Donaueschingen Zukunft steht in den (Weihnachts)Sternen

Der Donaueschinger Weihnachtsmarkt steht unter Bewährung, weil Auflagen das Vereins-Engagement erschweren.

„Spuckschutz“. Was ist das? Hat das vielleicht etwas mit Fußball zu tun, denn Kicker werden ja immer wieder von Fernsehkameras dabei beobachtet, wie sie nach einem Flankenlauf auf den Boden – Pardon – rotzen? Nein, leider nicht. Wie die Betreiber von Essens – und Getränkeständen auf dem Donaueschinger Weihnachtsmarkt wissen, ist ein Spuckschutz eine Vorrichtung, die verhindern soll, dass Wurst- oder Glühweinkäufer mit Hinterlassenschaften aus ihrem Mund die Ware verunreinigen. Das macht ja irgendwie Sinn. Für den Grillmeister selbst ist ein Spuckschutz aber nicht vorgeschrieben. Da nehmen die Behörden offensichtlich an, dass er bei einem Niesanfall die Hände vor die Nase nimmt und sich vom Grill abwendet. Für Menschen mit einer guten Kinderstube ist das natürlich eine Selbstverständlichkeit.

Eine andere Auflage besagt, dass alle Stände, an denen sogenannte „offene Lebensmittel“ angeboten werden, über fließend warmes Wasser verfügen müssen. Gerold Votteler, der sich nach dem Aus des beliebten, aber unwirtschaftlichen Weihnachtswäldchens an der Alten Hofbibliothek dazu breitschlagen ließ, dem Weihnachtsmarkt auf seinem angestammten Standort auf dem Hanselbrunnenplatz und entlang der Karlstraße zu einem Comeback zu verhelfen, mag über den Sinn dieser Auflage nicht diskutieren. Was er aber weiß: Zehn mögliche Standbetreiber haben sich wegen dieser Vorschrift abgemeldet, darunter vor allem Vereine. Denn Profis, beispielsweise Metzger, kennen die entsprechenden Paragrafen und sind darauf vorbereitet.

Dass für Hütten, die Speisen und Getränke anbieten, eine Gebühr von 16 Euro fällig wird, dürfte den einen oder anderen potenziellen Weihnachtsmarkt-Marketender auch abgeschreckt haben. Früher wurde die Schankgebühr als 50-Euro-Pauschale erhoben. Trotz all dieser Vorgaben: 50 Stände werden am 16. und 17. Dezember dafür sorgen, dass im Herzen der Stadt vorweihnachtlicher Lichterglanz einzieht. Allerdings: Kerzen sind wegen der Brandgefahr verboten, LEDs werden sie ersetzen müssen. Mit der Anmeldezahl ist Votteler angesichts der späten Ausschreibung zufrieden. Vor allem freut ihn, dass sieben Schulen (auf die kommen keine Kosten zu) und zwölf gemeinnützige Vereine mitmachen.

Das Sicherheitskonzept für den Weihnachtsmarkt, das alle Teilnehmer erhalten haben, ist sieben Seiten stark. Betonbarrieren, wie man sie von Weihnachtsmärkten in Großstädten her kennt und die Attentate mit Fahrzeugen verhindern sollen, sind nicht vorgesehen. Auf eine externe Security wird, anders als beim Donauquellfest, ebenfalls verzichtet. Damals hatte ein Wachmann einem Hundehalter den Zutritt zum Festgelände verweigert – weil von der Fellnase bei lauter Musik ja eine Gefahr ausgehen könnte . Bei „Stille Nacht, heilige Nacht“ wird das nicht befürchtet. Votteler verspricht: „Wir werden alle offene Augen und Ohren haben." Außerdem werden städtisches Ordnungspersonal und der Polizeivollzugsdienst über das Festgelände patrouillieren. Vor Ort sein werden auch die Streetworker, die das Regierungspräsidium extra für die Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte angestellt hat. Feuerwehrangehörige und Mitarbeiter des Veterinäramts sind auch angekündigt. Sie werden überprüfen, ob sich die Hüttenwirte und Weihnachtsdeko-Verkäufer an die vielen Auflagen halten.

Angesichts der zahlreichen Vorschriften hat Votteler dreimal so viel Zeit in die Organisation des Weihnachtsmarkts investiert als in früheren Jahren. Will er sich das 2018 wieder antun? Der Steuerberater und Vorsitzende des Hobby- und Kulturvereins will sich nicht festlegen, alles hänge vom Verlauf des diesjährigen Weihnachtsmarkts ab.

Der Donaueschinger Weihnachtsmarkt ist ein Kind des SÜDKURIER. Der frühere Donaueschinger Redaktionsleiter Wolfgang Losert hatte die Idee für ein Winter-Festival und stemmte 1983 als Organisator die erste Ausgabe. Zehn Jahre später übernahm der Hobby- und Kulturverein als Ausrichter die Verantwortung für die Veranstaltung, die immer eine gute Einnahmequelle für die Donaueschinger Vereine war. (hon)

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