Blumberg Blumberger Hegeringchef wirft Flinte ins Korn

Manfred Bouillon ist zurückgetreten. Grund: Jäger seien die "Prügelknaben der Nation".

Der Hegering Blumberg muss schon wieder einen neuen Vorsitzenden suchen. Manfred Bouillon, der vor knapp einem Jahr zum Nachfolger von Thomas Fischinger gewählt wurde, hat bei Kreisjägermeister Knut Wälde seinen Rücktritt eingereicht. Gerüchte, wonach Bouillon nach einem Streit mit Wälde den Entschluss gefasst hat, beim Hegering Blumberg als Chef aufzuhören, erweisen sich nach Recherchen dieser Zeitung als falsch.

Fischinger hatte den Posten zwei Jahre inne und führte den Zusammenschluss der Blumberger Jäger wieder in ruhiges Fahrwasser, nachdem die im April 2014 vom Gemeinderat eingeführten drei Regiejagden in den Blumberger Revieren (aktuell sind es fünf) bei einigen langjährigen Jagdpächtern auf großen Protest gestoßen war. Damit begründete auch der damalige Hegeringchef Ekkehard Jeserich seinen Rücktritt: Regiejagden und revierübergreifende Drückjagden waren mit dessen jagdethischen Grundsätzen nicht vereinbar, und auch die Fleischqualität gehetzten Wildes würde leiden, so seine Kritik. Außerdem wollten die Regiejagd-Kritiker die Tiere selbst auswählen, die sie schießen – weil sie lieber auf schwaches und altes Wild anlegen. Die neuen Pachtbedingungen führten in ihren Augen dazu, dass sie quasi alle Rehe schießen müssten, die sie sehen. Andererseits: Bei der Zertifizierung des Stadtwalds im vergangenen Jahr betonte ein Sachverständiger, dass die Verkleinerung der Jagden, neue Pachtverträge und die Etablierung der Regiejagden zu "angepassten Wildbeständen" geführt habe, die Schäden durch Wildverbiss hätten deutlich abgenommen. "Die Regiejagden sind in ihrer Wirkung unübertroffen und genau richtig", so der Experte Alfred Raunecker.

Jeserich wiederum folgte auf Manfred Bouillon, der bereits von 1990 bis 2005 dem Hegering vorstand. Bouillon legte damals den Posten nieder, weil die vielen Aufgaben eines Hegeringchefs nicht mehr mit seinem Beruf als selbstständiger Physio- und Ergotherapeut zu vereinbaren waren. Diese Begründung zieht jetzt nicht mehr. Bouillon befindet sich im Ruhestand. Und den will der Blumberger in Zukunft in seinem Revier genießen.

In Jägerkreisen wird hinter vorgehaltener Hand darüber gemunkelt, dass Bouillon und Kreisjägermeister Knut Wälde aneinandergeraten seien. Doch dieser Vermutung erteilen die beiden eine klare Absage. Wälde betont, dass er vom Rücktritt total überrascht worden sei. Es habe keine persönliche Auseinandersetzung mit Bouillon gegeben, er sei erst vor Kurzem zweimal zusammen mit ihm auf der Jagd gewesen. "Wir sind gut befreundet", sagt Wälde, der seit 31 Jahren Kreisjägermeister im Schwarzwald-Baar-Kreis ist und dessen Stellvertreter Bouillon viele Jahre lang war. Wälde nennt Bouillon einen "verlässlichen Partner", dessen Rücktritt beruhe für ihn auf einem "Missverständnis".

Bouillon bestätigt die Aussagen seines Jagdkameraden. Er habe als Blumberger Hergeringchef nur deshalb die Flinte ins Korn geworfen, weil er es satt habe, dass Jäger heutzutage die "Prügelknaben der Nation" seien. Von allen Seiten würde auf den Jägern rumgetrampelt. Die Rückkehr des Wolfes in den Schwarzwald und die drohende Schweinepest seien zwei Themen, bei denen das gut deutlich würde. Im Gespräch wird klar: Da hat es einer einfach satt, weil er weiß, es sowieso nicht allen recht machen zu können. "Am besten sollten wir Tag und Nacht im Revier verbringen", so Bouillon. Er möchte jetzt einfach seiner eigentlichen Arbeit als Jagdpächter nachkommen und verspürt überhaupt keine Lust mehr, bei der Diskussion von jagdpolitischen Fragen in der ersten Reihe zu stehen. Gleichwohl: "Mein Nachfolger kann sich darauf verlassen, meine volle Unterstützung zu haben."

Dass Bouillon mitten in der Amtsperiode aufhört, müssen die rund 60 Mitglieder des Blumberger Hegerings hinnehmen. Bis ein neuer Leiter gefunden ist, steht Bouillons Vertreter Bernhard Keller in der Pflicht.

Bekannte Köpfe

1949 gründeten zwölf Jäger mit Bäckermeister Kurt Knöpfle den Hegering Blumberg. Erster Hegeringleiter war Oberforstwart Georg Glocker aus Hondingen. Nach elf Jahren ist Felix Baier, Betriebsleiter der Lauffenmühle, nachgerückt. 1963 hat Knöpfle den erkrankten Baier abgelöst, bis in dem promovierten Zahnarzt Karl Preis ein Nachfolger gefunden wurde. 1990 ist Manfred Bouillon für 15 Jahre gefolgt. Ekkehard Jeserich übernahm von 2005 bis 2015, Thomas Fischinger bis 2017.

Ihre Meinung ist uns wichtig
% SALE bei SÜDKURIER Inspirationen %
Neu aus diesem Ressort
Achdorf
Blumberg
Blumberg
Blumberg
Blumberg/Freiburg
Hondingen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren