Liebe, es war die in Scheidung lebende Theresia Regelmann, 1934 kam die Tochter Theresia zur Welt, mit drei Jahren ins Kinderheim, da sowohl Kilian als auch die Mutter ins Gefängnis kamen. Auch diese Partnerschaft zerrüttete.

 

Tod im KZ

Kleinkriminelle wie Kilian Götz wurden im Dritten Reich nach dem Gesetz als gefährlicher Gewohnheitsverbrecher eingestuft mit obligatorischer Sicherheitsverwahrung. An ihm wurde eine „exemplarische Bestrafung“ angeordnet. Am 6. Dezember 1942 wurde er aus dem Strafgefangenen-Lager Börgermoor als Häftling ins Konzentrations-Lager Neuengamme verschleppt. Am 15. Januar 1943 morgens um 9 Uhr war er tot. "Auch wenn die offizielle Todesursache 'Versagen von Herz und Kreislauf bei Nierenentzündung' lautet, gibt es keinen Zweifel, es war Mord", so Jörg Waßmer. Wie er umkam, ist nicht bekannt. Der Nachlass war ein blutverschmiertes Hemd. (pb)

 

Zahlen und Fakten rund um Stolpersteine

In Löffingen soll auf Anregung des aus Löffingen stammenden Historikers Jörg Waßmer ein Stolperstein an Kilian Götz erinnern.

  • Stolpersteine: Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, die an das Schicksal der ermordeten, verfolgten deportierten, vertriebenen oder in den Selbstmord getriebenen Menschen in Nationalsozialismus erinnern sollen. Die zehn mal zehn Zentimeter großen quadratischen Messingplatten sind Gedenksteine mit Daten der Opfer wie der Wohn- oder Geburtsort. Im Juli 2017 gaben es in Deutschland und 21 europäischen Länder rund 61 000 Stolpersteine. Im Oktober vergangenen Jahres wurden die ersten Stolpersteine außerhalb Europas, in Buenos Aires, verlegt. Es sind Erinnerungen für Kinder, die zwischen 1933 und 1945 aus Europa fliehen mussten. Auch in der Region gibt es Stolpersteine, aber auch konträre Meinungen dazu.
  • Freiburg: Die ersten Stolpersteine wurden am 22. Oktober 2002 an der Goethestraße in Freiburg verlegt. Hier wohnte bis zu seiner Deportation 1940 der Nationalökonom Robert Liefmann mit seiner Schwester.
  • Donaueschingen: In Donaueschingen kam der Vorstoß 2012 aus dem Rathaus, einen Stolperstein in Erinnerung an Dagobert Guggenheim vor seinem früheren Haus einzulassen. Doch es gab hierzu auch kritische Stimmen, da diese Zeit noch zu wenig aufgearbeitet wurde. Nun hat Donaueschingen mit einer Gedenktafel an die Vertriebenen gedacht.
  • Villingen-Schwenningen: In der Doppelstadt Villingen-Schwenningen legte der Gemeinderat ein Veto ein, mit Stolpersteinen an die Opfer der nationalistischen Gewaltherrschaft zu erinnern.
  • Löffingen: Hier soll mit dem Stolperstein an den einzigen im Konzentrationslager ermordeten Bürger Kilian Götz erinnert werden. Auch wenn Götz keine Persönlichkeit, kein Held oder gar Vorzeigebürger war, habe auch er das Recht an Erinnerung ganz nach dem Grundgesetz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. "Es ist Zeit an den Menschen Kilian Götz sich wieder zu erinnern", so Jörg Waßmer. Die Bronzetafel könnte beschriftet werden mit „Hier wurde geboren Kilian Götz – Jahrgang 1897 – Sicherungsverwahrung – Deportiert 6.1.43 – KZ Neuengamme – Ermordet 15.1.43“. Der Stolperstein sollte vor seinem Geburtshaus Vorstadtstraße 9 angebracht werden. Hier wurde er geboren und wuchs bis zu seinem 14. Lebensjahr auf.

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