Donaueschingen "Musik ist ein mächtiger emotionaler Verstärker" – Klavierkabarettist Bodo Wartke im SÜDKURIER-Interview

Bodo Wartke tritt am 29. November mit seinem Programm "Was, wenn doch?" in den Donauhallen auf. Im SÜDKURIER-Interview spricht er über sein Programm, Mathe und Musik, sowie sein internationales Liebeslied.

Herr Wartke, der Titel ihres aktuellen Programms lautet „Was, wenn doch“ – was hat das zu bedeuten?

„Was, wenn doch“ ist im Grunde die Replik auf die Frage: „Was, wenn es nicht klappt?“. Ich finde es wichtig, die Möglichkeit des Gelingens in Betracht zu ziehen. Das ist der Nenner, unter den man das Programm stellen kann. Es geht um ganz persönliche und private Dinge, aber auch um gesellschaftliche und das große Ganze. Es ist auch nicht so, dass in meinen Liedern alles glatt läuft. Beide Möglichkeiten finden statt.

Sie haben mal erwähnt, dass sie politische Themen eher nicht behandeln.

Also das hat sich gewandelt. Alle Lieder jüngeren Datums, die ich geschrieben habe, sind total politisch.

Liegt es daran, dass sich solche Themen derzeit geradezu aufdrängen?

Ich glaube, für Kabarettisten gab es immer schon genug Themen. Jetzt treiben mich allerdings Dinge um, die es so vor einigen Jahren noch gar nicht gab. Ich schreibe Lieder über Themen, die mich eben beschäftigen. Das ist nicht leicht in eine bestimmte Kategorie einzuordnen. Ich habe als Klavierkabarettist angefangen, aber das beschreibt ja nur die Form. Ich beschäftige mich mit so vielen unterschiedlichen Dingen – je nachdem, was mich gerade interessiert. Daran hat es nie gemangelt. Jetzt rücken eben Sachen in den Fokus, die vorher nicht da waren.

Warum werden ihre Botschaften in Musik verpackt?

Mich interessiert die Verknüpfung von Sprache und Musik. Die Musik ist imstande, Dinge auszudrücken, zu denen die Sprache nicht in der Lage ist. Ich benutze sie, um Sprache aufzuwerten. Erst die Musik verleiht ihr ein Maß an Emotionalität und Ausdruckskraft, das sie viel stärker macht. Das ist ein sehr mächtiger Verstärker, ein emotional verständlicher. Zudem ist Musik die Kunstform, die sich im Moment ereignet. Sie können etwas malen und an die Wand hängen, dann ist das da. Aber in dem Moment, wo Musik live aufgeführt wird, überträgt sich etwas, was auch ein Tonträger nur unzureichend einfangen kann.

Sie haben ja auch ein spezielles Lied, das mit Emotionen beladen ist. Was hat es denn damit auf sich?

Das Liebeslied ist aus einer Schnapsidee entstanden. Mit einem damaligen Kommilitonen hatten wir die Idee. Er konnte viele Instrumente spielen und ich fand es witzig, jede Strophe mit einem anderen Instrument zu begleiten und den Satz „Ich liebe dich“ in einer anderen Sprache zu singen. Von anfänglich sechs Sprachen kamen im Laufe der Zeit immer weitere dazu. Ich bin dann auch zu Leuten, die eine andere Sprache sprechen gegangen und habe sie gebeten, mir das zu übersetzen. So unterschiedlich die Sprachen auch sind, es funktioniert immer, sie so in Worte zu fassen, dass es sich reimt und zur Melodie passt. Es ist immer rührig, wenn dann Muttersprachler im Publikum sitzen und man beobachtet, wie die darauf reagieren.

Funktioniert das auch bei Klingonisch?

Ja, selbst da. Wobei ich da noch keine Muttersprachler im Publikum entdecken konnte.

Wie viele Strophen hat das Lied denn bisher?

Fast 90. Es sind noch ein paar dazugekommen, die ich noch nicht richtig überarbeitet habe. Ich kann auch nicht immer alle auswendig. Das ist eine richtige Fleißarbeit. Die meisten kann ich allerdings.

Vor ihrer Laufbahn als Kabarettist haben sie Physik studiert, wie passt das zusammen?

Eigentlich habe ich mich immer mehr für Mathe interessiert. Das fand ich total super, die Schönheit der Struktur. Das ist im Grunde das, was mich am Reimen auch sehr reizt: Sich eine Struktur auszudenken und diese zu erfüllen. Das ist das Prinzip von Mathematik. Wenn man sich Kompositionen von Bach anschaut, dann sieht man das auch. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, klingt sie total schön. Und Musik zu komponieren, hat in meinen Augen viel mit Mathe zu tun. Ich dachte, Physik hätte das auch. Ich war dann vom Studium aber sehr enttäuscht. Das Fach hat für mich viel mehr mit Philosophie zu tun. Gerade die theoretische Physik ist in Bereiche vorgedrungen, wo man nicht mehr überprüfen kann, wie es eigentlich ist.

Und dann haben sie beschlossen, von ihrem musikalischen Talent zu leben?

Dass man Talent hat, ist nicht unbedingt ein Garant für Erfolg. Den umgekehrten Fall gibt es auch. Es gibt Leute, die sind sehr erfolgreich, bei denen ich mich frage: Wie viel Talent haben die eigentlich? Die Sorgen unserer Eltern sind durchaus berechtigt: Kann man davon leben? Ich hatte das Glück, sofort davon leben zu können, es ging erstaunlich schnell und einfach.

Viele Künstler benutzen oft einen regionalen Einstieg ins Programm. Machen sie das auch?

Ja, ich mache das tatsächlich gern. Ich habe Verwandtschaft in der Region, die werde ich auf jeden Fall konsultieren, bevor ich nach Donaueschingen komme. Das Publikum weiß es natürlich sehr zu schätzen, dass der Künstler da nicht sein Nullachtfünfzehn-Programm abspult, sondern sich auch wirklich beschäftigt hat. Mit den Leuten, den regionalen Gegebenheiten, den Eigenheiten. Das weiß zum Beispiel auch das Schweizer Publikum immer sehr zu schätzen, wenn ich dort auftrete.

Fragen: Guy Simon

SÜDKURIER-Verlosung

Wir verlosen 3 mal 2 Tickets plus je eine CD für den Auftritt von Bodo Wartke am Mittwoch, 29. November, um 20 Uhr. Sie rufen bis Freitag, 12 Uhr, an, unter: 01379/ 370 500 35 (0,50 Euro pro Anruf aus dem Festnetz der DTAG, Mobilfunkpreise abweichend) und nennen Ihren Namen, Adresse und das Stichwort „Bodo Wartke“. Die Gewinner werden in der Samstagsausgabe bekannt gegeben. Die Karten liegen dann in der Redaktion in Donaueschingen, Käferstraße 12, zur Abholung bereit. (guy)

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