Donaueschingen Mit dem Charme der Bescheidenheit

Beobachtungen beim OB-Wahlkampf. Heute: Mit Kandidat Erik Pauly unterwegs. Wahlkampf-Station mit Themen des Stadtkerns.

Würde Donaueschingens OB-Wahl in den Disziplinen Bescheidenheit oder nach dem Ideal-Typus des „netten Schwiegersohnes“ entschieden – er wäre wohl unangefochten Favorit. Zumindest umgibt ihn diese Aura des freundlichen Gegenübers, der auf seine Gesprächspartner eingeht, der scheinbar ohne Kanten ist, sich den Menschen und ihren Anliegen in ehrlicher Absicht zuwendet. Diesen Charme brachte Erik Pauly auch am Sonntagabend ins Hotel „Linde“ mit, wohin er zur Wahlveranstaltung mit dem Themenfokus „Kernstadt“ eingeladen hatte.

Und demonstrierte eben diese freunliche Bescheidenheit, schon bevor es losging. Das kleine Nebenzimmer hatte der 43-jährige Jurist aus Freiburg für diese Wahlkampftour-Station gebucht. Ein Tische-T, darum gruppiert zehn Stühle. Sein Gespür fürs richtige Format solle ihn nicht täuschen: Sechs Gäste träufeln ins behagliche Nebenzimmer: CDU-Gemeinderat Johannes Fischer zu Paulys Rechten sitzend, eine weitere Geschäftsfrau aus dem Zentrum, der Mediziner Clemens Willmann mit Frau und ein bekanntermaßen an Stadtpolitik interessiertes Ehepaar.

Weil die Runde so klein, die Hoffnung aber doch ein wenig größer war, gibt der am Vortag mit dem einstimmigen Votum der CDU-Mitgliederversammlung als neuer OB empfohlene Kandidat erst einmal die Regie „Wartezeit bei Smalltalk“. So avanciert Clemens Willmann noch vor der Begrüßung zum Redner, zeigt Mitgefühl mit den strapazierten Wahlkämpfern: „Sind Sie zufrieden bis jetzt?“ Und Pauly, der Anwalt, wird zum Diplomaten: „Es macht auf jeden Fall Spaß“.

Dann richtet er seine Einsfünfundachtzig auf vor dem kleinen Publikum und den Tischen mit brennenden Weihnachtskerzen. Stahlbauer Anzug, schicke Krawatte, Gel im Haar fast wie Thorsten Frei. Es gehe ja zuerst einmal darum, sich den Bürgern vorzustellen, hebt er an. Und listet seine Personalien. Sympathisch skizziert er seine Vita. Eigentlich sei er doch Rheinländer, aber dann hätten ihn seine Eltern „ins kalte Titisee-Neustadt verschleppt“. Der Anwalt, der freilich um Wirkungen der Pladoyer-Rhetorik weiß, macht Sympathie-Punkte, lässt die trockene Vita-Litanei immer mal wieder zu humorig-ironischen Bemerkungen schanzen.

Zwei kleine Geheimnisse

Mit den ineinander geschälten Händen vor dem Jackettknopf erzählt er dann, dass er auch oft Reserveoffiziersuniform trägt. Dass er noch heute als Reservist den zivilen Bundeswehreinsatz in Krisenszenarien mitzuorganisieren hätte, wenn es einen solchen gäbe. Dann lüftet er in der Liste seiner bisherigen Stationen in Beruf und Politik zwei kleine Geheimnisse. Als Jurist, der sich in einer Freiburger Kanzlei mit vier Anwälten auf Erbrecht und öffentliches Recht konzentriert, wollte er eigentlich bei der Kommunalwahl im Mai kommenden Jahres um ein CDU-Mandat im Freiburger Gemeinderat kandidieren. Davon aber habe er nun Abstand genommen, um sich um das Oberbürgermeister-Amt in Donaueschingen zu bemühen. Als parteiunabhängiger Kandidat, wie er betont, wenngleich ihn die CDU ausdrücklich unterstütze. Dabei – und das war der zweite Teil seiner „Geständnisse“ an diesem Abend – sei er schon einmal parteipolitisch fremdgegangen. Der FDP habe er zwischendurch mal angehört, bekennt Pauly freimütig. Um dann wieder einzumünden in die christdemokratische Parteienfamilie, wo er stellvertretender Kreisvorsitzender in Freiburg ist.

