Blumberg Blumberger Bahnchef streckt Tierfreunden die Hand aus

Christian Brinkmann will Dialog mit Fledermaus-Schützern und sieht Chancen für Kompromiss

In die Auseinandersetzung um das Winterfahrverbot der Sauschwänzlebahn zum Schutz der in den Tunnels überwinternden Mopsfledermäuse kommt Bewegung. Die Argumente des Naturschutzbunds (Nabu), der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz und des Landesnaturschutzverbandes, über die der SÜDKURIER in seiner Mittwochausgabe berichtet hat, wertet Christian Brinkmann, der Chef der Blumberger Bahnbetriebe, als Einstieg in einen Dialog. Er kann sich zu dem komplexen Thema gut einen runden Tisch vorstellen, an dem beide Seiten ihre Ansichten zur Diskussion stellen. Bislang gab es keinen direkten Kontakt zwischen beiden Parteien.

Brinkmann, in seiner Jugend selbst beim BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) in Darmstadt über viele Jahre engagiert, macht das Gesprächsangebot auch vor dem Hintergrund eines potenziellen Imageschadens: „Wir möchten, dass die Sauschwänzlebahn nicht als Naturzerstörer wahrgenommen wird. Das Gegenteil ist nämlich der Fall. Die Bahnstrecke bietet mit ihren ganz speziellen Strukturen zahlreichen geschützten Tieren spezifische Lebensräume, und das ist auch gut so."

Unter dem Strich bedeute das Winterfahrverbot für die Bahnbetriebe Blumberg eine existenzielle Bedrohung des bauhistorischen Highlights, so Brinkmann. Die Instandhaltung der strategischen Bahnlinie sei ohnehin ein teures Unterfangen und werde durch das Winterfahrverbot extrem erschwert, wodurch auch die Kosten stiegen. "Wieso dürfen wir nicht zumindest zwischen Zollhaus und Fützen fahren?", fragt Brinkmann – denn der Weiler Kehrtunnel, in dem die größte Mopsfledermauspopulation nachgewiesen ist, liegt zwischen Fützen und der Endstation Weizen.

Dann hätte sein Unternehmen zumindest die Möglichkeit, seine Loks vermieten zu können und zum Beispiel Sonderfahrten unter Dampf zu einem Weihnachtsmarkt in der näheren Umgebung anbieten zu können. Nach eigener Aussage geht es dem Eisenbahner nicht darum, auf Kosten des Naturschutzes Geld verdienen zu wollen. Ihn beschäftigt vielmehr die Frage, ob die Sauschwänzlebahn als Kulturgut erhalten werden soll oder dies in absehbarer Zeit nicht mehr möglich sei.

Was die Bahnbetriebe vor allem ärgert: Zu Beginn der Auseinandersetzung 2013 wurden von ihnen zahlreiche Vorschläge unterbreitet, wie die Fledermäuse geschützt werden könnten, die jedoch alle abgelehnt worden seien. Brinkmann: „Es ging immer nur um die komplette Sperrung, Kompromisse wurden von Anfang an nicht akzeptiert.“ Dabei seien die Tunnel zweigleisig ausgelegt und böten neben dem einen vorhandenen Gleis ausreichen Platz für bauliche Rückzugsmöglichkeiten. Der Mann mit 20-jähriger Berufserfahrung bei verschiedenen Streckenbetreibern hat beim Umgang mit Fledermäusen ganz andere Erfahrungen gemacht als in Blumberg: „Bei der Sanierung des Niederstettener Tunnels der Westfrankenbahn 2009 hatten wir damals auch Hinweise des Naturschutzes zur Überwinterung von Fledermäusen, denen bei der Planfeststellung Rechnung getragen wurde." Dennoch sei die Taubertalbahn nicht stillgelegt worden. Jeder Tunnel, der zu seinem Zuständigkeitsbereich gehöre, beherberge Fledermäuse. "Wir haben nie tote Exemplare gefunden, trotz regem Zugverkehr und erheblich höherer Zuggeschwindigkeiten“, sagt Brinkmann.

Brinkmann hat die Literatur über Fledermäuse gewälzt und würde gerne die Einschätzung der Natur- und Tierschutzverbände zu einem Fachaufsatz hören: „In einem englischsprachigen Fachartikel wird explizit für die Mopsfledermaus beschrieben, dass sie im August und September die späteren Winterquartiere intensiv anfliegt, das sogenannte Schwärmen." Bei der Herrmann-Hesse-Bahn (sie verkehrt ab 2018 zwischen Calw und Weil der Stadt, Anmerkung der Redaktion) solle deshalb in dieser Zeit statt Zugverkehr auf Busbetrieb umgestellt werden, wenn es nach den Naturschutzverbänden geht. "Bei der Sauschwänzlebahn ist dann Hochsaison und sie fährt am häufigsten. Gerade dann müsste es ja zu Störungen oder Kollisionen kommen. Es wurden aber bisher bei den Streckenbegängen keine toten Tiere gefunden und die Population wächst weiter", so Brinkmann.

Der Chef der Sauschwänzlebahn ist sich sicher, dass Bahnbetrieb und Naturschutz vereinbar sind: "Wir sind jederzeit bereit über Lösungen zu sprechen, die beides ausreichend berücksichtigen."

Umsiedlung möglich

Die Zeitschrift DB Netz AG hat darüber berichtet, dass Mopsfledermäuse Schutz in einer alten Ziegelei gefunden haben. Der Artikel im Wortlaut: "Weil ein Bahndurchlass nahe Stralsund im Rahmen von Instandhaltungsarbeiten durch Rohre ersetzt wird, verlieren die in ihm lebenden Fledermäuse ihre Wohnstätte – unter ihnen auch die vom Aussterben bedrohten Mopsfledermäuse. Als Ausgleich dient eine ehemalige Ziegelei in Ducherow, die den Bedürfnissen der Flerdertiere entsprechend ausgebaut wurde.

Die Naturschutzbehörden der Landkreise Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen, die Pegasus Naturstiftung Heidelberg und das Eisenbahnbundesamt hatten den Platz gemeinsam ausgesucht. Der etwas 47 mal 19 Meter große, begehbare Ringofen der Ziegelei hat mehrere Öffnungen ins Freie und ist mit einer Dachkonstruktion aus Stahlbeton, Holzschalung und Dachpappe überspannt. Die DB Netz AG trägt die Kosten für Herrichtung und Vorhaltung des Ersatzquartiers und trägt damit zur Sicherung der Population der Mopsfledermaus bei."

Ihre Meinung ist uns wichtig
Außergewöhnliche Geschenkideen für Ihre Liebsten
Neu aus diesem Ressort
Blumberg
Blumberg
Fützen
Blumberg
Blumberg
Blumberg
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren