Blumberg Zollhauser Pfetzergericht verurteilt SÜDKURIER-Redakteur Bernhard Lutz - Mit Video

Delinquent verteidigt sich mit schwäbischen Versen – weshalb das Urteil besonders hart ausfällt

Seit 26 Jahren reiht sich das Hochlöbliche Pfetzergericht zu Zollhaus in eine Tradition von sogenannten Rügebräuchen (so der Volkskundler Werner Mezger) in die alemannische Fasnacht ein. Fasnacht persifliert die reale Welt, und die kommt ohne Gerichtsbarkeit nicht aus. Während die Narrengerichte mit Fernseh-Ambitionen grundsätzlich deutschlandweit bekannte Delinquenten vor den Kadi ziehen, wollen die Pfetzer lokalen Promis den Narrenspiegel vorhalten. Dieses Jahr musste sich Bernhard Lutz, der zum Bleistiftakrobaten beförderte Leiter der SÜDKURIER-Redaktion Blumberg, seine Schandtaten vorhalten lassen. Er verteidigte sich zwar ebenso wortgewandt wie gereimt – seiner Strafe entging er trotzdem nicht.

 

 

Eine Gerichtsverhandlung hat Regeln, die auch am Fasnachtsdienstag eingehalten gehören. Als Vorsitzende Alexandra Waimer, Ankläger Werner Waimer und Fürsprecher Thomas Volz den Gerichtssaal betraten, erhoben sich die Besucher, die gerade noch von den schmissigen Klängen des Fanfarenzugs unter Leitung von Tim Lengsfeld unterhalten wurden, von den Sitzen. Wie sich im Laufe des Prozesses aber herausstellte, war das genug Disziplin für diesen Vormittag. Denn immer wieder beflügelten freche Zwischenrufe die Verhandlung. Als besonders lautstarke Exemplare taten sich der Blumberger Narrenpräsident Dieter Selig und Bürgermeister Markus Keller hervor, zwei Ex-Angeklagte. Keller hatte erst am Sonntag seine Strafe angetreten: Er musste als Obernarr den Umzug anführen. Über ihre in den Gerichtssaal geschleuderten "Böswilligkeiten" wollen wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens decken. 

 

Bernhard Lutz, von Gerichtsdiener Silvio Waimer vorgeführt und auf gefährliche Waffen und eine scharfkantige Zahnprothese durchsucht, musste sich vom Ankläger schwere Schandtaten vorhalten lassen: Saumäßig miserable badische Sprachkenntnisse und somit mangelnde Integrationsbereitschaft, schamloses Ausnutzen einer Monopolstellung und Verunglimpfung hoch gestellter närrischer Persönlichkeiten. Das saß. Und mit der schwäbischen Herkunft des Angeklagten hatte er auch seine Mühe: "Es ist ja keine Sünde Schwabe zu sein, aber eine Schand!", so Werner Waimer. Bei dem Namen Lutz denke er sowieso an etwas anderes, nämlich an einen "gscheiten Wurstsalat". Bei Wipikadidingsbums habe er sich dank schnellen Internets über Lutz schlau gemacht. "Da steht als erstes XXXL Lutz, also des kann der nicht sein." Außerdem fiel ihm auf, dass man sich in Blumberg keine zweite Meinung mehr bilden könne: "Ätschibätsch, im Schwabo steht genau das gleiche, und auch vom Lutz." Seine vorgeschlagene Strafe: Pressesprecher des Bürgermeisters.

Bei solchen Anklagepunkten hatte es Fürsprecher Thomas Volz schwer. Das mit der zweiten Meinung konnte er aber widerlegen, denn "das Einzige, was die Pfetzer intensiv lesen, sind die vielen Prospekte am Samstag und zwar nur, weil es dort viele Bilder gibt." Die vom Ankläger geforderte Strafe lehnte er ab: "Laut der Pfetzergerichtsordnung muss im Urteil klar festgelegt sein, wer bestraft werden soll."

Bernhard Lutz bekannte sich schuldig, gestand den Zollhausern zu, sehr unter der Verkehrsbelastung zu leiden und kündigte an, einen zweiten Sprachkurs zu besuchen. Und dann zitierte er auswendig aus Ludwig Uhlands Schwabenstreichen. Doch selbst so viel literarisches Wissens konnte das Gericht nicht umstimmen. Das Urteil: Der Angeklagte muss ausführlich über das 60-Jahr-Fest des Fanfarenzugs in diesem Sommer berichten und für die Aktiven von Zunft und Fanfarenzug eine Besichtigung des SÜDKURIER-Medienhauses in Konstanz organisieren. Beides sollte klappen.

 

Sprachtest

Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Das gilt für Asylbewerber genauso wie für Exilschwaben. Hier der Test, dem sich Bernhard Lutz unterziehen musste ("Woasches oder woasches it"?):

1 Badengele: a Badeplatz für Kinder am Bach, b Schlüsselblumen, c süßes Kleingebäck

2 äschtimiere: a die Asche aus dem Ofen holen, b jemanden anerkennen, c im Wald die Bäume entasten

3 enidiesele: a anschleichen, b Deichsel anbringen am Heuwagen, c Anispflanzen ausjäten

4 Bodensori: a Vers aus dem Koran, b kleiner Mann, c Bodensäure

5 Schliefere: a Gleitbahn für Kinder, b Schild mähen im Ried, c Sense schleifen zum Mähen

6 Reissmateis: a dünne brüchige Eisschicht, , b süßer gekochter reis, c rheumatische Beschwerden

7 dischgeriere: a diskutieren, b Tisch zum Essen herrichten, c Unkraut

8 Kueseggel: a Ochsenschwanz, b Donaueschinger, c Kuhhorn

Lösung: 1b, 2b, 3a, 4b, 5a, 6c, 7a, 8b

 

 

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