Donaueschingen Einbahnstraße an der Stadtkirche sorgt weiter für Kritik

Nach dem Gewerbeverein spricht sich auch "Wir für Donau" gegen eine Einbahnstraße an der Stadtkirche aus. Die Initiative prüft, ob ein Bürgerbegehren möglich ist. Übrigens: Zeitgleich zur Einrichtung der Einbahnstraße soll auch die Tempo-20-Zone in der Innenstadt vergrößert werden.

Das Verkehrskonzept: Viele Bestandteile hat es, aber über kaum etwas wird so kontrovers diskutiert wie über die Einbahnstraße an der Stadtkirche. Soll der Verkehr nun nicht mehr stadtauswärts fahren dürfen? Schwächt die Maßnahme den Donaueschinger Einzelhandel? Oder könnte so der Durchgangsverkehr wirklich aus dem Zentrum herausgehalten werden?

Der Gewerbeverein hat die Frage für sich eindeutig beantwortet: „Der eingeschlagene Weg kann uns Händler umbringen“, sagte Patrick Schmoll vom Gewerbeverein vor Weihnachten. Mittlerweile ist man dort auch noch von der Tempo-20-Zone überrascht worden, die bald eingeführt werden soll. Der Zeitpunkt ist noch offen: Denn es fehlen noch Schilder. Dann aber soll die Fürstenberg Straße zur Einbahnstraße werden und zeitgleich die Karlstraße und die südlich Innenstadt zu einer Tempo-20-Zone erklärt werden.

Auch von anderer Seite kommt nun Kritik an der Einbahnstraße auf: Die Initiative „Wir für Donau“, die kurz vor der Vereinsgründung steht, hat sich ebenfalls mit dem Thema auseinandergesetzt. „Wir sollten uns nicht ruhmreichen Versuchen aussetzen, die am Ende überhaupt nichts bringen werden“, sagt Christian Köster. Nicht nur als Geschäftsführer des Twist und des Twist hoch zwei, sondern auch als Privatperson bekommt er viel von der Verkehrssituation rund um die Stadtkirche mit – schließlich wohnt er auch mit bestem Blick auf die Kreuzung. Eine Einbahnstraße stadtauswärts würde – nicht nur seiner persönlichen Meinung, sondern laut „Wir für Donau“ – zu keiner Entlastung führen. Denn der meiste Verkehr, der die Straße „An der Stadtkirche“ hinaufführt, würde nach links in die Innenstadt fahren.

Auch stadtauswärts würde die Straße weniger genutzt, weil viele die unklare Vorfahrtssituation an der T-Kreuzung mit rechts-vor-links meiden würden. „Entweder man lässt es so, wie es ist, oder man macht die Einbahnstraße anders herum“, sagt Köster.

Und die Berechnungen des Fachbüros? Anstatt Experten zu fragen, sei es seiner Meinung nach besser gewesen, mit den Bürgern zu sprechen, die hier vor Ort wohnen und tagtäglich die Situation selbst miterleben. Gegen eine Verbannung des Durchgangsverkehrs aus der Innenstadt hat er nichts. Ihm geht es um diejenigen, die in die Innenstadt wollen. „Am Ende ist der Bürger nur noch genervt: Wenn man nicht mehr weiß, wie man hineinkommen soll und wie man wieder herausfindet, dann sucht man sich letztendlich eine Einkaufsmöglichkeit, zu der man wesentlich besser kommt“, sagt Köster mit Blick auf die beiden dezentralen Einkaufsmöglichkeiten am Posthof und am Donaucenter. Das Verkehrskonzept funktioniere seiner Meinung nach nicht, wenn es zwei dezentrale Magneten gibt. „Die Leute fahren dorthin, wo sie leicht hinkommen“, ist sich Köster sicher. Und der Bürger lasse sich nicht erziehen. Schnell würden neue Wege gefunden, die dann durch die Wohngebiete führen würden. „Durch die Einbahnstraße wird es keine Entlastung geben. Das ist eine Maßnahme, die über das Ziel hinausschießt.“

Während der Gewerbeverein sein Glück auf der politischen Ebene sucht, schlägt „Wir für Donau“ den Weg der Bürger ein. Die Idee ist ein Bürgerbegehren. Die rechtliche Prüfung läuft bereits, denn die Frage ist noch, ob dies auch möglich ist, wenn die Entscheidung schon vor Langem getroffen ist und die Maßnahme voraussichtlich schon umgesetzt wurde. „Wenn ein Bürgerbegehren rechtlich möglich ist, dann werden wir die Unterschriften sammeln“, sagt Köster. Wie der Gemeinderat dann reagieren werde, müsste man schauen. „Auf jeden Fall kann nachher niemand sagen, wenn sich die Einbahnstraße als Fehler herausstellt, dass wir nichts gesagt haben.“

 

Das Verkehrskonzept umfasst viele Bestandteile und soll die Innenstadt entlasten

Das Verkehrskonzept gehört neben dem Tourismuskonzept und dem Konversionsprozess zu den großen Themen, mit denen sich der Gemeinderat in den vergangenen Jahren beschäftigt hat. Zusammen mit einem Fachbüro wurden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, mit denen der Durchgangsverkehr in der Donaueschinger Innenstadt reduziert und die Aufenthaltsqualität gesteigert werden soll.

  • Hermann-Fischer-Allee: Als erste wurde in der Hermann-Fischer-Allee ein Radfahrerschutzstreifen aufgebracht. Diese Maßnahme wurde bereits im vergangenen Jahr realisiert. Für Diskussionen sorgte die Maßnahme deshalb, weil nun das Parken am Straßenrand nicht mehr möglich ist. Die Baugenossenschaft, der an der Hermann-Fischer-Allee ein Großteil der Häuser gehört, und die evangelische Kirchengemeinde waren darüber weniger begeistert.
  • Parkdeck: Das Parkdeck zählt neben dem Hindenburgring als einer der wichtigesten Bestandteile des Verkehrskonzeptes. Es soll auf der Wiese neben dem Rathaus entstehen. Allerdings ziehen sich die Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer Lidl. Durch das Parkdeck sollen auf zwei Decks maximal 200 Stellplätzen für den bestehenden Parkplatz gebaut und somit zusätzlich Parkmöglichkeiten für die Innenstadt geschaffen werden. Im Anschluss daran könnte dann die Zahl der Parkplätze im Bereich Karlstraße-, Max-Egon-und Zeppelinstraße halbiert werden. Dadurch versprechen sich die Planer eine höhere Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Sollte der Standort nicht möglich sein, gilt es als wahrscheinlich, dass das Parkdeck irgendwo anders realisiert wird.
  • Hindenburgring: Mit dem Ausbau des Hindenburgrings sollte eigentlich in diesem Jahr begonnen werden. Schon jetzt sind die beiden Knotenpunkte Villinger- und Friedhofstraße zu Spitzenzeiten an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Mit dem Einrichten einer Einbahnstraße an der Stadtkirche muss die Straße noch mehr Verkehr aufnehmen. Und durch die Erschließung des neuen Stadtviertels „Am Buchberg“ kommt noch zusätzlicher Verkehr hinzu. Damit die Straße aber als Umfahrung für die Innenstadt funktioniert, soll der Hindenburgring durch verschiedene Maßnahmen optimiert werden. Allerdings konnte sich der Technische Ausschuss bei der letzten Vorstellung der Planungen mit den Lösungen nicht ganz anfreunden. Eine Umsetzung ist nicht vor 2020 geplant.

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