Brita Krebs will auch künftigen Generationen ein Vereinsleben ermöglichen

Auf einen Kaffee mit: Brita Krebs, der Vorsitzenden der Brigachtaler Leichtathletik- und Turngemeinschaft (LTG). Sie spricht über das 25-jährige Vereinsjubiläum, Olympia und Doping.

Frau Krebs, was machen Sie beruflich?

(lacht) Die Tätigkeiten für den Verein kommen einem unbezahlten Halbtagsjob gleich. Nein, Spaß beiseite; nach einem dualen Studium der Betriebswirtschaft habe ich einige Jahre als Personalleiterin bei Mannesmann und Digital-Kienzle gearbeitet. Mit der Hochzeit und der Geburt meiner Kinder habe ich diese zeitintensive Tätigkeit beendet, in Teilzeit kaufmännische Aufgaben ausgeübt und mich fortan stark ehrenamtlich engagiert.

Die LTG Brigachtal feiert in diesem Jahr Jubiläum. Ist eigentlich auch ein Festakt oder eine offizielle Feier geplant?

Derzeit nein. Natürlich werden wir wieder am ersten Adventssonntag unsere traditionelle Jahresabschluss-Feier mit Vorführungen der Turnabteilung und Ehrung der jugendlichen Sportabzeichen-Empfänger veranstalten. Doch für einen klassischen Festakt fehlen uns zum einen die Helfer zum anderen aber auch die Gäste, da unser Verein ja in erster Linie aus Kindern und Jugendlichen besteht.

Wie weit sind Sie mit der Organisation für das Spiel- und Sportfest am 10. September?

Mit Geräten aus dem Sportmobil der Badischen Sportjugend Freiburg gedenken wir, spannende Spielstationen für Kinder und Jugendliche zu kreieren und der Auftritt eines Clowns bringt Spaß für Groß und Klein. Eine Herausforderung wird die Bewirtung im Festzelt; hier fehlen uns schlichtweg die Erfahrungen und das Equipment. Unser siebenköpfiges Vorstandsteam arbeitet aber hervorragend zusammen und ich denke, wir liegen gut in der Zeit, was die Organisation des Festes anbelangt.

Wie sehen Sie die Vereins-Entwicklung von 1991 bis 2016?

Fünf Jahre nach Gründung schuf der Verein die Sportstätte in Brigachtal/Klengen mit seinen leichtathletischen Anlagen, dem Geräteraum und dem Wettkampfbüro. In den letzten Jahren erweiterte der Verein die Anlage um Parkplätze, Wege, Überdachungen und ließ die rote Tartanfläche aufbereiten. Was die Mitgliederentwicklung anbelangt, hat sich der Verein sehr stabil bei 300 Mitgliedern eingependelt. Die Leichtathleten trainieren auf der heimischen Sportstätte und bestreiten zusammen mit ihren Kollegen der LG-Baar sehr erfolgreich regionale Wettkämpfe. Die Teilnehmer der Turnabteilungen sind in der Turnhalle Kirchdorf beheimatet. Rund 70 Prozent der Vereinsmitglieder sind unter 18 Jahre alt, rund ein Drittel der Mitglieder legt aktuell jährlich das Deutsche Sportabzeichen ab.

Ich denke, man muss als erste Vorsitzende eines sporttreibenden Vereins neben organisatorischem Talent auch sportlich sein, oder?

Muss man nicht unbedingt, es hilft aber sicher ungemein, eine persönliche Vorliebe für den Sport zu haben. Als Kind hatte ich die Möglichkeit, Vereinssport aktiv zu erleben und so möchte ich heute künftigen Generationen ebenfalls Vereinsleben ermöglichen.

Sie sind also schon von Kindesbeinen immer sportlich aktiv gewesen?

Ja, schon von klein auf habe ich Sport getrieben. Kunstturnen war mein Steckenpferd, aber auch Leichtathletik habe ich vereinsmäßig betrieben. Auch in der Schule habe ich alle Sport-AG’s belegt, die angeboten wurden; Trampolinspringen war mein Favorit, bei den Mannschaftssportarten lag Volleyball hoch im Kurs und in der Handballmannschaft stand ich mit Vorliebe im Tor.

Gibt es für Sie sportliche Vorbilder? Wen würden Sie gerne mal persönlich kennenlernen?

In der Leichtathletik haben die Zehnkämpfer meinen vollen Respekt. Innerhalb von zwei Tagen müssen die Sportler ihre vier Lauf- und je drei Sprung- und Wurfwettbewerbe bestreiten. Das erfordert echte Vielseitigkeit und Ausdauer der Sportler, mit hohen Anforderungen vor allem in den technischen Disziplinen. Gedanken habe ich mir noch nie gemacht, welchen Sportler ich einmal persönlich kennenlernen möchte, aber mein Zusammentreffen mit Heike Drechsler, Olympiasiegerin im Weitsprung 1992 und 2000, war sehr informativ. Mir gefällt es, wenn ehemalige Spitzensportler den Bezug zur sportlichen Basis nicht verlieren.

