Donaueschingen Bei Orgelkonzert Böhmen vor Augen und im Ohr

Andreas Rütschlin widmet sich an der Orgel von St. Johann Donaueschingen der Musik einer bedeutenden europäischen Region.

Andreas Rütschlin hat sein Konzert an der Mönch-Orgel von St. Johann in einen thematischen Rahmen von eigenem Reiz gefasst: "Böhmischer Barock – Böhmische Musik". In der von dem Prager Architekten Franz Maximilian Kanka entworfenen Stadtkirche wollte er ausschließlich Werke böhmischer Herkunft erklingen lassen. Dort wurde seit dem 18. Jahrhundert eine eigene starke Musiktradition geschaffen.

Rütschlin eröffnet sein Konzert mit einer Toccata und Fuge in d-Moll des nur in Organistenkreisen bekannten Barockkomponisten Josef Seger – beide Stücke in feierlicher Registratur und im Fugenthema mit einem markanten Mordent. Von Segers Schüler Jan Krtitel Kuchar ist eine Partita in C-Dur überliefert, bei der Rütschlin anschließend zwei seiner zahlreichen Stärken als Organist beweisen kann: sein unbeirrbares Durchhaltevermögen bei manuell anstrengender Repetition von Figuren und den geschmackssicheren Einsatz der reichen und nuancierten Klangfarben seines Instrumentes.

Nach seinem anspruchsvollen Konzert hat er allen Grund zur Freude: Andreas Rütschlin an der dreimanualigen Mönch-Orgel der Stadtkirche St. Johann. Bild: Gunter Faigle
Nach seinem anspruchsvollen Konzert hat er allen Grund zur Freude: Andreas Rütschlin an der dreimanualigen Mönch-Orgel der Stadtkirche St. Johann. Bild: Gunter Faigle

Einen Einschub ins 20. Jahrhundert bietet das Programm mit maßvoll disharmonischen Variationen von Petr Eben über den Choral "Singet das Lob unseres Gottes" aus dem Gesangbuch der von Jan Hus geprägten böhmischen Brüder. Gleich darauf kommen zwei Komponisten zu Gehör, die beide viele Jahre in den Diensten der Fürstenberger standen: der kaum gewürdigte Josef Fiala und der umso mehr gepriesene Johann Wenzel Kalliwoda. Eine Romanze von Fiala präsentiert Rütschlin mit fein ausgezierter Zurückhaltung, eine Mazurka und ein Scherzo von Kalliwoda mit tänzerischer Leichtigkeit und heiterer Lebendigkeit.

Zum Schluss macht Rütschlin sich an zwei Transkriptionen sinfonischer Schwergewichte: den zweiten Satz der Sinfonie "Aus der Neuen Welt" von Antonin Dvorak und "Die Moldau" von Bedrich Smetana. Wie er hier etwa die quirlige Tonmalerei zur akustischen Darstellung der beiden Quellflüsschen entfaltet, ist brillant. Rund 100 Zuhörer applaudieren herzlich. Rütschlin bedankt sich mit dem "Böhmischen Tanz" des Franzosen Claude Debussy.

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