Donaueschingen Firmen sehen zielgerichtet, aber gelassen in die Zukunft

Arbeit 2030, Teil 2: Die digitale Welt wird beherrschender. Schulen und Wirtschaft sehen sich dennoch gut gerüstet.

Die Digitalisierung des Arbeitsmarktes ist weiter auf dem Vormarsch. Selbstfahrende Lastwagen und Züge, Roboter als Krankenpfleger und Buchhalter – fast jeder zweite Arbeitsplatz, so heißt es in Prognosen von Unternehmensberatern und IT-Spezialisten, könnte innerhalb von zwei Jahrzehnten überflüssig werden. Andere sehen die Entwicklung weniger dramatisch: „Zwar wird die vierte industrielle Revolution die Arbeitswelt tatsächlich erheblich verändern. Doch die menschliche Arbeitskraft wird dabei nicht überflüssig“, zitiert die „Welt“ Holger Bonin vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Wie stark sich der von der Digitalisierung getriebene Wandel auf die Arbeitswelt letztlich auswirken wird, ist offen. Klar ist dagegen, dass sich die Anforderungen an junge Menschen in deren Ausbildung verstärkt an die fortschreitende Digitalisierung anpassen wird.

„Durch die Digitalisierung werden sich die Berufsbilder nachhaltig ändern. Es werden Berufsbilder entstehen, die wir heute noch gar nicht kennen. Unsere künftigen Fachkräfte auf diese großen Veränderungen vorzubereiten, gehört deshalb zu den wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez.

Anders als in der Automobilbranche oder im Maschinenbau werde die Zukunft bei Straub Verpackungen in Bräunlingen ablaufen, meint Straub-Personalleiterin Viktoria Amann. Verpackungen, meint sie, würden sich auch in Zukunft nicht sonderlich ändern. Entsprechend ändere sich das Anforderungsprofil an künftige Azubis wenig. „Zuverlässigkeit und Werte stehen bei uns weiterhin ganz oben. Leider schwinden traditionelle Werte“, bedauert sie. „Fachlich fordern wir im Hinblick auf moderne Medien lediglich, dass diese kein Schrecken darstellen und man sich für alles Digitale offen zeigt.“ Schließlich müssten die Fachkräfte in der Produktion inzwischen mit PC und computergesteuerten Maschinen umgehen. „Aber das lernt man in der Ausbildung“, sagt Viktoria Amann.

Feilen steht auch im 21. Jahrhundert im Ausbildungskatalog in Metallberufen.
Feilen steht auch im 21. Jahrhundert im Ausbildungskatalog in Metallberufen.

Bei IMS-Gear als Zulieferer für die Automobilindustrie sieht man in Sachen Ausbildung gelassen in die Zukunft. „Die Informationstechnologie wird einen noch höheren Stellenwert haben“, ist sich Personalleiter Sebastian Lang sicher. Die Weiterentwicklung werde hier wohl auch in schnelleren Zyklen voranschreiten. Doch damit werde die nachwachsende Generation, die mit Computern aufwächst weniger Probleme haben als der Bestand. Komplett neue Berufsbilder werde es seiner Ansicht nach auch nicht geben. „Im Handwerk werden sich Berufe wie jener des Schreiners wohl kaum verändern. Und auch bei uns in der Industrie wird es moderate Anpassungen geben, etwa für den wachsenden Bereich der Sensorik.

“ Auch einem vielfach prophezeiten schnellen Stellenwechsel sieht Lang gelassen entgegen: „Wir machen die Erfahrung, dass für die neue Generation ein fester Platz ganz oben steht. Fachliche Entwicklungschancen genießen ebenfalls einen hohen Stellenwert. Und die Arbeit sollte sinnstiftend und für das Unternehmen wertvoll und nicht stupide sein“, sagt Lang über die Wünsche und Ziele der derzeit 170 Auszubildenden in einem guten Dutzend Ausbildungsberufen.

Für die Zukunft gut gerüstet oder auf dem besten Weg dahin sieht Oberstu-diendirektor Norbert Kias-Kümpers seine Gewerblichen Schulen in Donaueschingen. „Die neuen Lehrpläne sind zukunftsoffen, nicht rein inhaltlich, sondern kompetenzorientiert formuliert“, sagt er. So könne man als Schule schnell auf Entwicklungen reagieren.

