Furtwangen Bissiger Meister der Tasten und Worte rät: Chill mal

Axel Pätz bietet in der Kulturfabrik einen vergnüglich-chilligen Abend. Kritisch beleuchtet er gesellschaftliche Themen, an der eigenen Tochter prallt sein Tadel jedoch ab.

„Chill mal“ war Programm und der rote Faden beim Tastenkabarett von und mit Axel Pätz in der ausverkauften Kulturfabrik. Wortreich, satirisch und musikalisch präsentierte und persiflierte er sozial-gesellschaftliche Themen. Der Meister der Tasten, Saiten und Worte, Axel Pätz, ist ein Vollblutmusiker. Seine bissigen, schwarzhumorigen Texte unterlegt er mit Musik – Klavier, Akkordeon und Ukulele kommen zum Einsatz.

Er erzählt von einem Glückstag, der besonders merkwürdig verläuft, nix klappt. Der Mann in Nadelstreifenweste, mit wirrem Haar, stechendem Blick und schauspielerischem Talent ist auf der Suche nach dem kleinen Glück in schlechten Zeiten. Er besingt die Themen unserer Zeit, von Flüchtlingen und Migranten bis zum Schlager. Damit wäre mehr Geld zu verdienen, doch falle es ihm schwer, doofe Schlagertexte zu kreieren, so zieht er lieber Schlager und deren Interpreten durch den Kakao.

Er führt in bestem Business-Geschwafel eine Evaluation an seinem „Schnuffel“-Baby durch. Dieses wird aus der Familie outgesourct und klagt sich wieder ein. Den Fernsehdauerbeschuss nimmt Pätz unter die Lupe und vermutet den Stand der Gesellschaft bei den Römern: Brot und Spiele. Ein fröhlich-zackiges Wanderlied untermalt er am Akkordeon, mit leuchtendem Brennstab begibt er sich auf die Suche nach Endlagerstätten. Einzige Antwort der Tochter auf das getadelte Chaos, „Chill mal“, schlonzt er so hin.

Seinen liederlichen Körper, der ihn sukzessive im Stich lässt, will er entsorgen. Seine Tasten- und Wortspiele drehen sich auch um den alternden Körper und enden in der Hymne an die Zirbeldrüse. Spontanen Applaus erntet er bei der Noten-Triegelung (Not-Entriegelung) des „Hänschen klein“, bei der er Silben auf gleichen Noten aus dem Lied nimmt und es neu zusammenstellt.

Die EU-Hygieneverordnung geht ihm ebenso auf den Keks wie die Ü80-Party, bei der Omi das Erbe verschleudert und er letztlich noch einem Glückstagsbetrüger auf dem Leim geht, auch hier die Botschaft: Chill mal.

Mehrere Zugaben fordert das Publikum, so gibt es einen Song über den Aufsitzrasenmäher, die Zahnersatz-Zusatzversicherung und den Rollator. Musikalisch wie wortakrobatisch ist ein Abend mit Pätz ein Vergnügen.

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