Breisgau-Hochschwarzwald Er will Entlastung von der Bürokratie

Kandidaten im Portrait: Serie zur Landtagswahl. Bewerber im Wahlkreis 46 Freiburg I. Heute mit FDP-Kandidat Jens-Arne Buttkereit.

Die Freie Demokratische Partei (FDP) schickt im Landtagswahlkreis 46 Freiburg I Jens-Arne Buttkereit ins Rennen.

 

 

Wer er ist: „Ich mag die entspannte Liberalität der Badener und die anpackende Heimatverbundenheit der Schwarzwälder“, unterstreicht der im niedersächsischen Hannover geborene Jens-Arne Buttkereit. Der 46-jährige Manager und Geschäftsführer des international renommierten Internats Birklehof in Hinterzarten lebt mit seiner Frau und drei Töchtern im kleinen Schwarzwalddorf Breitnau. „Wir wohnen seit zehn Jahren hier, da kann man sich natürlich noch nicht Einheimischer nennen“, lacht er. Aber dass der Birklehof-Geschäftsführer schon ganz gut dazugehört, zeigen sein Engagement als Vorstandsmitglied im Breitnauer Kirchenchor, wo er und seine Frau mitsingen, sowie seine Wahl in den Gemeinderat, dem er seit 2014 angehört. Zum nordischen Skisport, der in Breitnau ganz oben auf der Beliebtheitsskala steht, hat er aber trotz Olympiasieger Riesle nicht unbedingt eine große Affinität. Schon eher liegt ihm der Alpinsport, was der Begeisterung für seinen Wohnort keinerlei Abbruch tut. Buttkereit isst am liebsten Schwarzwaldforelle sowie Tafelspitz und Preiselbeeren. Eben typisch badisch. Er ist auch ein begeisterter Cegospieler. „Das Cegospielen ist schon schräg, zu allem was man sonst kennt, aber es hat mich total gepackt, seit ich es bei Martin Wangler und Nicki König gelernt habe“, verrät er und freut sich auf die gemütlichen Winterabende beim Cegospiel. Ein Lieblingshobby von Buttkereit ist das Wandern. Sein Hund ist immer an seiner Seite, wenn er privat oder als Wanderführer des Schwarzwaldvereins bei Wind und Wetter mit unterwegs ist. Zu Buttkereits Lieblingsurlaubsort gehört im Sommer Eckernförde, wo er früher gerne mit seinen Großeltern die Sommerferien verbrachte. Im Winter ist es Breitnau. „Es ist einfach so wunderschön bei Wintersonne und Schnee“, schwärmt er. Der inzwischen eingefleischte Schwarzwälder und Diplom-Kaufmann absolvierte sein Abitur an der Kaiser-Friedrich-Schule in Bad Homburg und sein Abschlussstudium in Passau. Bevor ihn sein Weg in den Schwarzwald führte, arbeitete er als Finance Manager bei Procter & Gamble und Deloitte. Für Politik hat sich der Wahlschwarzwälder schon immer interessiert und ist seit 1989 Mitglied der Jungen Liberalen und der FDP. In der FDP ist Buttkereit, weil sie für ihn die einzige Partei von Liberalität und Freiheit ist, die darauf setzt, dass jeder Mensch selbst am besten weiß, was für ihn gut ist. „Wir sind alle groß und man muss uns nicht vorschreiben, ob ein Weihnachtsbaum in der Schulaula stehen darf, wo wir ein Windrad bauen sollen oder nicht dürfen, wie oft wir Fleisch essen dürfen, welche Schulen in unseren Gemeinden stehen sollen oder ob ein Hotel einen Erweiterungsbau erhält“, führt er die staatliche Bevormundung auf.

 

Was ihn antreibt: Buttkereit ist der Meinung, das Landtagsarbeit Wahlkreisarbeit ist und es einfach darum geht, den Wahlkreis in Stuttgart zu vertreten und gleichzeitig das ganze Land im Blick zu behalten. „Diesen Spagat finde ich total spannend, zumal man oft genug im Wahlkreis ist, um von Nachbarn zu hören, wo der Schuh drückt“, unterstreicht er. Außerdem geht es ihm um die Grundwerte, zu denen für ihn auf jeden Fall Gradlinigkeit, Ehrlichkeit und Respekt gegenüber anderen Menschen zählen. Der Birklehof-Geschäftsführer lebt und arbeitet gerne im Hochschwarzwald und liebt im Winter den Schnee, den dunkelblauen Himmel im Sommer und die abwechslungsreiche Landschaft. „Hier ist es wunderschön und ich möchte diese intakte Heimat meinen Kindern, die hier aufwachsen, erhalten“, untermauerte der FDP-Kreisvorstand im Breisgau-Hochschwarzwald seine Verbindung zu seinem Wahlkreis.

 

Was er anstrebt: Buttkereit möchte gerne in den Landtag, obwohl er, wie er sagt, nicht wie viele beamtete Landtagskandidaten eine Garantie dafür hat, dass seine Stelle nach vier Jahren und eventueller Nichtneuwahl noch frei ist. Der FDP-Landtagskandidat sieht den Hochschwarzwald als Standort hocherfolgreicher mittelständischer Unternehmen, intakte Heimat für Familien und Grundlage für unzählige Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, im Dienstleistungsbereich und im Handwerk. „Um diese über Jahrhunderte gewachsene Struktur zu erhalten, bedarf es politischen Einsatzes“, unterstreicht der Breitnauer. Dazu gehören insbesondere der Einsatz für die Infrastruktur im Internetbereich, aber auch gute Verkehrswege sowie Bildung mit starken weiterführenden Schulen. Dabei nennt der Internatsmanager Lenzkirch und Löffingen. Allerdings ist er von der Gemeinschaftsschule nicht unbedingt überzeugt. „Alle Kinder sind verschieden und ich bin überzeugt, dass darauf eine Einheitsschule eine gute Antwort ist“, so Buttkereit. Er weist auf erste Studien hin, die zeigen, dass die leistungsstarken Schüler mit der Pädagogik der Gemeinschaftsschule besser klar kommen als Schüler mit Förderbedarf. „Das ist aber genau das Gegenteil, was erreicht werden sollte“, unterstreicht der Internatsgeschäftsführer fachkundig. Außerdem brauche Baden-Württemberg die Handwerker, die Facharbeiter und die Techniker genauso wie Ingenieure und Rechtsanwälte. „Alle Berufe sind gleichwertig, aber alle haben unterschiedliche Anforderungen und deswegen halte ich eigenständige, aber verschiedenartige Schulen für sinnvoll“, dokumentiert er. Etwas differenziert sieht Buttkereit die Lage im ländlichen Raum, wenn die Gemeinschaftsschule dazu führen kann, dass ein wichtiger Schulstandort erhalten bleibt. „Daher befürworte ich die Gemeinschaftsschule in Lenzkirch“, so Buttkereit, der gerne an einer Lösung mitarbeiten würde. Weiter würde er sich politisch ernsthaft in der Entlastung der Bürger und Unternehmen von Bürokratie und staatlicher Bevormundung sowie von realitätsfernen Vorschriften einbringen. Ich möchte auf jeden Fall dazu beitragen, dass das schnelle Internet überall per Kabel und Funk möglich ist. Außerdem fahren wir öfters nach Freiburg und es wäre schön, wenn der Ausbau der B 31 mit Stadttunnel, Falkensteigtunnel, Hinterzartener-Tal und ein dreispuriger Ausbau der B 31 zwischen Friedenweiler-Löffingen mit einem massiven Ausbau des Lärmschutzes über die gesamte Strecke forciert würde. Weiter fordert er einen vereinfachten Ausweis von Baugebieten und eine starke Lockerung der Landesbauverordnung sowie die Rücknahme unsinniger Vorschriften im neuen Jagdgesetz. Ein weiteres Ziel von ihm ist die Anhebung der Einstellungszahlen von Streifenpolizisten. Beim Thema Biosphärengebiet ist der ehemalige Finance Manager der Ansicht, dass jede Gemeinde über eine Teilnahme selbst entscheiden sollte. „Ich habe hier den Eindruck, dass die angesetzten Personalkosten, die wir mit Steuern bezahlen, in keinem guten Verhältnis zum Ergebnis stehen“, moniert Buttkereit die Biosphärenpolitik.Als Gemeinderat hat er in Breitnau den Ergebnissen des Planungsverbandes Windenergie für den Hochschwarzwald zugestimmt. „Dieser hat mit Ausnahme von drei Flächen, die sich im Eigentum der Stadt Titisee-Neustadt befinden, keine Standorte identifiziert, die einen ausreichenden Abstand zur Wohnbebauung aufweisen und keine Naturschutzgebiete tangieren, eine ausreichende Windhöffigkeit aufweisen und zudem das Aufstellen mehrerer Anlagen ermöglichen“, resümiert er. „Die Gemeinden haben für diese Studie einen sechsstelligen Betrag aufgewendet und daher halte ich den pauschalen Vorwurf der grünen Regierungspräsidentin, hier habe eine Veränderungsplanung stattgefunden, für unangemessen“, bekundet der Landtagsbewerber der FDP seine differenzierte Meinung zur Windkraft.

 

Wie er die Lage einschätzt: Die letzten Umfragen zeigen, dass die FDP damit rechnen kann, wieder im Landtag vertreten zu sein. Dies ist nach dem schwachen Ergebnis 2011 und dem Ausscheiden aus dem Bundestag 2013 ein motivierendes Zeichen, dass die freien Liberalen und ihre Werte der Liberalität, der Offenheit und der Freiheit auch weiterhin ihre Anhänger finden. Der Hochschwarzwälder FDP-Landtagskandidat hält folgende Koalitionen in absteigender Reihenfolge für wahrscheinlich: 1. Grüne-CDU, 2. Grüne-SPD und 3. CDU-Grüne. Die Frage sei dabei, wer stelle den Ministerpräsidenten. Auf jeden Fall brauche es für ihn eine starke FDP als Oppositionspartei.

 

 

Bewerber-Check

Wer sind die Landtagskandidaten von CDU, Grünen, SPD, FDP, AfD und Linke im Wahlkreis 46 Freiburg I? Woher kommen sie, für was stehen sie, was sind ihre Ziele?

 

Der SÜDKURIER stellt in seiner Serie Kandidaten im Porträt die Bewerber vor: Klaus Schüle (CDU), Reinhold Pix (Grüne), Walter Krögner (SPD), Jens-Arne Buttkereit (FPD), Andreas Juschkat (AfD) und Lothar Schuchmann (Die Linke).

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