Königsfeld Eine Chance im Kampf gegen Funkmasten

Ein möglicher neuer Mobilfunkmast macht den Bürgern Sorgen – viele Königsfelder waren daher zu einem Vortrag über das Thema gekommen.

Das Thema Mobilfunk und Strahlenbelastung treibt die Königsfelder um. Zu einem Vortrag über das Thema mit dem Vorstandsvorsitzenden von Diagnose-Funk, Jörn Gutbier, kamen am Donnerstag rund 80 Besucher ins Gasthaus "Kreuz" in Neuhausen. Ziel des Vortrags war nach Auskunft von Initiatorin Stefanie Richter, die Verbraucher über die Gefahren durch elektromagnetische Felder zu sensibilisieren und aufzuklären. Anlass dazu gebe die Deutsche Telekom, die in der Gemeinde neue Mobilfunk-Sendemasten aufstellen wolle. Die Kommune könne aber dagegen etwas tun, sagte Richter.

Neue Standort-Suche

Das Vorhaben der Telekom war im November vergangenen Jahres in den Ortschaftsräten Neuhausen und Erdmannsweiler beraten worden und hatte in den Sitzungen für Unmut bei den Bürgern gesorgt. Weil die Gemeinde mit den Standort-Vorschlägen der Telekom nicht einverstanden war, hat sie einen unabhängigen Gutachter vom TÜV-Süd beauftragt, nach geeigneten alternativen Standorten zu suchen. Dessen Ergebnisse sollen am 15. Februar im Rathaus Königsfeld an einem runden Tisch mit Vertretern der Fraktionen, Diagnose-Funk, Verwaltung, BUND und Telekom diskutiert werden.

Jörn Gutbier stützte sich in seinem Vortrag in Neuhausen auf zahlreiche wissenschaftlich hinterlegte Studien, wonach die von der Bundes-Immissionsschutzverordnung festgelegten Grenzwerte der Strahlenbelastung durch Mobilfunk deutlich zu hoch sind. Erkenntnisse und Warnungen würden ständig ignoriert.

Nahezu alle wissenschaftlichen Organisationen, die mit dem Strahlenschutz befasst seien, würden von der Industrie mit Hilfe von Wissenschaftlern kontrolliert. Wer bei dieser Sachlage immer noch annehme, seine Gesundheit sei beim staatlichen Strahlenschutz in guten Händen, dem sei nicht mehr zu helfen, zitierte der Experte Professor Dariusz Leszczynski.

Lösungsansätze sah Gutbier in der Minimierung der Strahlenbelastung durch aktive Standortplanung, Aufklärung der Bevölkerung über Endgeräte, strengen Regeln für Funk an Schulen und der Entwicklung neuer Technologien. Es sei möglich, statt mehr als ein Dutzend paralleler Mobilfunknetze ein Netz für alle Anwendungen zu verwenden.

Im Fall von Königsfeld war sich der Redner sicher, dass es zur Verbesserung von mobilen Sprach- und Breitbanddiensten keine neuen Sendemasten brauche. Es sei möglich, den vorhandenen Sendemast in Fischbach zu erhöhen und aufzurüsten. Ein Zuhörer wollte wissen, welche Verpflichtung die Gemeinde hat, den Mobilfunk zu befürworten. Die Kommune, so Gutbier, müsse zulassen, dass der Betreiber seinem Geschäft nachgehen könne. Deshalb müsse sie ihm einen Standort anbieten und im Dialog bleiben. Als Standort-Vermieter stehe die Gemeinde allerdings in der Haftung. Sie könne einen Vertrag mit dem Betreiber abschließen und darin die Haftung übertragen. Das werde natürlich kein Betreiber unterschreiben. Aber dann habe sich die Gemeinde dem Betreiber nicht verschlossen, verriet Gutbier seine Strategie.

 

Emotionen kochen hoch

Das Thema Mobilfunksendemasten hat in Königsfeld vor circa zehn Jahren für große Aufregung gesorgt. Damals hatte der Betreiber E-Plus mit einer Privatperson in Erdmannsweiler einen Vertrag abgeschlossen und auf dessen Gebäude einen Sendemast installiert. Mit viel Verhandlungsgeschick war es der Gemeinde gelungen, dass E-Plus den Vertrag vorzeitig auflöste. Der Betreiber hat dann davon abgesehen, an anderer Stelle einen Sendemast aufzustellen. Als im November vergangenen Jahres die Verwaltung die Bürger über das Vorhaben der Telekom im Gemeindeblatt informierte, kochten die Emotionen wieder hoch. Vor allem deshalb, weil die Standortwahl der Telekom in unmittelbarer Nähe eines Kindergartens fiel. (log)

 

 

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