Immendingen Daimler-Effekte bringen Immendingen den Neuaufbruch

Aus Garnisons- wird ein neuer Wirtschaftsstandort. Was Daimler-Ansiedlung für Immendingen bewirkt.

2018 werden die Prüfmodule und Teststrecken des Daimler Prüf- und Technologiezentrums fertiggestellt und mit der Inbetriebnahme des größten aller Projekte in Immendingen Geschichte geschrieben. 200 Millionen Euro wurden und werden auf dem gigantischen über 500 Hektar großen Gelände mitten im Herzen der Gemarkung der Donaugemeinde und ihrer Ortsteile investiert. Über 300 Arbeitsplätze entstehen. Für Immendingen begann vor sieben Jahren der Neuaufbruch, dessen Auswirkungen nach wie vor zu spüren sind und sich sicherlich auch in Zukunft noch weiterentwickeln. Kein anderes Projekt prägt die Gemeinde seit Ende 2011 so sehr wie das Daimler-Prüfzentrum.

  • Bundeswehr: Im Mai 2011 haben die französischen Soldaten Immendingen verlassen, im Oktober des gleichen Jahres fasste der Gemeinderat vor 700 Zuhöreren den Beschluss, den damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière zu bitten, die Kaserne zu schließen, damit Daimler das Prüfzentrum bauen kann. De Maizières Einwilligung setzte den Schlusspunkt hinter über fünf Jahrzehnte Geschichte als Garnisonsort. Im März 2016 verließen auch die Soldaten des Artilleriebataillons 295 die Gemeinde und machten den Weg frei zum Wandel in einen Wirtschaftsstandort.
  • Wirtschaft: In der Folge entwickelte sich die Immendinger Wirtschaft bereits vor der Realisierung des Großprojekts sehr positiv. Traditionelle heimische Unternehmen expandierten, lagerten aus und bauten aus. Auswärtige Betriebe kamen und kommen weiterhin neu hinzu. Unter den neuen Firmen sind sowohl Zulieferer für Daimler als auch Unternehmen anderer Branchen, wie beispielsweise Medizintechnik oder Drehteile. Den Branchenmix hat die Gemeinde bewusst angestrebt.
  • Gewerbegebiete: Für die einheimischen, wie für hinzukommende Interessenten erschloss die Gemeinde in der Folge neue Gewerbe- und Industriegebiete: Im Bereich "Am Freizeitzentrum" entstanden neue Gewerbeflächen, ebenso wächst der Gewerbepark "Impuls" nahe der Donau. Größtes neues Industrie- und Gewerbeareal ist das Gebiet "Donau-Hegau" gegenüber dem Daimler-Prüfzentrum, dessen nächster Bauabschnitt 2018 für 340 000 Euro erschlossen wird, das es bereits weitere ansiedlungswillige Firmen gibt.
  • Wohngebiete: Gestiegen ist das Interesse an Wohnungen und an Bauland. Am deutlichsten sichtbar wurde das in den letzten Jahren im Bereich "Am Freizeitzentrum" zwischen Immendingen und Zimmern. Dort hat die Gemeinde ein Baugebiet bereitgestellt, das innerhalb kurzer Zeit schon in großen Teilen bebaut ist. Aber auch für die Zukunft wird projektiert, da einmal zwischen Mettenberg und Weisenbach das nächste Baugebiet "Hinterwieden" entstehen soll, und die Ortsteile erhalten ebenfalls Bauflächen.
  • Einzelhandel: In Immendingen haben sich in den letzten Jahren neue Geschäfte niedergelassen, die nun ein Zentrum des Einzelhandels bilden, wo sich einst die Sport- und Freizeitanlagen befanden. Einige wären ohne Daimler vermutlich nicht gekommen. Nach Lidl, der zuvor schon angesiedelt war, folgten Edeka, der Drogeriemarkt dm und nun der Modemarkt Takko.
  • Hotels: In Zusammenarbeit mit Daimler ist es gelungen, das Projekt Boardinghouse an der Bundesstraße 311 zwischen Immendingen und Zimmern an den Start zu bringen. 96 appartement-ähnliche Zimmer sollen im Gebiet "Am Freizeitzentrum" entstehen. Baubeginn für das Boardinghouse ist 2018. Ein weiteres innerörtliches Hotel ist bereits im Bahnhofsareal projektiert, das komplett neu gestaltet werden soll.
  • Einwohner: Die Einwohnerzahl Immendingens ist in den letzten Jahren anders als in den meisten Kreis- und ländlichen Orten angestiegen. Viele junge Familien zogen in die Gemeinde. Von rund 6000 im Jahr 2013 wuchs die Zahl der Immendinger Bürger auf aktuell etwa 6400.
  • Bildung: Durch die steigende Einwohnerzahl nahm auch der Bedarf an Kindergartenplätzen zu und die Schülerzahlen in der Grundschule und der Reischach-Realschule mit Werkrealschule wuchsen. Eine komplette Erneuerung des Schulzentrums für rund 25 Millionen Euro in den kommenden Jahren steht nun auf der Agenda der Gemeinde, die für die Kinder und Jugendlichen insgesamt vier Schulen bietet.
  • Kultur: Mit Unterstützung von Daimler wurde für das "Untere Schloss" eine Museumskonzeption erstellt. Sie sieht unter anderem die Auslagerung des Heimatmuseums in das historische Gebäude vor. Eine Ausstellung mit heimatlichen Fossilien in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Naturkundemuseum Karlsruhe zählt ebenfalls zum Konzept des künftigen Museums.
  • Sportzentrum: Nutznießer der Übernahme der Kaserne durch Daimler sind auch die Sportvereine. Die Gemeinde hat vom Autobauer das einstige Sportzentrum der Bundeswehr mit großer Sporthalle, Sportplatz und Leichtathletikbahnen erworben. Das komplette Sportzentrum wurde mit großem Aufwand autark vom Prüfzentrum gestaltet, durch eine neue Tennisanlage ergänzt und im Sommer 2017 bezogen. Unter anderem trainieren im neuen Sportpark Talmannsberg nun der Sportverein TuS 1920 Immendingen, der Tennisclub, der Turnverein und der Hattinger Sportverein.
  • Umgehung: Die Ansiedlung des Prüfzentrums und die angestrebte, direkte, ortsdurchfahrtfreie Zufahrt zu Daimler könnte den Weg frei machen für eine raschere Verwirklichung der Umgehung der Bundesstraße 311, die mittlerweile immerhin im vordringlichen Bedarf ist. Eine Entscheidung über die Bereitstellung der nötigen Planungsmittel für die Ortsumgehung muss beim Land Baden-Württemberg noch gefällt werden.

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