Furtwangen Kapelle erinnert an Kriegswirren

Die Grundsteinlegung der Fatima-Kapelle jährt sich 2017 zum 70. Mal. Die Erbauung gründet auf einem Gelübde, das Furtwanger 1944 während des Zweiten Weltkriegs ablegten. Im Angesicht des Todes baten sie damals um göttlichen Beistand.

Weithin sichtbar thront auf dem oberen Bühl über Furtwangen die Fatimakapelle. Jedes Jahr zum Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August rückt die Kapelle besonders in den Fokus. Denn an diesem Tag im Jahr 1948 wurde die Kapelle feierlich eingeweiht, die aufgrund eines Gelübdes aus den Kriegsjahren von den Bürgern errichtet wurde.

Es ist das Jahr 1944, der Zweite Weltkrieg tobt. Die Gemeinde in Furtwangen betet um Frieden und um den Erhalt der Heimat. In der „Urkunde an die Nachwelt“, die anlässlich der Errichtung der Kapelle 1947 zur Grundsteinlegung verfasst wurde, wird die Situation kurz vor Ende des Krieges geschildert: „Jahrelang schon wütete der Krieg, Städte sanken in Trümmer, Menschen starben in Massen und Friede war aussichtslos. Unheildrohend zogen die Bombengeschwader über unseren Ort — und Pfarrer Simon betete um Hilfe zur heiligen Gertrud. Von Westen her dröhnte der Kanonendonner immer lauter, die Gefahr rückte unerbittlich näher, bis zu acht Mal im Tage gingen die Luftalarmsirenen — Furtwangen stand schutzlos.“

Die Fatimakapelle in ihrem ursprünglichen Zustand. Auffallend ist das heute an anderer Stelle befindliche große Kruzifix sowie der kleinere Turmhelm. Bilder: Familie Hoch
Die Fatimakapelle in ihrem ursprünglichen Zustand. Auffallend ist das heute an anderer Stelle befindliche große Kruzifix sowie der kleinere Turmhelm. Bilder: Familie Hoch | Bild: Familie Hoch

Dramatische Tage

Weiter heißt es: „Da gab Pfarrer Simon den Gedanken aus, der Gottesmutter von Fatima ein Heiligtum zu versprechen, wenn sie uns vor den Verwüstungen des Krieges bewahre. Zwei Männer legten dies in einem Schriftstück nieder und suchten einige Mitunterzeichner, bis es zusammen 15 waren. In unermüdlichem Eifer aber rief Pfarrer Simon zum Gebete auf. Trotz aller Zeitumstände war die Kirche voll von Betern. Am Feste der Ewigen Anbetung (24. September 1944) nun wurde abschließend in gedrängt vollem Gotteshaus in feierlicher Weihe der ganzen Gemeinde an das Unbefleckte Herz der Gottesmutter von Fatima diese angerufen, dass sie ‚uns der Heimat und die Heimat uns erhalte’ und wir zum Danke ein Heiligtum errichten wollen.“

Diese Urkunde wurde vor genau 70 Jahren im Grundstein der Fatimakapelle eingeschlossen. Unten die Unterschriften der Mitglieder des Stiftungsrates.
Diese Urkunde wurde vor genau 70 Jahren im Grundstein der Fatimakapelle eingeschlossen. Unten die Unterschriften der Mitglieder des Stiftungsrates. | Bild: kk

Da die Lage immer aussichtsloser wurde und die völlige Vernichtung bevorstand, war dies ein mutiger Schritt von Pfarrer Simon und der Gemeinde wenige Wochen nach dem Attentat auf Hitler öffentlich ein solches Gelöbnis abzulegen. Doch das unerwartete Ereignis trat in der Nacht zum 25. April 1945 ein: Sämtliche Truppen zogen ab, Furtwangen war gerettet.

