Mundelfingen Alte Schmiede in Mundelfingen wird zum Schmuckstück

Neuer Glanz in alter Hütte: SÜDKURIER-Serie. Joachim Kaltenbrunner baut sein Elternhaus um. Förderung gibt's dabei für Wärmedämmung und regenerative Heizung

Ein richtig altes Haus umzubauen, ist immer eine große Herausforderung: Bernadette und Joachim Kaltenbrunner haben das Elternhaus von Joachim, die ehemalige Schmiede in Mundelfingen, vom Erdboden bis zum Speicher umgekrempelt und dabei zahlreiche bauliche sowie behördliche Hürden gemeistert – und sie haben es nicht bereut.

Nach jetzt fünf Jahren, in den immer noch nicht ganz fertigen eigenen vier Wänden, zieht die inzwischen fünfköpfige Familie eine positive Bilanz. "Wir sind mit dem, was rausgekommen ist sehr zufrieden", so der engagierte Bauherr, der als Gebäudesystemtechniker im Umweltbüro des Gemeindeverwaltungsverbandes in Donaueschingen arbeitet. "Ein altes Haus hat einen gewissen Reiz und Charme", ergänzt die auch noch im hochschwangeren Zustand mit anpackende Bauherrin, gebürtige Seppenhoferin und Erzieherin im Hüfinger Kindergarten. "Und unsere Kinder fühlen sich auch wohl", so die beiden unisono.

In ihrem neuen Wohnzimmer fühlen sich Bernadette und Joachim Kaltenbrunner sowie der fünfjährige Simon wohl. Die moderneTreppe führt in den Dachstuhl, der noch ausgebaut wird. Bild: Jürgen Müller
In ihrem neuen Wohnzimmer fühlen sich Bernadette und Joachim Kaltenbrunner sowie der fünfjährige Simon wohl. Die moderneTreppe führt in den Dachstuhl, der noch ausgebaut wird. Bild: Jürgen Müller | Bild: Jürgen Müller

Opa und Schmiedemeister Rudolf Kaltenbrunner hat das Haus hinter dem heutigen "Hirschen" mitten in Mundelfingen direkt neben seinem Elternhaus 1929 errichtet – natürlich mit einer großen Werkstatt im Mittelpunkt. 1975 übernahmen der Sohn und Schreinermeister Erwin Kaltenbrunner und seine Frau Elisabeth, die Eltern von Joachim, das Gebäude und aus der Schmiede wurde eine Schreinerei. "Es war auch lange Jahre ein Fahrradgeschäft und Laden für Feuerwehrbedarf", ergänzt der heutige Kommandant der Mundelfinger Feuerwehr, Joachim Kaltenbrunner, der sich dadurch den Virus schon früh eingefangen hat.

Nach einigen baulichen Veränderungen durch die Eltern hat Joachim Kaltenbrunner als jüngster von sieben Kindern die alte Schmiede 2008 übernommen und bereits ein Jahr später mit der Komplett-Sanierung begonnen. "Wir hätten nicht länger warten dürfen, da die vorhandene Bausubstanz ohne richtigen Verputz im Laufe der Jahre arg gelitten hat", erklärt der Bauherr.

Mit wärmegedämmter Fassade und Dach, dreifachverglasten Fenstern und einer neuen Eingangstür glänzt die alte Schmiede nun in neuem Glanz. Bild: Jürgen Müller
Mit wärmegedämmter Fassade und Dach, dreifachverglasten Fenstern und einer neuen Eingangstür glänzt die alte Schmiede nun in neuem Glanz. Bild: Jürgen Müller | Bild: Jürgen Müller

Vorausschauend und Stück für Stück arbeitete sich die junge Familie in Richtung Einzug. "Wir mussten viele Kleinigkeiten berücksichtigen, vieles musste gleichzeitig angepackt werden und immer wieder gab es Überraschungen", so Bernadette Kaltenbrunner. Eine Herausforderung war, dass die Eltern im Haus wohnten, wobei der Vater während der Umbauphase leider verstorben ist. "So haben wir im Erdgeschoss eine Wohnung für meine Eltern eingerichtet und gleichzeitig mit den umfangreichen Arbeiten an unserer neuen Heimat im ersten Stock begonnen", erklärt Joachim Kaltenbrunner.

