Immendingen Daimler startet in Immendingen mit vier Teststrecken

Immendingen ist jetzt ein innovativer High-Tech-Standort. Fahrassistenzsysteme werden auf Bertha-Fläche vorgestellt.

Mit einem Bergfest hat Daimler am Donnerstag die Teil-Inbetriebnahme seines Prüf- und Technologiezentrums Immendingen gefeiert. Vier Teststrecken, darunter die 100 000 Quadratmeter große "Bertha-Fläche" für Tests von autonomem Fahren, sind ab sofort neu in Betrieb. Etliche weitere werden hinzukommen, bis das 200-Millionen-Euro-Projekt Ende 2018 fertiggestellt ist.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt könne Immendingen sich "High-Tech-Standort" nennen, betonte Ola Källenius, Vorstandsmitglied der Daimler AG für den Bereich Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung, bei einer Feier vor Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kommunen. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut unterstrich die Bedeutung des Prüfzentrums für Baden-Württemberg.

  • Vier Module in Betrieb: Der Festakt ging der Vorführung der vier neuen Prüfmodule voraus, die seit Donnerstag in Betrieb sind. Bei den neuen Teststrecken handelt es sich um das "Stadtquartier" zum Simulieren von Stadtfahrten, den "Albdauerlaufkurs" mit kurvenreichen Steigungs- und Gefällstrecken, das "4x4 Modul" mit unbefestigten Wegen zur Erprobung von Allrad- und Geländefahrzeugen sowie als markantestes Modul die "Bertha-Fläche" für Tests kollisionsvermeidender Fahrassistenzsysteme und fahrerloser Fahrzeuge. Bereits seit 2015 ist das als erste der Daimler-Teststrecken das Schlechtwegeverschmutzungsmodul in Betrieb.
  • Mobilität der Zukunft: "Mit der Einweihung der vier neuen Module hat Daimler einen wichtigen Schritt in Richtung Mobilität der Zukunft gemacht," sagte Daimler-Vorstand Ola Källenius beim Festakt in der Kantine des Prüfzentrums. Er ging auf die bisherige Baugeschichte des Projekts ein und dankte allen, die bei der Verwirklichung mitgezogen haben, darunter dem Landratsamt Tuttlingen und Landrat Bär für die zügige Genehmigung, der Gemeinde Immendingen und Bürgermeister Markus Hugger sowie der Stadt Geisingen und Bürgermeister Walter Hengstler, beide durch die Bürgermeister-Stellvertreter Harald Jochum und Paul Haug vertreten. 100 Mitarbeiter hätten im Prüfzentrum bereits ihre Tätigkeit aufgenommen, mindestens 300 seien es Ende 2018, so Källenius.
    Testfahrt übers Prüfmodul: Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Daimler-Vorstand Ola Källenius erkunden im Testfahrzeug die Bertha-Fläche.
    Testfahrt übers Prüfmodul: Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Daimler-Vorstand Ola Källenius erkunden im Testfahrzeug die Bertha-Fläche.
  • Prüfstrecken statt Straße: Der effizienten Erprobung von Fahrzeugen, die bis zu 80 Prozent weg von den Straßen und ins Prüfzentrum Immendingen verlagert werde, komme wachsende Bedeutung zu, sagte Källenius. Die Mercedes-Benz Baureihen nähmen von heute 35 bis 2020 auf 40 zu. "Wir erproben hier nicht nur künftige Assistenzsysteme und autonome Fahrfunktionen, sondern auch unsere Elektrofahrzeuge der Produkt- und Technologiemarke EQ", so der Daimlervorstand. Assistenzsysteme würden immer besser und könnten wesentlich mehr als sie dürften. Gleiches gelte für autonome Wagen, die schon in wenigen Jahren zum Beispiel als "Robo-Taxis" auf den Straßen fahren werden.
  • Standortbekenntnis zum Land: "Mit Blick auf die künftigen Anforderungen durch die Elektromobilität und die Digitalisierung sind leistungsfähige Prüf- und Technologiezentren für Autohersteller heute bedeutender denn je," meinte Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. Die Politikerin lobte die Entscheidung von Daimler, sich beim Standort für das Prüfzentrum klar zu Baden-Württemberg zu bekennen.

Wissenswertes zu Prüfmodulen und Teststrecken

Im Daimler-Prüf- und Technologiezentrum Immendingen werden derzeit folgende Prüfmodule und Teststrecken gebaut oder sind bereits realisiert:

  • Beleuchtungsstrecke: Dient für Testfahrten zur Entwicklung intelligenter Lichtsysteme.
  • Bertha-Fläche: Erproben hochautomatisierter Fahrzeuge und Entwicklung von kollisions-vermeidenden Fahrassistenzsystemen und fahrerlosen Wagen.
  • Geräuschmess-Strecke: Tests der Fahrgeräusche der neusten Mercedes-Modelle und Ermitteln von Schallpegeln beim Vorbeifahren.
  • Albdauerlauf: Steile Aufstiege bilden verschiedene Straßenprofile der Schwäbischen Alb nach, so dass Testfahrten von öffentlichen Straßen darauf verlegt werden können.
  • Stadtdauerlauf: Simuliert Stadtverkehr mit Kreuzungen, Einmündungen und Parkplätzen für Tests des teilautonomen und autonomen Fahrens.
  • Handlingkurs: Strecke mit Kurven und Höhenunterschieden für die Simulation hoher Längs- und Querbeschleunigungen zur Beurteilung von Reifeneigenschaften und Lenkverhalten.
  • Ovalrundkurs: 16 Meter breites Kernstück des Prüfzentrums mit Kurvenüberhöhungen. Hier werden auf "unendlicher Gerade" Autobahnfahrten simuliert und es gibt eine Bewässerung zur Ermittlung der Dauerhaltbarkeit.
  • Messgerade: Beurteilung von Fahreigenschaften beim Beschleunigen und Ausrollen sowie Tests von Bremsprogrammen. Durch Ventilatoren werden Seitenwindassistenzsysteme getestet.
  • Fahrdynamikfläche: Kreisrunde asphaltierte Fläche zum Test des Fahrzeugverhaltens bei Lenkreaktionen, Unter- oder Übersteuern sowie zur Entwicklung des Fahrwerks und der Sicherheitssysteme.
  • Schlechtwege-Verschmutzungsmodul: Kurvenreicher, feldwegähnlicher Rundkurs für Alltagstests von Fahrzeugen, die Verschmutzung, Steinschlag, Hitze, Kälte, Nässe oder Salz ausgesetzt werden
  • Technologiezentrum: Entsteht in ehemaliger Kaserne durch Umnutzung einstiger Technikanlagen der Bundeswehr zur neuen Zentralwerkstatt, Neubau eines großen Bürokomplexes, eines Kommunikations- und Besucherzentrums und Nutzung weiterer Gebäude wie der Kantine.

Jutta Freudig

Videos von der Eröffnung


Die Fahrvorführungen auf der neuen Bertha-Testfläche auf dem Daimler Prüf- und Technologiezentrum in Immendingen können Sie sich im folgenden Video anschauen.

Die wichtigsten Szenen der Eröffnungsreden von Ola Källenius, Vorstandsmitglied der Daimler AG und Nicole Hoffmeister-Kraut, Landesministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau haben wir für Sie im folgenden Videobeitrag zusammengefasst.

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