Ratgeber Thorsten Frei

Dem Portrait des Kandidaten folgt die Vision des Kandidaten. Und sein Motiv, beides zu verknüpfen. „Ich komme eigentlich von der Gegenseite, habe Mandanten auch schon gegen Kommunen vertreten. Vielleicht kann das mal hilfreich sein“, so erklärt er. Ob er sich den Seitenwechsel vom Schreibtisch des Rechtsanwalts in den OB-Chefsessel mit seiner beruflichen Vita zutrauen dürfte, dafür habe er ein ausgesprochen kompetentes Urteil eingeholt, erzählt er. Ex-OB Frei, selbst Jurist und dann Politik-Akteur, habe ihn mit seiner Einschätzung beschieden: Ein sehr qualifizierter Bürgermeister, eine tüchtige Stadtverwaltung und ein konstruktiver, kooperativer Gemeinderat stünden ihm ja zur Seite. Als Sorglos-Garanten gewissermaßen.Also wolle er das Projekt Oberbürgermeister mit so gestähler Zuversicht angehen, wolle sich der Herausforderung stellen, obwohl er Freiburg als Lebensraum schätze, obwohl seine Kanzlei gut laufe. Reizvoll sei das Spitzenamt in Donaueschingen wegen der ungleich größeren Wirkungswelle seiner Arbeit. Immerhin stehe hier ja gerade in den nächsten Jahren ein dickes Pensum von weit reichenden Aufgaben und auch Problemen an. Die Konversion aus der militärischen zur zivilen Nutzung des französischen Quartiers in der Kaserne zu allererst. Da wird Erik Pauly zum Optimisten: In 15 Jahren werde man sagen, das sei eigentlich eine Entwicklungschance gewesen, ist er sicher. Seine Lösungs-Vision des Problems: Neue Firmen ansiedeln, eventuell einen Sektor für Bildung, Unternehmen der Zukunftstechnologien. Kurzum: „Eine tragfähige Lösung muss geschaffen werden“, stellt er fest.

Mehr Bummelqualität

Keines neuen Fundaments, aber einer umfassenden Restaurierung von Form und Funktion bedürfe es, um die Innenstadt und damit die Erfolgschancen des Einzelhandels aufzuwerten, stellt Pauly fest. Fußgängerzone, Parkraumbewirtschaftung, Verkehrskonzept – all diese Aspekte gelte es in einem Arbeitskreis zu versammeln, über dem die Absicht steht, die gesamte Anmutung der City noch attraktiver zu machen. „Bummelqualität“ lautet sein Schlagwort, unter dem er nicht trennen will zwischen dem Reiz als Einkaufziel, als Parkraum für Autos und als Spazier-Promenade oder Straßencafé. Nach einmal einen kleinen Schatten an Zweifeln legt der OB-Kandidat auf die allgemeine Einschätzung, wonach die Stadtpolitik der Vergangenheit goldrichtig war. Und lobt das kollektive Selbstständnis in den Dörfern oder den Interessenslagern der Kernstadt, alle Forderungen unter den Vorbehalt zu stellen, damit die Stadtfinanzen nicht übermäßig zu strapazieren. Auch beim Blick dorthin, wo der Status quo nach Problemlösung verlangt, pflichtet Pauly lediglich der Relevanz solcher Fragestellungen bei, formuliert nicht etwa Ziele. Rezepte und Lösungen könne er noch nicht anbieten. Und gibt sich wieder betont bescheiden.

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