Blumberg In Berlin will Marcel Klinge für Blumberg "nerven"

FDP-Bundestagskandidat besucht Blumberg und verspricht Einsatz für Ortsumfahrungen

Für die FDP war Blumberg bei Bundestagswahlen immer ein gutes Pflaster. In den vergangenen knapp 30 Jahren erzielten die Liberalen in der Kernstadt und den acht Ortsteilen bis auf eine Ausnahme im Jahr 2005 (siehe Grafik) immer bessere Ergebnisse als ihr das bundesweit gelang. Das soll auch so bleiben, findet der FDP-Bundestagskandidat Marcel Klinge, der gestern zum Auftakt seiner Städte-Tour durch den Wahlkreis zusammen mit dem FDP-Ortsverbandsvorsitzenden Patrick Leismann und FDP-Gemeinderat Werner Waimer bei Blumbergs Bürgermeister Markus Keller Station machte. Klinge, der sich zum dritten Mal um ein Bundestagsmandat in Belin bemüht, will im Wahlkreis Schwarzwald-Baar ein zweistelliges Ergebnis für seine Partei erzielen. Die Region brauche einen zweiten Abgeordneten neben Thorsten Frei (CDU) in Berlin, der die Interessen seiner Region vertrete, so Klinge.

Bekanntlich soll man das Fell des Bären erst verteilen, wenn das Tier erlegt ist. Doch Marcel Klinge ist zuversichtlich, dem nächsten Bundestag anzugehören. Optimistisch stimmt ihn sein sechster Platz auf der Landesliste. Wenn die FDP die Fünf-Prozent-Hürde, an der sie bei der Bundestagswahl 2013 gescheitert war, am 24. September nehmen sollte, dann erlebt Klinge sein Déjà-vu im Bundestag – denn als Student hat er da einst schon erste Erfahrungen im Politikbetrieb sammeln dürfen. Und laut der jüngsten Umfragen sollte die fünf-Prozent-Klausel den Liberalen dieses Jahr keinen Kummer bereiten.

Marcel Klinge will der zweite Kümmerer der Schwarzwald-Baar-Interessen in Berlin werden, denn wenn "zwei nerven, hat man bessere Möglichkeiten, auch etwas durchzusetzen", sagt er im Pressegespräch. Auf seiner Agenda ganz oben stehen Verkehrsfragen und hier vor allem die Umfahrungen von Randen und Zollhaus, in Blumberg ein Thema, das die Einwohner seit vielen Jahrzehnten umtreibt. Das erste, was er als Bundestagsabgeordneter machen werde, sei ein Brief an Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) aufzusetzen, in dem er sich für die beiden Ortsumfahrungen stark mache. Laut dem aktuellen Bundesverkehrswegeplan genießen beide Projekte den Status "vordringlicher Bedarf", doch Hermann wolle bis Oktober dieses Jahres die Straßenbaumaßnahmen im Land neu priorisieren. Da hieße es, aufzupassen, dass Zollhaus und Randen nicht zurückgestuft werden.

Ein weiteres Anliegen ist Klinge, die Gäubahn zwischen Zürich und Stuttgart für Bahnkunden attraktiver zu machen. Er brauche über zwei Stunden, um von seiner Heimatstadt Villingen-Schwenningen zum Stuttgarter Flughafen zu gelangen, inklusive viermaligen Umsteigens. Das könne es doch nicht sein, da müsse man Druck machen. Auch der Fluglärm durch den Zürcher Flughafen, um den es in jüngerer Vergangenheit ruhiger geworden ist, steht für den Liberalen nach wie vor auf der Tagesordnung. Die Stuttgarter Erklärung, in der ein fairer Lastenausgleich gefordert wird, gelte immer noch. Es sei nicht zu akzeptieren, dass die meisten Starts und Landungen immer noch im deutschen Luftraum abgewickelt werden.

In Sachen schnelles Internet lobte Klinge seinen Kreistagskollegen Markus Keller für dessen Engagement, das seinesgleichen suche. Auch die FDP mache sich für den Breitbandausbau stark, sie habe deshalb in ihr Wahlprogramm ein extra Digitalisierungsministerium aufgenommen. Das soll mit einem Etat von rund vier Milliarden Euro ausgestattet werden, um vor allem im ländlichen Raum große Übertragungskapazitäten möglich zu machen. Finanziert werden soll das mit den Erlösen, die aus der Privatisierung der Telekom stammen, sagt Klinge.

Woher kommt es eigentlich, dass die FDP in Blumberg in der Vergangenheit immer so stark war? Gemeinderat Werner Waimer beantwortet diese Frage mit den Charakterköpfen, die einst in Blumberg "Liberalismus vorlebten": Harald Mattegit, Helmut Ochs oder Gustav Wiggert. Im Land war Ernst Pfister der Marathon-Abgeordnete, der es bis zum Wirtschaftsminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten brachte und mit Ernst Burgbacher saß für den Nachbarwahlkreis Tuttlingen/Rottweil ein prominenter FDP-Mann im Bundestag. Heute ist Waimer ein Einzelkämpfer im Blumberger Gemeinderat, der es laut eigenen Angaben schwer habe, sich Gehör zu verschaffen. Mit Marcel Klinge gelte es nun, das Potenzial der FDP in Blumberg wieder auszuschöpfen.

Waimer ist vom Ergebnis der Landtagswahl für seine Partei ein wenig enttäuscht, besonders nagt an ihm, dass die AfD in seinem Heimat-Teilort Zollhaus mit 28 Prozent doppelt so viele Stimmen einfuhr als die FDP. Jetzt setzt er auf Marcel Klinge, der im Falle seiner (fast sicheren) Wahl einen Sitz im wichtigen Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr anstrebt.

Zur Person

Marcel Klinge ist 36 Jahre alt, ledig, in Villingen-Schwenningen geboren und machte sein Abitur an der Albert-Schweizer-Schule. Nach dem Zivildienst studierte er in Berlin Politik und Soziologie, die Promotion schloss sich an. In dieser Zeit arbeitete er auch als freier Journalist. Von Beruf ist er Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion, davor war er Pressesprecher eines Familienunternehmer-Verbandes. Seit drei Jahren macht er als Kreis- und Gemeinderat auch Lokalpolitik. Beim Bundesparteitag der FDP Anfang Mai ist mit Klinge erstmals ein Mitglied der Schwarzwald-Baar-Liberalen in das oberste Entscheidungsgremium der Partei gewählt worden. Zuvor war er als einer von drei Beisitzer-Kandidaten für das Gremium nominiert worden. „Ich freue mich, dass es gleich beim ersten Anlauf geklappt hat“, kommentiert Klinge damals seine Wahl. Bildung, Digitalisierung und Steuern, mit diesen Schwerpunktthemen soll der Wiedereinzug in den Bundestag klappen. „Mit dem Zustand unseres Bildungssystems können wir nicht zufrieden sein. Der globale Wettbewerb um die klügsten Köpfe ist brutal. Daher wollen wir dem Bund mehr Mitspracherecht bei der Finanzierung geben. Dazu sollen künftig Mittel aus der Mehrwertsteuer direkt ins Bildungssystem fließen", so Klinge. (hon)

Der Kandidat im Internet:www.marcel-klinge.de

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