Bräunlingen Brunnengeschichte weckt großes Interesse

Die Wanderung lockt mehr als 60 Teilnehmer, zuvor konnte, wer wollte, die Sonderausstellung zum Thema Wasser im Kelnhofmuseum besichtigen.

Mehr als 60 Interessierte trafen sich zur Brunnenwanderung vor dem Kelnhofmuseum. Elisabeth und Christof Reiner hatten zu dieser Kulturveranstaltung eingeladen. Joachim Schweitzer bereicherte die einzelnen Stationen mit fundiertem Hintergrundwissen. Wer wollte, konnte im Vorfeld die Sonderausstellung zum Thema Wasser im Kelnhofmuseum besuchen.

Christof Reiner, Vorsitzender des Kulturfördervereins, begrüßte die zahlreichen Gäste und erklärte den früheren Sinn der Brunnen. Er war nicht nur da zum Trinken, sondern auch Austausch untereinander und zum wortwörtlichen "Schmutzige Wäsche waschen" da. Ein Treffpunkt für jedermann, weil man für jedes Glas Wasser aus dem Haus musste. Vor 120 Jahre bekam Bräunlingen dann Wasser in die Häuser. 1950 gab es noch neun Brunnen in Bräunlingen, jetzt sind es noch fünf.

Christof Reiner erklärt den Marienbrunnen.
Christof Reiner erklärt den Marienbrunnen. | Bild: Christina Rademacher

Erste Station war der Nikolausbrunnen. Dort, wo der Brunnen plätschert, stand bis ins 17 Jahrhundert die Nikolauskapelle. Den Brunnen ziert eine gotische Säule von 1567. In der Grotte an dem Brunnen steht der Heilige Nikolaus. Zum Trost für die vielen einsamen Stunden sangen die Besucher ihm das erste Nikolauslied. Die Nichte von Dekan Horner, Veronika, sagte noch ein Gedicht auf. Die Brunnenanlage wurde 1963 erbaut. Die Skizze kam vom Kunstmaler Hornung. Der Brunnentrog wurde im Austausch gegen einen Betontrog von Alfred Fehrenbach aus Bruggen bereit gestellt.

Weiter ging es zum Narrenbrunnen beim E-Werk. Joachim Schweitzer erläuterte die Entstehungsgeschichte des originellen Brunnes. Für die Narrenzunft war er im Sommer 2004 ein Großprojekt. In und am Brunnen sind alle Figuren und Gruppen der traditionellen Bräunlinger Fasnet verewigt. Die Anlage um den Brunnen symbolisiert die Blaumeerstraße. Der Brunnen kostete 230 000 Mark und die Anlage 80 000. 125 000 kamen als Spenden von Bräunlingern wieder rein. Als kleine Aufmerksamkeit gab es, wie an Fasnet, für jeden Wurst und Wecken, die auf dem Weg zum nächsten Brunnen verzehrt wurden.

Station zwei ist der Narrenbrunnen, über den Wegbegleiter Joachim Schweitzer viel zu erzählen hat.
Station zwei ist der Narrenbrunnen, über den Wegbegleiter Joachim Schweitzer viel zu erzählen hat. | Bild: Christina Rademacher

Am Marienbrunnen erläuterte Christof Reiner, dass die Figur zehn Jahre älter als der Brunnen ist. Der Brunnen stand bis 1966 in der Hauptstraße. 2004 wurde er vom Kulturförderverein restauriert. Bei einer weiteren Renovation 2014 musste man feststellen, dass die Figur zu schwer beschädigt war und man ließ für 12 500 Mark ein Replikat herstellen. In der Fasnet spielt der Brunnen eine große Rolle bei der Geldbeutelwäsche. Daher bekam jeder einen Schokogoldtaler.

Der Gumpp-Brunnen am Rathaus ist der einzige Brunnen, der noch Trinkwasser führt, daher durfte jeder einen Schluck Bräunlinger Wasser nehmen. Der Brunnen wurde im September 1955 eingeweiht. Johann Konrad Gumpp war der Oberschultheiss, der im Jahr 1685 den Bräunlinger Wald vor dem Zugriff der Grafen von Füstenberg rettete. Heute wirft er von seinem Podest immer noch einen Blick auf das Rathausgeschehen.

An der Volksbank steht der Remigiusbrunnen. Remigius fungiert als Stadtpatron. Er war ein Bischof um 500 im heutigen Frankreich und wird als Wegbereiter des Christentums in Europa gesehen. Der sehr alte Brunnen erhielt 1960 einen neuen Trog.

Zum Abschluss am Brunnen in der Sommergasse genießen die Teilnehmer ein Gläschen Wein.
Zum Abschluss am Brunnen in der Sommergasse genießen die Teilnehmer ein Gläschen Wein. | Bild: Christina Rademacher

Letzte Station war der Brunnen in der Sommergasse von 1878. Auf dem ist ein Schild zu sehen, auf dem jedem Fuhrwerker eine Strafe von zehn Mark drohten, wenn er sein Vieh beim Tränken nicht abspannte, weil es sonst zu Beschädigungen am Brunnen kommen könnte. Als der Trog später undicht wurde, legte man ein nicht sichtbares Kunststoff-Inlett ein. Die abwechslungsreiche zweistündige Führung fand mit Schinken und einem Glas Wein ihren Abschluss.

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