Hüfingen „Nachhaltigkeit ist ein starker Antrieb“

Auf einen Kaffee mit Wilfried Stech, dem Hüfinger Geschäftsführer der Holz und Wald Zertifizierungsgesellschaft GmbH 

Herr Stech, was sind die Kernaufgaben einer Zertifizierungsgesellschaft in den Bereichen Holz und Wald?

Die Kernaufgaben sind das Begutachten, das Vergleichen mit den Anforderungen der Nachhaltigkeitsstandards und das Bewerten. Wenn alle Anforderungen eines Standards erfüllt sind, erhält das Unternehmen hierüber ein Zertifikat. Darüber hinaus weisen wir auf Möglichkeiten hin, wie sich das Unternehmen weiterentwickeln kann. Einzelheiten finden Sie auf unserer Website www.hw-zert.de.

Wieso werden überhaupt Wald, Holz und Papier zertifiziert?

Weltweit werden jährlich noch immer zwölf bis 13 Millionen Hektar Wald vernichtet. Das ist mehr als der gesamte Waldbestand Deutschlands. 1992 beschlossen 178 Staaten bei der Rio-Konferenz, die Wälder der Erde durch nachhaltige Bewirtschaftung zu erhalten. Staatliche Kontrollen sind dabei schwer durchführbar. In der Folge wurden Zertifizierungssysteme wie PEFC entwickelt: Jeder, der nachhaltig wirtschaftet, kann sich dies bestätigen lassen und dann seine Produkte entsprechend vermarkten. Mittlerweile ist daraus eine globale Bewegung entstanden, die langsam auch in den kritischen Regionen wirkt.

Was bedeutet Nachhaltigkeit?

Die Forstwirtschaft hat schon vor über 300 Jahren diesen Begriff geprägt. Er fordert, den Wald so zu nutzen, dass die Nachkommen wenigstens ebenso viel Vorteil daraus ziehen können wie die jetzt lebende Generation. Es geht also um Daseinsvorsorge und den Erhalt der Schöpfung.

Könnten wir die Wälder erhalten, indem wir sie stilllegen und auf ihre Nutzung verzichten?

Die Vielfalt des Waldes, den wir alle schätzen, ist Menschenwerk. Unsere Wälder sind Kulturwälder und Waldbewirtschaftung ist die verträglichste Landnutzungsform. Wenn wir Holz und Papier durch andere Materialien ersetzten, würde dies zu einer enormen Verschlechterung der globalen Umweltbedingungen führen. Holz ist der älteste und modernste Werkstoff der Menschheit, der immer wieder nachwächst. Wir sollten daher unser Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Kulturwäldern nutzen und gleichzeitig die Länder der Tropen dabei unterstützen, die letzten Urwälder unserer Erde zu erhalten.

Nach Ihrem Leitbild wollen Sie dazu beitragen, dass nachhaltig und sozial verträglich mit der Natur umgegangen wird. Was bedeutet das konkret?

Das Wirken für Nachhaltigkeit ist wesentlicher Teil unserer Verantwortung. Die HW-Zert ist Dienstleister für Unternehmen und Waldbesitzer, die gemäß den Normen der Nachhaltigkeit arbeiten. Da nicht jeder Verbraucher die Deklarationen und Standards selbst prüfen kann, übernehmen dies unabhängige Zertifizierer – quasi wie ein Nachhaltigkeits-Tüv. Dazu gehört auch die ständige Verbesserung der Systeme und Standards.

Ihre Zertifizierungsangebote richten sich an ein breites Kundenspektrum, zum Beispiel an Waldbesitzer, Sägewerke, Holzhändler, Möbelhersteller, Druckereien oder Landschaftsbaubetriebe. Wo stecken bei dieser Vielfalt die Gemeinsamkeiten?

Forst- und Holzwirtschaft sind nach wie vor die Schrittmacher nachhaltiger Wirtschaftsweise in unserer Gesellschaft. Alle unsere Kunden sind Teil der gleichen Wertschöpfungskette: vom Baum bis zum Endprodukt. Alle fördern damit den Erhalt unserer Wälder.

Nach dem Standard PEFC, einem international angewandten Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung, lassen sich sehr unterschiedlich ausgerichtete Waldbewirtschafter zertifizieren. Was müssen die Ihnen nachweisen können?

