Geisingen/Leipferdingen Tornado wütet im Leipferdinger Forst

Sturmtief "Kolle" knickt viele Bäume umGroßer Schaden für die Forstwirtschaft.

Der Name „Kolle“ ist zumindest bislang unter einem Begriff für Generationen als Aufklärer bekannt. Nun gibt es auch ein Sturmtief Namens „Kolle“, das am Wochenende über das Land zog und sich nunmehr vorwiegend im Leipferdinger Gemeindewald in einer ganz anderen Art und Weise eine bleibende Erinnerung verschafft.

Liegen in der gesamten Region mal hier ein Baum und dort Äste herum, sieht es jetzt im Stadtwald auf Gemarkung Leipferdingen auf einer riesigen Fläche ziemlich trostlos aus. Mindestens 2000 Festmeter Holz liegen am Boden. Revierleiter Hartmut Bertsche ist schockiert. Auf teilweise den besten Standorten der Raumschaft liegen reihenweise Bäume übereinander. Flächenwürfe mit weniger als einem Hektar, aber Schneisen durch den Wald, dann wieder einzelne Bäume.

Umgestürzte Bäume in Kulturen verursachen einen großen Schaden.
Umgestürzte Bäume in Kulturen verursachen einen großen Schaden. | Bild: Paul Haug

„Hier hat ein Tornado getobt, wobei das Epizentrum des Sturms auf der Länge in Fürstenberg war“, erklärt Hartmut Bertsche. Denn die Bäume liegen in alle Richtungen – zum Teil nach Süden und dann wieder nach Norden. Und es wurden die schönsten Bäume entwurzelt. Bäume, die kerngesund sind, zirka 80 bis 100 Jahre alt, mit einem Volumen von einem bis eineinhalb Festmetern. Die wurden teilweise mit- samt dem Wurzelteller umgelegt, aber auch in unterschiedlicher Höhe einfach abgeknickt und abgerissen. Nicht nur Fichten, sondern auch mächtige Buchen.
 

Fassungslos betrachtet Revierleiter Hartmut Bertsche die Bäume, die ein Tornado im Stadtwald Geisingen auf der Gemarkung Leipferdingen auf einer großen Fläche einfach umgeknickt hat.
Fassungslos betrachtet Revierleiter Hartmut Bertsche die Bäume, die ein Tornado im Stadtwald Geisingen auf der Gemarkung Leipferdingen auf einer großen Fläche einfach umgeknickt hat. | Bild: Paul Haug

Viele der Bäume liegen auf Flächen, auf der mühsam Naturverjüngung herangezogen wurde. Dieser Schaden kommt noch hinzu. Und beschädigt sind nicht nur die umgerissenen Bäume, viele Bäume müssen gefällt werden, weil sie bereits Schieflage durch den Sturm haben. „Auch die müssen wir in die Naturverjüngungen hinein fällen“, bedauert Bertsche, der damit seine und die der Forstwirte waldbauliche Nachwuchsarbeit in größter Gefahr sieht.

„Wir müssen hier mit zahlreichen Fremdfirmen sowohl personell wie maschinell arbeiten, mit unseren derzeit zwei Forstwirten ist dies unmöglich“, betont der Revierleiter, der für die Länge zuständig ist. Im anderen Revier von Karl-Ernst Rapp, der Gutmadingen und Geisingen betreut, sind es nur einzelne Bäume. Die Holzmenge von rund 2000 Festmetern oder auch etwas mehr bringt den Holzmarkt nicht durcheinander, wohl aber die Forsteinrichtung, die ja derzeit für das nächste Jahrzehnt aufgestellt wird. Manches Holz, das durch den Sturm zersplittert ist, kann aber nur mit qualitativen und preislichen Abschlägen verkauft werden.

Eine große Gefahr sieht der Förster derzeit für die Pilzsammler im Wald. Er appelliert an die Bevölkerung, in den betroffenen Gebieten zwischen Neufertal und dem Gebiet oberhalb des Sportplatzes, dem Kohlhau oder Schmitts-Hölzle, den Wald zu meiden. Schräg hängende Bäume und angebrochene Äste sind eine große Gefahr für Spaziergänger und Pilzsammler.
 

Im Wald herrscht ein wildes Durcheinander: Teilweise kreuz und quer liegen die Bäume nachdem das Sturmtief durchgezogen ist.
Im Wald herrscht ein wildes Durcheinander: Teilweise kreuz und quer liegen die Bäume nachdem das Sturmtief durchgezogen ist. | Bild: Paul Haug

„Wir können nur an die Vernunft der Leute appellieren, „Das gesamte Gebiet einfach zu sperren, ist nicht möglich“, betont Bertsche. Auch südlich der Aitrach, wie zum Beispiel im „Ackerholz“, hat Kolle ebenfalls zugeschlagen und zahlreiche Bäume buchstäblich abrasiert. Auch hier ist Vorsicht geboten und der Wald sollte nicht betreten werden. Ähnliche Schäden wie in Leipferdingen sind beim Kreisforstamt bisher nicht bekannt. „Die Verwüstungen sind punktuell“, wie der Leiter des Kreisforstamtes, Frieder Dinkelaker, auf Nachfrage mitteilte. Es sieht so aus, dass der Süden des Kreises besonders betroffen ist. So hat die Gemeinde Neuhausen rund 200 Festmeter auf dem Boden liegen.

Der Stadtwald

Im Gegensatz zu den beiden Orkanen Wiebke 1990und Lothar 1999 sind die Schäden im Stadtwald von Geisingen mit mindestens 2000 Festmeter Holz relativ gering, aber dennoch beträchtlich. Es ist ein Sechstel des jährlichen Einschlages in dem rund 2400 Hektar großen Wald der Stadt Geisingen.

 

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