Riedöschingen/Hondingen Bürgerforum will Lebensraum auf der Länge erhalten

Das Forum "Rettet die Länge" informiert am Sonntag, 17. September, in Riedöschingen über die Windkraft und die Energiewende. Ein Film zeigt Bewohner in den acht Anlieger-Ortschaften.

Der Lebensraum auf der Länge beschäftigte am Donnerstagabend sieben Anwohner im Riedöschinger "Längehaus": Bernhard Keller und Margit Reichle aus Riedöschingen, Angelika Sitte aus Hondingen, Volker Gut und Alfred Rothmund aus Fürstenberg, Heike Theuerkauf aus Geisingen sowie Edgar Schmieder, Vorsitzender der "Bürgerinitiative zum Schutz des Hochschwarzwalds". Wegen des geplanten Windparks mit allein zwölf Windrädern auf der Länge und dem Ettenberg haben sie sich mit anderen wie Luzia Bausch aus Hondingen zum Forum "Rettet die Länge" zusammengeschlossen, als regionale Abteilung der genannten Bürgerinitiative. Ihnen liegt am Herzen, die Länge mit ihrer Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren sowie als Naherholungsgebiet und Wildkorridor von internationaler Bedeutung zu erhalten.


Am Donnerstag ging es um die Informationsveranstaltung des Forums am Sonntag, 17. September, in der Riedöschinger Kompromissbachhalle. Darin wollen die Bürger informieren, worum es bei der Energiewende eigentlich geht. Nach der unglücklich strukturierten Veranstaltung im Längehaus vor ein paar Wochen wollen sie es nun besser machen. Zum Auftakt wird ein Film über die Länge gezeigt, in dem Margit Reichle, sowie Klaus Meilhammer aus Riedöschingen und Raphael Meilhammer aus Hondingen Anwohner in den acht Orten rund um die Länge interviewt haben: in Hondingen, Riedöschingen, Leipferdingen, Aulfingen, Gutmadingen, Neudingen, auf dem Schächer und natürlich in Fürstenberg. Die Befragten schildern ihr Verhältnis zur Länge sowie ihre Ängste und Sorgen, wenn der Windpark gebaut würde.

Nach dem Film folgen vier Fachreferate: einmal zum Wald und dem Artenschutz; ferner über die Stromversorgung für die Region; drittens über mögliche Alternativen der Stromversorgung und das Gesamtkonzept der Energiewende unter Einbeziehung der Mobilität und der Wärme. Ein vierter Referent informiert über den Stand des Genehmigungsverfahrens, den Stand der Bürgerintiative sowie darüber, was der einzelne Bürger in dem Verfahren tun kann. Anschließend ist eine Fragerunde vorgesehen.

Als Alternativen zur bisherigen Stromwirtschaft hat Edgar Schmieder, Vorsitzender der Bürgerinitiative, eine klare Vorstellung: Das Energiewirtschaftsgesetz müsste so geändert werden, dass sich für die Industrie dezentrale Lösungen für Strom, Kälte und Wärme rechnen. Nach Zahlen des deutschen Industrieverbands, so erklärte Schmieder, könnte die Industrie ihren Strombedarf zu 40 Prozent selbst vor Ort produzieren, wenn sie unter anderem einen diskriminierungsfreien Zugang in die Netze mit den entsprechenden Vergütungen erhielte.

Diese Lösungsansätze gebe es schon, so würden sich namhafte Konzerne bereits seit mehreren Jahren ernsthaft mit diesem Thema beschäftigen, eine Marktdurchdringung sei 2018 geplant: "Jedes Gebäude wird ein Kraftwerk und gleichzeitig ein Speicher mit der Option, den Strom an Nachbargebäude und Betriebe abzugeben. Doch dies müsse politisch gewollt sein und würde für die Engergiekonzerne das Ende ihres Monopols bedeuten.

Der Uhrzeiger im Längehaus geht Richtung 22.30 Uhr, als Edgar Schmieder schildert, was ihn dazu bewogen hat, sich in der Bürgerinitiative zu engagieren. Als die baden-württembergische Landesregierung 1973 den Bau eines Kernkraftwerks in Whyl am Kaiserstuhl beschlossen habe, hätten vier Winzer zusammengesessen, die Angst gehabt hätten, dass ihre Reben wegen des Wasserdampfs aus den Kühltürmen des Kraftwerks zu wenig Sonne erhalten und deshalb nicht mehr reifen könnten. Daraus habe sich der letztlich erfolgreiche Widerstand in Whyl entwickelt. Ministerpräsident Hans Filbinger, ein Atomkraft-Befürworter, habe damals wörtlich behauptet: "Wenn Whyl nicht gebaut wird, gehen in Baden-Württemberg die Lichter aus." Kein einziges Licht, so Edgar Schmieder, sei bis heute ausgegangen, im Gegenteil: "Wir sind Europameister im Stromexport." Er selbst habe sich damals als Physik-Student gegen die Atom-Pläne engagiert. Sie hätten ausgerechnet, dass Baden-Württemberg schon zur damaligen Zeit eine Überproduktion an Strom erzeugt habe. Genauso wenig wie die Behauptung des damaligen Ministerpräsidenten stimme heute die Behauptung, wenn die Stromtrasse vom Norden in den Süden nicht gebaut würde, würde der Industrie im Musterländle eine Stromunterversorgung drohen.

Die Informationsveranstaltung des Forums "Rettet die Länge" ist am Sonntag, 17. September, ab 18 Uhr in Riedöschingen in der Kompromissbachhalle. Eingeladen sind alle Interessierten, der Eintritt ist frei.

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