In der Urkunde bei der Grundsteinlegung 1947 wird die Situation in Furtwangen so geschildert: „Die Fronten rückten näher. Die deutschen Truppen fluteten zurück, stauten sich, und etwa 30 000 Mann waren in Furtwangen und anschließendem Bregtal zum letzten Kampf versammelt. Rings um unseren Ort wurden Geschütze eingegraben; Furtwangen sollte verteidigt werden. Völlige Vernichtung stand uns bevor. Ernste Männer rüsteten zu einer Selbsthilfe. Die Lage war aussichtslos! Und Furtwangen betete! Plötzlich, in der Nacht des 24./25. April 1945, zogen sämtliche Truppen ab.“

Am 20. Juli 1947 wird der Grundstein gelegt. Von links: Messner Otto Waldvogel, Kaplan Reichelt, Stadtpfarrer Blattmann, Vikar Schneider, Bürgermeister Ludwig Zier, Franz-Joseph Hug, Alfons Kuner und Karl Schuler.
Am 20. Juli 1947 wird der Grundstein gelegt. Von links: Messner Otto Waldvogel, Kaplan Reichelt, Stadtpfarrer Blattmann, Vikar Schneider, Bürgermeister Ludwig Zier, Franz-Joseph Hug, Alfons Kuner und Karl Schuler. | Bild: Familie Hoch

Überraschende Wende

Am 25. April 1945 sei Furtwangen frei von Militär gewesen. Bereits mittags sei der Ort den einrückenden Franzosen kampflos übergeben worden. „Furtwangen war gerettet, kein Haus vernichtet, kein Furtwanger verlor das Leben. Plötzliche Entspannung. Ein Ereignis, unerwartet und bestaunt von Allen – ausnahmslos von Allen“, schreiben die damaligen Augenzeugen.

So wurde 1947 wie im Gelübde versprochen der Grundstein gelegt. Erbaut wurde die Kapelle nach Plänen von Architekt Müller Ruby aus Freiburg aus freiwilligen Spenden und Arbeitsleistungen. Beim 60-jährigen Bestehen 2008 wurde das Gelübde der Stadt Furtwangen beim Festgottesdienst in der Pfarrkirche feierlich erneuert.

In den vergangenen fast 70 Jahren war die Fatimakapelle immer ein Ort der Ruhe oder auch für kleine Gottesdienste. Äußerlich und auch im Inneren hat sich an der Kapelle nicht viel verändert. Neben einer grundlegenden Sanierung gibt es zwei auffallende Veränderungen zur ursprünglichen Kapelle: ein großes Kruzifix, geschaffen von Karl Rieber, wurde von der Front der Kapelle abgehängt und ist nun an der Chor-Außenseite zu finden. Und der Turm erhielt im Lauf der Jahre einen wesentlich höheren Turmhelm.

Von links: Kaplan Reichelt, Stadtpfarrer Blattmann und Vikar Schneider, dahinter Franz Josef Hug, Alfons Kuner, Karl Schuler, Franz Schmalz, August Hettich, Karl Ganter, Bürgermeister Ludwig Zier und Egon Hettich.
Von links: Kaplan Reichelt, Stadtpfarrer Blattmann und Vikar Schneider, dahinter Franz Josef Hug, Alfons Kuner, Karl Schuler, Franz Schmalz, August Hettich, Karl Ganter, Bürgermeister Ludwig Zier und Egon Hettich. | Bild: Familie Hoch

Der Festgottesdienst an Mariä Himmelfahrt bei der Kapelle ist zu einer festen Einrichtung in Furtwangen geworden. Pfarrer Paul Demmelmair hat gleich nach seinem Amtsantritt in Furtwangen diese Tradition nach einigen Jahren Pause wiederbelebt.

Auch in diesem Jahr wird dieser Festgottesdienst wieder um 9.30 Uhr bei der Fatimakapelle stattfinden. Die Wetterprognosen für den Dienstag sind gut, sodass der Gottesdienst höchstwahrscheinlich im Freien stattfindet.

In guter Tradition wird auch die Stadtkapelle Furtwangen den Gottesdienst musikalisch begleiten. Im Anschluss an den Gottesdienst wird noch eine neue, von Pfarrer Paul Demmelmair eingeführte Tradition gepflegt: die Kolpingfamilie versorgt die Besucher mit Weißwurst und Brezel sowie Getränken, um einen weltlichen Abschluss zu bieten.

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