Derzeit laufen die Olympischen Spiele. Schauen Sie sich die Wettbewerbe an? Was sind da ihre Lieblingssportarten?

Tatsächlich schaue ich mir gerne nationale und internationale sportliche Wettbewerbe an. Da stehen dann natürlich die Sportarten im Vordergrund, die ich selbst betreibe. Allerdings muss ich sagen, dass mich als Zuschauer die leichtathletischen Disziplinen mehr begeistern als das Turnen. Die Athletenkarriere im Kunstturnen beginnt häufig bereits im Alter von vier bis fünf Jahren und ist von hartem Training, Entbehrungen und Verletzungen geprägt. Das schwingt immer im Hinterkopf mit, wenn ich die Wettkämpfe sehe.

Noch zum Dauerbrenner-Thema bei Olympia. Sozusagen die Kehrseite der Medaille: Doping ist in aller Munde. Macht das alles eigentlich noch Sinn?

Die einzelnen Sportarten brauchen ihre Helden; Entertainer wie Usain Bolt, die bei den TV-Großveranstaltungen medienwirksam auftreten, machen die Leichtathletik attraktiv. Ich finde es überaus schade für die sauberen Sportler, dass ihre Leistungen stets angezweifelt werden, beziehungsweise bei jedem Rekord sich ein Dopingverdacht aufdrängt. Anderseits ist es naiv zu glauben, dass weltweiter Leistungssport je frei von diesen „Hilfsmitteln“ sein wird.

Sind die Kontrollen aus ihrer Sicht flächendenkend genug? Gibt es Schlupflöcher? Was könnte man bei der Bekämpfung verbessern?

Nein, die Kontrollen sind sicher nicht flächendeckend. Ich glaube beispielsweise nicht, dass im nordöstlichen Afrika regelmäßig und gewissenhaft Blutproben von Sportlern genommen werden und ausreichend finanzielle Mittel vorhanden sind, um diese zu analysieren. Die besten Langstreckenläufer der Welt kommen aber gerade aus Kenia, Äthiopien und Eritrea. Der aktuelle Ausrichter der Olympischen Spiele hat die Dopingtests seiner Athleten kurz vor den Spielen ausgesetzt. Tja, wie kann man Doping nun effektiv bekämpfen? Da habe ich keinen geeigneten Lösungsvorschlag. Grundsätzlich gibt es für betrügerisches Handeln immer einen Weg. Sicherlich sollte es weltweit keine staatliche und gesellschaftliche Akzeptanz für Doping geben; Doping steht schlicht gegen den sportlichen Fair-Play-Gedanken. Andererseits sollte auch die Gesellschaft immer neue Rekorde von Sportlern einfordern und ihre Leistung nur in errungenen Olympischen Medaillen messen.

Ist der Ausschluss ganzer Nationen ein probates Mittel?

Ob der kollektive Ausschluss von Sportlern ein probates Mittel ist, möchte ich nicht beurteilen. Aber sicher hat die Aufdeckung staatlich gestützten Dopings eine längst überfällige Diskussion ausgelöst. Das weltweite Signal muss in Richtung „sauberen Sport“ lauten, wie auch immer man den durchsetzt.

Wie sehen ihre weiteren Pläne für die LTG aus?

Tatsächlich ist mir persönlich der gesunde Breitensport viel wichtiger als der Leistungssport. Ganz neu in diesem Jahr bietet die LTG Brigachtal Kurse zum Thema „Eltern-Kind-Turnen“ an. Damit wollen wir versuchen, wieder vermehrt junge Mitglieder für den Sport zu begeistern. Kinderturnen sehe ich als motorische Grundausbildung und einen Einstieg zu sämtlichen Sportarten.

Wenn im nächsten Jahr die Neuwahlen anstehen, lassen Sie sich wieder als erste Vorsitzende aufstellen?

Turnusmäßig steht die Neuwahl erst wieder 2018 an. Derzeit habe ich noch keine Planung über diesen Termin hinaus gemacht.

Fragen: Klaus Dorer

Zur Person

Brita Krebs wurde in Berlin geboren und ist in München aufgewachsen. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Seit 1992 lebt die Familie in Brigachtal-Klengen. Krebs ist nun seit zehn Jahren Vorsitzende der LTG Brigachtal, trainiert wöchentlich Gerätturner im Verein und leitet derzeit zusätzlich kommissarisch den Leichtathletikkreis Schwarzwald-Baar. Mit der Werbung um das Deutsche Olympische Sportabzeichen möchte sie Jung und Alt sportlich vereinen (kd).

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