Furtwangen Staat gegen Kirche: Lackschilduhr stellt Furtwanger Kulturkampf dar

Ende des 19. Jahrhunderts streiten Staat und Kirche. Der Zwist beeinflusst auch die Uhrmacher. Das aktuelle Objekt des Monats im Uhrenmuseum ziert die Furtwanger Nothkirche.

Von einem heimatbezogenen Aspekt ist das „Objekt des Monats November 2017“ im Deutschen Uhrenmuseum geprägt.

Furtwanger Historie wird unter dem Titel „Uhrmacher plant Kirchenbau“ aufgearbeitet. Bezugspunkt ist eine Lackschilduhr aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, das die katholische Nothkirche darstellt. Warum, wird gefragt, plante der Furtwanger Uhrmacher Irenäus Eschle 1875 einen Kirchenneubau? Hintergrund war ein erbitterter Streit im Deutschen Reich zwischen römisch-katholischer Kirche und dem Staat. Die Unfehlbarkeit des Papstes stand auf dem Prüfstand. Im „Kulturkampf“ wurde der Einfluss der Kirche hinterfragt und die Diskussionen endeten auch in Furtwangen in der Aufspaltung in zwei Lager.

Ein Kreis um hiesige Fabrikanten gründete 1872 eine alt-katholische Gemeinde und erkannte die Unfehlbarkeit des römischen Oberhauptes nicht an. Seine Infallibilität besagte, dass päpstliche „ex cathedra“ verkündete Entscheidungen in Glaubens- oder Sittenfragen endgültig waren. Die nationalliberalen Alt-Katholiken verfolgten die Trennung von Staat und Kirche. In der Folge kam es zu Sozialgesetzen, zum „Kanzelparagraphen“, zur Schließung von Konfessionsschulen und der Einführung der Zivilehe.

In Furtwangen hieß das: Wo halten die Konfessionen ihre Gottesdienste ab? Die Alt-Katholiken fanden zunächst einen Raum in der Gewerbehalle und durften nach staatlicher Entscheidung St. Cyriak nutzen. Der Erzbischof verbot den Papsttreuen, Gottesdienste wie bisher abzuhalten. So kam es zum Bau der „Nothkirche“, die auf der Lackschilduhr abgebildet ist und 30 Jahre von den römisch-katholischen Christen genutzt wurde. Das Blatt wendete sich und 1911/12 wurde getauscht. 1938 wurde die Nothkirche abgerissen.

Die von der neuen Volontärin Isabelle Zink entwickelte Präsentation wird emotional aufgewertet. Eine „zerrissene“ Fotografie zeigt das Furtwanger Zentrum nach dem Rössle-Brand am 25. Juli 1883. Links ist die Nothkirche zu sehen, rechts die Stadtkirche. Davor sind Türmchen und Dach des Rathauses zu erkennen. Ergänzt wird das Objekt des Monats durch eine Karikatur des Berliner „Kladderadatsch“ von 1890. Es zeigt Bismarck und Pius IX. im Poker um Macht und Einfluss. Das besondere Objekt wird in einem dreisprachigem Flyer beschrieben.

Öffnungszeiten

In der Winterzeit von November bis März ist das Uhrenmuseum von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen werden um 14 Uhr oder nach Anmeldung angeboten.

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