Ein Teil der Schmiede wurde mit großem Aufwand der unteren Wohnung zugeschlagen. "Der gestampfte Boden musste 50 Zentimeter ausgebaggert, isoliert und betoniert werden." Wenig später wurde das riesige Dach bis auf die Sparren abgerissen, mit einer Aufsparrendämmung versehen und neu eingedeckt. Im nächsten Schritt wurden alle Fenster ausgewechselt. "Vor allem in der Abbruchphase habe ich die untere Wohnung jeden Tag putzen müssen, damit sie überhaupt bewohnbar war", erinnert sich die Bauherrin.

So war die Werkstatt der alten Schmiede in Mundelfingen nach der Erstellung 1929 eingerichtet. Später war im Erdgeschoss die Schreinerei des Vaters untergebracht. Bild: privat
So war die Werkstatt der alten Schmiede in Mundelfingen nach der Erstellung 1929 eingerichtet. Später war im Erdgeschoss die Schreinerei des Vaters untergebracht. Bild: privat | Bild: Jürgen Müller

Die ganze Familie, die Handwerker und viele fleißige Helfer aus Verwandschaft und Freundeskreis haben letztlich dafür gesorgt, dass die Engessers im Mai 2012 endlich in ihre rund 120 Quadratmeter große Wohnung einziehen konnten – vier Wochen bevor das zweite Kind Simon auf die Welt kam. "Ich habe im hochschwangeren Zustand noch mit meinem Vater die Sockelleisten gesetzt."

Zu einer mehrmonatigen baulichen Verzögerung hat der Antrag auf Landesfördermittel zur Baulückenschließung geführt. "Wir waren 2009 die ersten", so Joachim Kaltenbrunner. "Das Ganze ist mit einem riesigen Aufwand verbunden." Später hat der Bauherr vielen geholfen, die Formulare auszufüllen. Für Wärmedämmmaßnahmen und altersgerechtes Umbauen erhielt die Familie außerdem günstige Darlehen. Mit einem Vollwärmeschutz und einer Holzscheitvergaser-Heizung setzten die Bauherren auf Energieeinsparung und regenerative Heizmittel.

So sieht der Dachstuhl nach dem Abriss aus.
So sieht der Dachstuhl nach dem Abriss aus. | Bild: Jürgen Müller

Nachdem beim Einzug noch der Strom fehlte – "wir mussten ein paar Tage mit Taschenlampe und Kerzen auskommen" – , haben sich Bernadette, Joachim, Lukas (7 Jahre), Simon (5) und Laura (3) inzwischen eingelebt. Noch ist nicht alles fertig: Der Eingangsbereich muss noch fertig gemacht und der Speicher zum Hobbyraum umgebaut werden. Außerdem ist ein Carport eingeplant. "Stück für Stück", wie bislang schon. Hauptsache man fühlt sich wohl.

Die Dusche im modernen Badezimmer ist bodeneben eingebaut.
Die Dusche im modernen Badezimmer ist bodeneben eingebaut. | Bild: Jürgen Müller

Die Serie

Wer wachen Auges durch die Baaremer Dörfer geht, entdeckt leer stehende Gebäude, verödete Hofstellen und verfallende Scheunen. In den Straßen halten sich nur wenige Menschen auf, meistens ältere. Langsam wird immer deutlicher, was mit den Ortskernen geschieht: Sie veröden, wenn die Politik nicht bewusst dagegensteuert.

In unserer Serie Neuer Glanz in alter Hütte wollen wir gute Beispiele für eine Innenentwicklung vorstellen. Und die Menschen, die dahinterstehen. Denn die Bewohner und Eigentümer müssen mitziehen, wenn die Innenentwicklung klappen soll. Das Baugesetzbuch verlangt als Leitlinie für die gemeindliche Planung eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung und fordert, mit Grund und Boden sparsam umzugehen. Davon abgesehen, liegt Flächensparen auch im ureigensten Interesse der Gemeinden selbst: Eine gute Bauleitplanung schont landwirtschaftliche Nutzflächen und Natur, aber auch den Gemeindehaushalt, weil keine zusätzliche Infrastruktur in der Fläche vorgehalten werden muss. Außerdem steigert sie die Attraktivität des Ortskerns, wenn sich das Leben weiterhin im Zentrum abspielt und sich nicht in Neubaugebiete verlagert. Der Gemeindeverwaltungsverband Donaueschingen bietet im Projekt Flächenmanager gemeinsam mit Fachleuten aus der Innenentwicklung ein kostenloses Beratungsangebot für Eigentümer an.

Weitere Informationen unter www.gvv-umweltbuero.de/innenentwicklung

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