Donaueschingen Viel mehr als nur der Pfarrer

Große Vortragsreihe zu Heinrich Feurstein. Vielfältiges Wirkenin der Donaustadt. Vor 75 Jahren ist er im KZ Dachau verstorben.

Wer war Heinrich Feurstein? Die Straße hinauf zu den Fürstlichen Sammlungen ist nach ihm benannt und auch eine Schule. Am 2. August 2017 wurde auch an den 75. Todestag des ehemaligen Stadtpfarrers unter anderem im SÜDKURIER mit einer Hommage zu Leben und Werk erinnert. Sein vielfältiges und nachhaltiges Wirken in und für die Stadt und seine Haltung gegen den Nationalsozialismus hat daraufhin den neuen Kreisarchivar Clemens Joos bewogen, eine Vortragsreihe mit mehreren Referenten der Kirche, Kolpingfamilie und des Baarvereins zu organisieren. Auftakt ist am Freitag, 23. Februar.

Wie das Landratsamt mitteilt, beleuchten die Vorträge nicht nur Feursteins mutige Kritik am Nationalsozialismus, sondern auch sein vielfältiges Wirken innerhalb der Donaueschinger Stadtgesellschaft, nachdem er 1906 die Pfarrei übernommen hatte.

  • Über Feursteins Leben allgemein spricht zum Auftakt am Freitag, 23. Februar, Hans Keusen. Anschließend beleuchten Elmar Enssle und Gunter Faigle Feursteins volkswirtschaftliche Doktorarbeit und die katholischen Soziallehre: Mit der Enzyklika „Rerum Novarum“ Papst Leos XIII. reagierte die Katholische Kirche 1891 auf die Herausforderungen der Industrialisierung und des Arbeiterelends. Feurstein nahm diese Fragen unmittelbar auf und begann nach seinem Theologiestudium ein Wirtschaftsstudium in Freiburg und Berlin. Seine Doktorarbeit verfasste er über die sozial-ökonomischen Verhältnisse der Uhrenfabrikarbeiter im Schwarzwald. Auch in der praktischen Seelsorge blieb er stets den Sorgen und Nöten der einfachen Leutezugewandt.
  • Feursteins Wirken für Donaueschingen ist Thema am Freitag, 2. März, mit Hubert Herrmann. Feurstein begründete und förderte hier zahlreiche katho-lische Vereine, beteiligte sich an der Gründung der ersten Donaueschinger Wohnbaugenossenschaft für die Eile und betrieb den Bau der Marienkirche in der Eile-Siedlung, mit der nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die moderne Kirchenarchitektur in Donaueschingen Einzug hielt. Im zweiten Abendvortrag beleuchtet Folkhard Cremer vom Landesamt für Denkmalpflege die (zweite) Donaueschinger Bezirksbaugenossenschaft und den Bau der Eile-Siedlung in ihrer architekturgeschichtlichen Bedeutung.
  • Über den Theologen Feurstein spricht Heinrich Feldmann am Freitag, 9. März, Kreisarchivar Clemens Joos nimmt eine Analyse und Einordnung von Feursteins Predigt am Neujahrstag 1942 vor, die unmittelbar zu seiner Verhaftung durch die „Geheime Staatspolizei“ führte. Seine Inhaftierung bedeutete nicht nur einen nationalsozialistischen Einschüchterungsversuch gegenüber den Katholiken in Donaueschingen, sondern auch gegenüber der Freiburger Erzdiözese und Erzbischof Conrad Gröber.
  • Feurstein und die Kunstgeschichte ist Thema am Freitag, 16. März, mit dem Kunsthistoriker Bernd Konrad: Neben allem anderen veranlasste Feurstein die Wiederherstellung der Stadtpfarrkirche St. Johann, entdeckte die „Donaueschinger Madonna“ und engagierte sich für die „Grüninger Madonna“. Er war als Denkmalpfleger des ehemaligen Landkreises Donaueschingen tätig und als Kustos der FF-Sammlungen. Hier fand er Anschauungsmaterial zur Kunst des16. Jahrhunderts, das es ihm ermöglichte, mit viel beachteten Thesen zu dem Maler Matthias Grünewald und dem sogenannten Meister von Meßkirch hervorzutreten. Konrad wird die Bedeutung von Feursteins Überlegungen und Veröffentlichungen innerhalb der kunstgeschichtlichen Diskussion nachzeichnen.
  • Zeitzeugen kommen am Freitag, 23. März, zu Wort. Sie haben Stadtpfarrer Feurstein noch erlebt. In der Runde dabei sind Forscher, die sich mit ihm intensiv auseinandergesetzt haben. Zum Abschluss wird Andreas Rütschlin an der Orgel der Marienkirche Kirchenlieder aus Feursteins Umfeld spielen und in ihrer musikgeschichtlichen Bedeutung einordnen.

Vorträge

Die Vortragsreihe ist eine gemeinsameVeranstaltung des Baarvereins, der Pfarrgemeinde, der Kolpingfamilie und des Kreisarchivs. Alle Vorträge beginnen um 19 Uhr im Mariensaal, Eilestraße 4, neben der Marienkirche in Donaueschingen.

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