Der Schulleiter nennt als Beispiel den Beruf des Bauzeichners oder Bautechnikers. „Hier wird bekanntlich seit Jahren mit CAD-Systemen, also computerunterstützt, gezeichnet. Allmählich setzt sich nun das BIM – Building Information Modeling – durch.“ BIM werde den großformatigen Baustellenplan ablösen. „Der Maurer wird künftig ein Tablet statt Plan aus Papier auf der Baustelle haben“, ist sich Norbert Kias-Kümpers sicher. Denn BIM sei ein auf 3D-Modelle basierter Prozess. Gemeinsam würden Architekten, Ingenieure oder Bauunternehmer über eine Daten-Cloud am selben Projekt arbeiten. „Das vernetzte Arbeiten macht das Hin- und Herschicken der Pläne per Mail überflüssig und das Planen effizienter. Deshalb arbeiten wir hier an der Schule bereits konsequent in 3D und schulen auch den Umgang mit Daten.“ Letzteres klinge banal, doch Daten ablegen und wiederfinden müsse gelernt sein. Das wisse jeder, der seine Urlaubsfotos auf dem Computer schon mal gesucht habe.

Technisch rüsten die Gewerblichen Schulen derzeit auch auf. Die Netzwerkverkabelung wird erneuert und bald gibt es WLAN im ganzen Haus. Der Glasfaseranschluss für schnelle Datenverbindungen wird wohl noch dieses Jahr erfolgen.

„Mit der Digitalisierung sind enorme Umbrüche zu erwarten“, sagt Martin Zwosta. Er ist stellvertretender Schulleiter der Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Schulen (KHS) Donaueschingen und Fachmann in digitalen Fragen. „Die Azubis der Zukunft werden ein hohes Maß an Eigenverantwortung und eine stabile Persönlichkeit brauchen. Bei allen jungen Menschen werden Grundkenntnisse der digitalen Welt notwendig sein“, erklärt er. Es werde zum Grundwissen gehören, ein Verständnis für digitale Strukturen zu haben: „Es geht darum, ein Gespür dafür zu haben, wie ein Programm tickt. Nur wer Basiswissen hat, kann auch mündiger Bürger sein“, sagt Zwosta.

Zahlen und Fakten zur Ausbildung

  • Was die Bewerber wollen: Die bundesweite Hitliste der zehn beliebtesten Ausbildungsberufe verändert sich seit vielen Jahren nur wenig – auch im Schwarzwald-Baar-Kreis. Vorneweg sind wieder kaufmännische Berufe. Für diese hatte mehr als ein Viertel der 1213 Bewerber aus dem Landkreis bei der Agentur für Arbeit zwischen Oktober 2016 und August 2017 Interesse angemeldet. Konkret interessierten sich 88 für eine Lehrstelle als Industriekaufmann oder -frau, dann folgen Kaufleute im Einzelhandel (85), Kaufleute Büromanagement (66) und Verkäufer (59). Begehrt sind ferner Ausbildungsplätze als Industriemechaniker (46), Medizinische Fachangestellte (45), Kraftfahrzeugmechatroniker (42), Zerspanungsmechaniker (38), Mechatroniker (37) und Automobilkaufleute (31). Während die 677 jungen Männer mit den Berufsbildern von Industriemechanikern, Kraftfahrzeugmechatronikern, Zerspanungsmechanikern und Mechatronikern auf den ersten vier Plätzen auf meist gut bezahlte Industriearbeitsplätze mit Zukunftspotenzial zielen, wünschen sich die 536 Bewerberinnen vor allem Ausbildungsplätze als Kauffrauen, Medizinische Fachangestellte, Verkäuferin, Friseurin oder Verwaltungsangestellte. Unter ihren beliebtesten zehn Ausbildungsberufen findet sich bei den Frauen kein einziges Berufsbild aus dem Bereich Technik und Industrie.
  • Was Ausbildungsanbieter suchen: Unter 1878 freien Ausbildungsplätzen, die Betriebe und Verwaltungen der Arbeitsagentur im Schwarzwald-Baar-Kreis zwischen Oktober 2016 und August 2017 meldeten, nahmen die kaufmännischen Berufe die drei Spitzenpositionen der zehn am häufigsten angebotenen Ausbildungsgänge ein: Kaufleute im Einzelhandel (117 Stellen), Verkäufer (80) und Industriekaufleute (79). Es folgen Industriemechaniker (62), Uhrmacher (56), Mechatroniker (54), Systemelektroniker (46), Köche (46), Werkzeugmechaniker (45) und Fachkräfte für Lagerlogistik (45).
  • Wie sich der Markt entwickelt: Im Bereich der IHK-Berufe geht die Zahl der registrierten Ausbildungsverträge in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg nach oben: Insgesamt bilden 1410 Betriebe 6873 Lehrlinge aus (Stichtag 31. August), 76 mehr als ein Jahr zuvor. Die meisten neuen Lehrverträge entfallen auf den Schwarzwald-Baar-Kreis, nämlich 956. In den fünf Landkreisen der Handwerkskammer bilden derzeit 2070 Betrieb 4413 Lehrlinge aus, davon sind 1634 Ausbildungsverträge neu, von denen 315 auf den Kreis entfallen (Stichtag 31. August). Die Handwerkszahlen sind im Vorjahresvergleich stabil. (jdr)

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