Auf der Baar regt sich Widerstand gegen Windkraftanlagen

Hondingerin übergibt Unterschriftenliste mit 85 Namen ans Landratsamt

Blumberg/Baar – Nachdem der Widerstand gegen die 13 Windräder auf dem Ettenberg und auf der Länge bislang von einer Anti-Windkraft-Bewegung aus Stühlingen und der Bürgerinitiative zum Schutz des Hochschwarzwalds auf die Baar importiert worden ist, regt sich jetzt erstmals Protest aus der Region. Gestern gab Lucia Bausch aus Hondingen bekannt, dass sie zusammen mit 84 weiteren Hondingern beim Landratsamt Widerspruch gegen "13 Riesenwindräder von 230 Metern Höhe und der Rodung von 17 Hektar Wald" eingelegt hat.

Für Lucia Bausch war in den vergangenen Tagen Klinkenputzen angesagt. Sie lief in Hondingen von Haustür zu Haustür, um ihre Mitbürger zum Kampf gegen die beiden Windparks auf dem Ettenberg und der Länge zu motivieren. Bei den vielen Gesprächen habe sie die Erfahrung gemacht, dass es vielen im Dorf genauso wie ihr ergangen sei: Zwar habe man gewusst, dass die Windkraftanlagen irgendwann kommen sollen. Dass diese aber schon genehmigt worden seien und im Herbst mit den Rodungsarbeiten begonnen werde, habe sie dann doch überrascht. Und Widerspruch einlegen könne man ja erst dann, wenn etwas den behördlichen Segen habe. "Wir wehren uns, weil wir uns übergangen fühlen", sagt Lucia Bausch.

Bürgermeister Markus Keller ordnet in seiner Stellungnahme das Thema politisch ein und skizziert die Rahmenbedingungen, unter denen sich der Blumberger Gemeinderat mit dem Thema auseinandergesetzt hatte. Danach beschäftige das Thema Windenergie alle Städte und Gemeinden seit der Landtagswahl 2011. Damals sei auf Landesebene das politische Ziel formuliert worden, in Baden-Württemberg mehr Energie aus Wind zu gewinnen. Aus diesem Grund seien die Kommunen quasi verpflichtet worden, den Flächennutzungsplan fortzuschreiben. Das Verfahren sei öffentlich beraten und die sogenannten Träger öffentlicher Belange gehört worden. "Der einzige mögliche Standort war der Ettenberg", so Keller. Alle anderen Standorte habe der Gemeinderat aus verschiedenen Gründen (zum Beispiel Abstandsflächen oder Artenschutz) ausgeschlossen. "Wir haben öffentlich beraten", schreibt der Rathauschef weiter. Er verweist außerdem darauf, dass auf seinen persönlichen Wunsch hin beispielsweise am 13. Oktober ein öffentlicher Zwischenbericht vorgestellt wurde. Und er erinnert an eine öffentliche Bürgerinformation, die Ende vergangenen Jahres in Riedöschingen stattfand. "Ich meine auch, dass die Presse mehrfach und gut verständlich berichtet hatte. Daher kann ich nicht nachvollziehen, warum der Eindruck entstanden sein soll, dass die Öffentlichkeit nicht informiert wurde. Wir haben hier deutlich mehr als rechtlich vorgeschrieben kommuniziert." Gleichzeitig sei es absolut legitim, wenn Widersprüche oder Unterschriftenlisten für/gegen ein Projekt entstehen. Dafür gebe es ja die Einspruchsfristen.

Hondingens Ortsvorsteher Horst Fürderer wurde einen Tag bevor die Unterschriftenliste im Landratsamt abgegeben wurde von der Initiatorin in einem kurzen Telefongespräch von der Aktion unterrichtet. Er betont, dass er dem Thema "Windkraft in unserer Region" skeptisch gegenüberstehe. Das habe er unter anderem auch dadurch dokumentiert, dass er als Gemeinderat dem Bauantrag des Betreibers Green City über fünf Anlagen im Gebiet Ettenberg im Rahmen der öffentlichen Gemeinderatssitzung vom 15. Dezember 2016 nicht zugestimmt habe.

Im Wortlaut

Unter folgenden Aufruf haben 85 Hondinger ihre Unterschrift gesetzt:

"Wir alle widersprechen, weil wir der Ansicht sind, dass die Öffentlichkeit bis zur Genehmigung der Anlage durch das Landratsamt kaum etwas von diesen Riesentürmen wusste. Wir widersprechen, weil wir denken, , dass auf der Länge viel zu wenig Wind weht und weil die Natur und der geschützte Rotmilan dafür geopfert werden. Wir verlangen deshalb, dass die Genehmigungen zurückgezogen werden. Oder in den strittigen Punkten, also beim Windvorkommen, beim Rotmilan und dem gewährten sofortigen Vollzug entsprechend angepasst werden."

Klimaschutz spricht für Windkraftanlagen

Was geplant ist: Das Landratsamt hat acht Windkraftanlagen auf der Länge (Gemarkung Fürstenberg und Neudingen) sowie fünf Windkraftanlagen am Ettenberg (Gemarkung Blumberg-Riedöschingen) genehmigt. Hinter den Anlagen auf der Länge steht die Firma Solarcomplex aus Singen, hinter den Anlagen auf dem Ettenberg Green City aus München.

Was der Experte sagt: Gerhard Bronner vom Umweltbüro der Städte Donaueschingen, Bräunlingen und Hüfingen geht in den Baaremer Umweltnachrichten auf die Windkraftanlagen ein. Er bemerkt, dass ein Stühlinger Bürger bei den jetzt aufgekommenen Protesten "Entwicklungshilfe" geleistet habe. Er selbst hält Windkraft für "sinnvoll". Die Eingriffe in die Natur und das Landschaftbild seien bei Windkraftanlagen zwar "ebenso brutal" wie bei der Gewinnung von fossilen Rohstoffen. Doch von fossilen Rohstoffen müsse man sich aus Gründen des Klimaschutzes verabschieden.

Die Windkraft-Gegner im Internet:www.gegenwind-stuehlingen.dewww.bi-hochschwarzwald.de

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