Waldbesitzer und Forstleute beachten über 60 Themen aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Soziales, wenn sie Holz als nachhaltig vermarkten. Neben dem Leitprinzip, dass nicht mehr Holz genutzt werden darf als nachwächst, gelten hohe Standards; sie beziehen sich auf die Arbeitssicherheit, eine Boden und Bestand schonende Bewirtschaftung, die Förderung der Artenvielfalt, den Wasser- und Klimaschutz, die Biodiversität und vieles mehr.

Gibt es Beispiele aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis?

Im Landkreis sind rund 90 Prozent der Holzmenge PEFC-zertifiziert. Alle bedeutenden Waldbesitzer, Sägewerke, Holzhändler oder Verarbeiter machen hier mit. Beim Einkauf kann man die Unternehmen immer danach fragen.

Sie bieten eine Zusatzzertifizierung an, die aus ökologischen Gründen etwa den Produkthinweis „Heimisches Holz aus Baden-Württemberg“ für den Kunden beinhaltet. Ist das für Firmen betriebswirtschaftlich gesehen attraktiv?

Seit Januar 2016 gibt es die Möglichkeit, die regionale Herkunft zusammen mit der nachhaltigen Bewirtschaftungsart zu deklarieren. Wir gehen davon aus, dass dies ein wichtiges Kriterium für die Kaufentscheidung werden kann und sich damit betriebswirtschaftlich auswirkt, da immer mehr Verbraucher darauf achten, aus welcher Region ihre Produkte stammen.

Sie vergeben auch das Label Kompetenter Forstpartner, kurz KFP. Für welche Sparte ist das interessant?

Forstunternehmer, die im Wald die Bäume ernten, können damit nachweisen, dass sie hierfür besonders qualifiziert sind. Es geht dabei vor allem um persönliche Kompetenz durch Ausbildung und Berufserfahrung sowie den Einsatz geeigneter Maschinen und Geräte. Zudem sind die Einhaltung der Arbeitssicherheitsstandards und die angemessene Entlohnung der Mitarbeiter wichtige Kriterien.

Auf zahlreichen Papierprodukten, auf Bankauszügen oder Schmuckaufklebern, auf Milchtüten oder Zündholzschachteln findet man das Kürzel FSC. Es steht ebenfalls für eine Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft. Welche Unterschiede gibt es, und haben Sie damit auch zu tun?

Weltweit sind FSC und PEFC die zwei wichtigsten Systeme zur Bestätigung der Nachhaltigkeit. FSC ist häufiger außerhalb Europas verbreitet, während PEFC seinen Schwerpunkt in Europa und speziell in Deutschland hat. In Deutschland sind die beiden Systeme inhaltlich weitgehend gleich, Unterschiede gibt es in der Formulierung und bei der Umsetzung. Bei der Zertifizierung der Forstunternehmer nach dem KFP-System begutachten wir sowohl die Anforderungen von FSC als auch von PEFC.

Unternehmen, die sich auf Vegetationspflege, auf den Unterhalt von Verkehrsflächen oder auf Winterdienste spezialisiert haben, bieten Sie ein eigenes Zertifikat an: „KVG – Kompetente Verkehrs- und Grünflächendienste“. Wofür ist das nützlich?

Maschinenringe und Landschaftspflege-Unternehmen können damit ihre besondere Qualifikation als Dienstleister in diesen Bereichen nachweisen, ihre Auftraggeber bekommen eine Entscheidungshilfe für die Auswahl einzusetzender Unternehmen. Gleichzeitig können betriebliche Prozesse optimiert werden.

Wer eigentlich hat Ihnen als Zertifizierer die Vollmacht erteilt, Ihre qualitativ bedeutsame Arbeit zu tun?

Die DAKKS – die Deutsche Akkreditierungsstelle. Sie ist die allein zuständige Stelle in Deutschland für die Zulassung von Zertifizierungsstellen und Prüflaboratorien und untersteht der Aufsicht des Bundes. Auch wir werden regelmäßig überprüft.

Eine persönliche Frage: Worin liegt für Sie der Reiz Ihrer Tätigkeit?

Für die Sache der Nachhaltigkeit zu arbeiten, ist für mich ein starker Antrieb. Die vielfältigen Begegnungen und der Austausch mit den hier engagierten Menschen machen mir viel Freude und geben mir Energie.

Fragen: Gunter Faigle

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